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Nichts reduziert die Lebenserwartung so sehr, wie der Zigarettenkonsum.

Lebenserwartung

Rauchen kostet neun Jahre

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Heidelberger Wissenschaftler errechnen, welche Faktoren die Lebenszeit verkürzen. Rauchen ist danach das riskanteste aller Laster. Am längsten lebt, wer auf Zigaretten, Alkohol, rotes Fleisch und Wurst verzichtet.

Wirklich verwundern kann es nicht: Rauchen ist von allen Lastern das riskanteste. Die Summe der Jahre, die der regelmäßige Griff zum Glimmstängel kostet, erschreckt dann aber doch: Männern raubt der Genuss von mehr als zehn Zigaretten am Tag im Schnitt 9,4 Jahre, Frauen im Schnitt 7,3 Jahre. Auch ein scheinbar moderater Konsum von weniger als zehn Zigaretten reduziert die Lebenserwartung beider Geschlechter noch immer um etwa fünf Jahre. Wer dagegen auf Rauchen und auch auf Alkohol verzichtet, nur wenig rotes Fleisch und Wurst isst, dazu noch Übergewicht vermeidet, lebt bis zu 17 Jahre länger.

Errechnet haben diese Zahlen Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Die Epidemiologen um Professor Rudolf Kaaks analysierten, welche Gewohnheiten das Leben eines heute 40-jährigen Menschen um wie viele Jahre verkürzen – und welche sie verlängern können. Außerdem ermittelten die Forscher auch die Auswirkungen von kombinierten Risiken. Als Basis dienten ihnen Daten aus der sogenannten Epic-Studie, deren mehr als 500.000 Teilnehmer aus ganz Europa Angaben zu ihren Gewohnheiten, zu Körpergewicht oder Blutwerten machten. So soll ein Zusammenhang von Ernährung, Lebensstilfaktoren und Krebs ermittelt werden. Das Deutsche Krebsforschungszentrum ist an der seit nunmehr 20 Jahren laufenden Langzeitstudie beteiligt.

Die größte Lebenserwartung haben den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge Nichtraucher mit einem Body Mass Index zwischen 22,5 und 24,9 – das liegt im eher oberen Bereich des Normalgewichts –, die wenig Alkohol tranken, körperlich aktiv waren und wenig rotes Fleisch, stattdessen aber viel Obst und Gemüse verzehrten. Männer, die so leben und derzeit 40 Jahre alt sind, können im Schnitt 87,5 Jahre alt werden, Frauen sogar 88,7. Zum Vergleich: Jungen, die 2013 in Westeuropa geboren wurden, haben eine Lebenserwartung von 78 Jahren, Mädchen eine von 84 Jahren.

Bei den riskanten Lebensstilfaktoren schlägt das Rauchen wie erwartet am stärksten zu Buche. Es fördert das Entstehen gleich mehrerer Erkrankungen. Weil es die Blutgefäße verengt und verhärtet, steigt das Risiko für Arteriosklerose und Herzinfarkt. Es schädigt die Atemwege, kann chronische Erkrankungen wie COPD hervorrufen und zu Lungenkrebs führen. Daneben begünstigt es weitere Krebsarten, etwa des Kehlkopfs, der Speiseröhre, des Magens, der Harnblase und vermutlich auch der Brust.

Mit beträchtlichem Abstand folgen als Risikofaktoren Übergewicht und Alkohol: Wer erheblich zu viele Kilos auf die Waage bringt oder regelmäßig alkoholische Getränke konsumiert, verliert im Schnitt drei Lebensjahre. Alkohol kann nicht nur die Leber belasten, sondern auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen. Auch die Gefahr eines bösartigen Tumors in Leben, Magen und Darm sowie im Mund- und Rachenbereich steigt.

Übergewicht wiederum begünstigt das Entstehen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, von Diabetes und wirkt vermutlich auch ungünstig in Bezug auf verschiedene Tumorarten. Aber auch ein Body Mass Index unter 22,5 (der noch mehr als zwei Punkte über dem Untergewicht liegt) verringert die Lebenszeit nicht unerheblich: Männer verlieren dadurch im Schnitt dreieinhalb, Frauen zwei Jahre.

Rächen könnte sich zudem eine Vorliebe für saftiges Steaks oder zünftige Bratwürste: Der häufige Verzehr von rotem Fleisch kostet Frauen zweieinhalb und Männer eineinhalb Jahre. Unter anderem stehen diese Lebensmittel im starken Verdacht, Karzinome des Dick- und Enddarms zu begünstigen. Unter die Kategorie „rotes Fleisch“ fallen Rind, Kalb, Schwein und Lamm; bereits der Verzehr von täglich 100 Gramm soll das Risiko um 49 Prozent erhöhen.

Als problematisch bei all diesen ungesunden Lebensgewohnheiten erweist es sich zudem, dass es oft „nicht allein bei einer einzigen bleibt“, wie Rudolf Kaaks sagt. Deshalb errechneten die Forscher auch, zu welchen Konsequenzen eine Kombination mehrerer riskanter Lebensstilfaktoren führt. Der Heidelberger Epidemiologe erklärt: „Demzufolge büßt ein adipöser starker Raucher, der viel trinkt und viel rotes Fleisch verzehrt, gegenüber dem Mitmenschen mit günstigstem Risikoprofil bis zu 17 Jahre Lebenserwartung ein. Bei einer Frau wären es 13,9 Jahre. Sportmuffel indes können leicht aufatmen: Ein Mangel an körperlicher Aktivität machte sich in den Berechnungen der Heidelberger Forscher „nicht durch einen signifikanten Verlust an Lebenserwartung bemerkbar“.

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