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Rat & Ratlosigkeit

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Von: Verena Kern

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Hilft garantiert: weniger fliegen.
Hilft garantiert: weniger fliegen. © Christian Charisius/dpa

Tipps zum klimafreundlichen Leben gibt es viele. Aber bringen sie auch etwas? Die Kolumne „Öko-Logisch“.

Klimafreundlich leben wollen viele. Doch wie klappt die Umsetzung im Alltag? Tipps findet man auf unzähligen Internet-Seiten. Mal werden fünf oder zehn Empfehlungen aufgelistet, mal 30 oder sogar 50 – von „weniger fliegen“ bis zu „Sparduschkopf einbauen“. Die Tipps sind in aller Regel gut und leicht umsetzbar. Aber bringen sie auch etwas?

Kommt darauf an, zeigt eine aktuelle Studie, die ein Team um die US-amerikanische Politikwissenschaftlerin Talbot Andrews veröffentlicht hat. Und jetzt wird es interessant. Denn anders, als man erwarten würde, hängt die Wirksamkeit von Tipps für ein grüneres Leben gar nicht so sehr davon ab, wie viel Einsparpotenzial die Empfehlungen haben oder wie praktikabel sie sind. Entscheidend ist vielmehr, kurioserweise, die Anzahl der Tipps. Das Experiment geht so: Probanden wurden unterschiedlich lange Listen mit einfachen Tipps zu umweltfreundlichen Verhaltensweisen vorgelegt. Einige erhielten nur einen Tipp, andere fünf, zehn oder 20 Empfehlungen. Wer welche Liste bekam, entschied der Zufall. Nach zwei Wochen wurden die Probanden befragt, wie viel sie umgesetzt hatten und wie es ihnen ging.

Die Qual der Wahl

Ergebnis: Diejenigen mit langen Listen hatten weniger Tipps umgesetzt als diejenigen mit kurzen Listen. Und sie fühlten sich weniger gut, weniger wirksam, weniger effizient. Die große Zahl an Empfehlungen war einfach zu viel. Von einem „Overload“ sprechen die Forschenden, von einer Überlastung. Sie schlussfolgern: „Mehr ist nicht immer besser.“

Die Erkenntnis ist nicht neu. Studien haben schon vor mehr als 20 Jahren gezeigt, dass eine zu große Auswahlmöglichkeit demotivierend wirkt. Dabei ging es vor allem um Konsumentscheidungen. Bei einem Experiment beispielsweise konnten Studierende zwischen sechs oder 30 Schokoladensorten wählen. Wer nur ein halbes Dutzend Optionen hatte, war mit seiner Wahl deutlich zufriedener. Den anderen schmeckte die gewählte Schokolade sehr viel weniger. Oder sie entschieden sich gleich für den kleinen Geldbetrag, der alternativ angeboten wurde – wichen also der Wahl aus. Wie Andrews und ihr Team nun zeigen, gibt es dasselbe Phänomen auch beim Klimaschutz.

Daraus folgt: Menschen zu klimafreundlicherem Verhalten zu motivieren, ist wichtig und notwendig. Damit das klappt, braucht es aber günstige Rahmenbedingungen, die von der Politik beschlossen werden müssen.

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