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Verbreitung von Affenpocken: „Rasches und konsequentes Handeln ist erforderlich“

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Von: Pamela Dörhöfer

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PCR-Test zur Erkennung des Affenpockenvirus, hier in einer Klinik in Madrid.
PCR-Test zur Erkennung des Affenpockenvirus, hier in einer Klinik in Madrid, wo PCR- und Genomsequenzierungstests auf Affenpocken in fünf öffentlichen Krankenhäusern begonnen haben. © Carlos Luján / dpa

Medizinische Fachgesellschaften veröffentlichen Stellungnahme zum Ausbruch der Affenpocken. Gesundheitsminister erwartet Impfstoff in ersten beiden Juniwochen.

Frankfurt – Der Weltgesundheitsorganisation WHO sind bis gestern 257 bestätigte Fälle von Affenpocken aus 23 Ländern gemeldet worden, in denen das Virus nicht heimisch ist, hinzu kommen rund 120 Verdachtsfälle. Aus fünf afrikanischen Ländern, wo der Erreger als endemisch gilt, wird von 1365 Fällen seit Mitte Dezember 2021 berichtet, 69 Menschen sind dort an den Folgen der Infektion gestorben.

Laut einem Bericht des US-Nachrichtensenders CNN schätzt die WHO das Risiko für die globale Gesundheit als „moderat“ ein, es könne aber hoch werden, sollte es das Virus schaffen, sich „als humanes Pathogen zu etablieren“ und in Gruppen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf – etwa kleine Kinder und immunsupprimierte Menschen – zu verbreiten. Die Affenpocken sind eine Infektionskrankheit, die bisher vor allem von Tieren auf Menschen übertragen wurde, als Hauptreservoir werden Nagetiere vermutet.

Affenpocken in Deutschland: „Rasch steigenden Zahlen an Infektionen“ sorgen für Reaktionen

Die „rasch steigenden Zahlen an Infektionen“ haben in Deutschland sechs medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften veranlasst, am Montag (30. Mai) in Abstimmung mit der Ständigen Impfkommission (Stiko) eine gemeinsame Stellungnahme zu veröffentlichen. Im Einzelnen sind es die Deutsche Aids-Gesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie, die Deutsche Gesellschaft Pädiatrische Infektiologie, die Deutsche Gesellschaft für Virologie, die Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter und das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung.

Sie schreiben, um den Ausbruch „zu begrenzen“, sei „rasches und konsequentes Handeln erforderlich“. Besonders wichtig seien zunächst „eine zielgruppenspezifische Aufklärung und Information“, die 21-tägige Isolation von Infektionsfällen, Quarantäne für enge Kontaktpersonen und Verdachtsfälle (SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat das bereits angekündigt) sowie die „Risikominimierung bei zwischenmenschlichen Kontakten“. Nach heutigem Wissensstand kann man sich vor allem über das Berühren infektiöser Pusteln und über Körperflüssigkeiten anstecken, aber auch über kontaminierte Materialien wie Bettwäsche oder Kleidung. Medizinischem Personal wird geraten, bei der Versorgung Infizierter „geeignetere Schutzkleidung“ (Maske, Handschuhe, Kittel) zu tragen.

Auch in Deutschland sind die ersten Affenpocken-Fälle aufgetreten. Alle wichtigen Informationen zu den Affenpocken in Deutschland gibt es im aktuellen News-Ticker der Frankfurter Rundschau.

Impfstoff gegen Affenpocken: Karl Lauterbach erwartet erste Lieferungen im Juni

Außerdem müsse „rasch evaluiert werden, ob und wie eine Impfung dazu beitragen kann, das Ausbruchsgeschehen zu begrenzen“. Eingesetzt werden kann dafür ein in der EU zum Schutz vor den humanen Pocken für Erwachsene zugelassener Lebendimpfstoff (Imvanex). „Insbesondere im Umfeld bekannter Infektionscluster könnte eine Impfung Infektionen vermeiden beziehungsweise Krankheitsverläufe abmildern“, heißt es in dem Papier. Eine Prüfung dieser Option solle „zeitnah“ durch die Europäische Arzneimittelbehörde Ema und die Stiko erfolgen. Gesundheitsminister Lauterbach teilte am Sonntag (29. Mai) mit, dass er mit der Lieferung der ersten bestellten 40.000 Impfdosen noch in den ersten beiden Juniwochen rechne. (Pamela Dörhöfer)

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