Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Abholzung des Regenwaldes im Amazonasgebiet schreitet unaufhörlich voran.
+
Die Abholzung des Regenwaldes im Amazonasgebiet schreitet unaufhörlich voran.

Umweltzerstörung in Südamerika

Mehr als 13.000 Quadratkilometer Regenwald zerstört: Regierung in Brasilien hielt Studie zurück

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
    schließen

Neue Zahlen aus Brasilien geben Anlass zu größter Sorge – und zu Kritik, weil das Land sie erst jetzt, nach dem Gipfel in Glasgow, vorlegt.

Brasília - Auf dem Klimagipfel jüngst in Glasgow gab Brasilien den Waldschützer. Bis 2028 solle die illegale Abholzung im Amazonas-Gebiet beendet werden, ließ Präsident Jair Bolsonaro verkünden. Umwelt- und Klimaschützer bezeichneten das als Greenwashing – ein Versprechen vor allem, um das Image der Regierung in Brasília aufzupolieren.

Neue Zahlen zur Waldvernichtung im brasilianischen Teil des Amazonas-Regenwaldes geben ihnen recht. Danach sind zwischen August 2020 und Juli 2021 mehr als 13.000 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt oder angebrannt worden. Das ist ein neuer Rekord in Bolsonaros Amtszeit. Das brasilianische Nationale Institut für Weltraumforschung (Inpe) teilte jetzt mit, die vernichtete Fläche sei gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent gewachsen. Sie entspricht etwa fünfmal der Größe des Saarlandes oder rund 18.000 Fußballfeldern.

Massive Umweltzerstörung: Bolsonaros Rückkehr zur Waldvernichtung in Brasilien

Mit Bolsonaros Amtsantritt Anfang 2019 hatte die vorher gebremste Waldvernichtung wieder zugenommen. Im ersten Jahr danach hatte Inpe rund 10 000 Quadratkilometer gemeldet, seither steigen die Zahlen. Der rechtsgerichtete Präsident hatte schon im Wahlkampf 2018 angekündigt, das Amazonas-Gebiet solle stärker wirtschaftlich erschlossen werden. Er öffnete Schutzgebiete dann zunehmend für die Landwirtschaft und den Bergbau.

Finanzmittel und Personalausstattung von Schutzbehörden wurden gekürzt, Straftaten kaum noch verfolgt. Die Amazonas-Region beherbergt den größten Regenwald der Erde, alleine der brasilianische Anteil daran entspricht etwa der Größe Westeuropas. Er speichert enorme Mengen Kohlenstoff, gilt als „Regenmaschine“ für Südamerika und ist ein Hort der Artenvielfalt.

Zur Sache

Regenwälder produzieren normalerweise ihre eigenen Niederschläge. Das funktioniert so: Wasser in den Böden und auf den Blättern wird zu Wasserdampf, wenn sich die Luft im Laufe des Tages erwärmt. Die feuchte Luft steigt in die Atmosphäre auf und bildet dort Wolken, die gegen Abend wieder abregnen. So entsteht ein Wasserkreislauf.
Die Wolken können aber auch in entferntere Regionen transportiert werden. Man spricht dann von „fliegenden Flüssen“. Wind treibt die Wolken in andere Gebiete Brasiliens und umgebende Länder, was die Regionen dort fruchtbar macht. Wo zu viel Regenwald vernichtet wurde, funktionieren diese Mechanismen nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr. (jw)

20 Prozent des Regenwalds sind verloren: Zahlen in Brasilien steigen weiter an

Die Waldvernichtung nahm in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark Fahrt auf, am schlimmsten war sie in den 1990er Jahren. Bereits rund 20 Prozent der Gesamtfläche dieses Lebensraums sind inzwischen verloren. In den letzten beiden Jahrzehnten nahm die Zerstörung tendenziell ab und stagnierte zuletzt bei etwa 6500 Quadratkilometern pro Jahr. Unter Bolsonaro wurde jetzt wieder der Stand von vor 15 Jahren erreicht.

Interessant: Die Inpe-Meldung zum aktuellen Waldverlust ist auf den 27. Oktober datiert, sie wurde aber erst jetzt veröffentlicht. Sie hätte also vor dem Glasgow-Gipfel herausgegeben werden können, der am 31. Oktober begann. Offenbar wurde sie von der Regierung bewusst zurückgehalten. Brasilien beteiligte sich in Glasgow an einem Abkommen, laut dem die Waldvernichtung weltweit bis 2030 gestoppt werden soll.

Regierung in Brasilien kündigt Sanktionen gegen illegale Aktivitäten im Regenwald an

Brasiliens Umweltminister Joaquim Leite sagte nun, die neuen Zahlen seien eine „Herausforderung“ und kündigte an, die Regierung werde gegen illegale Aktivitäten im Amazonas-Regenwald vorgehen. Umweltschützer:innen schenken dem wenig Glauben. Der Chef der Umweltorganisation WWF im Land, Mauricio Voivodic, sagte, tatsächlich treibe die Regierung die Waldvernichtung weiter voran. Werde der Trend nicht gestoppt, sei der Regenwald bald so stark geschädigt, dass er sich nicht mehr erholen könne.

Tatsächlich steht der Amazonas nach der Einschätzung von Expert:innen an einem Kipppunkt. Weiteres Abholzen und Abbrennen könnten dazu führen, dass die Vegetation nicht mehr genug Feuchtigkeit speichert, um dann Niederschläge generieren zu können. Letzten Endes droht aus dem Regenwald eine Savanne zu werden. Wissenschaftler:innen befürchten, dass die Folgen der Waldvernichtung bereits heute zu spüren seien.

Folgen des Klimawandels in Brasilien: Eine der schwersten Dürren seit 100 Jahren

Teile Südamerikas, darunter auch Brasilien, leiden derzeit unter einer der schwersten Dürren seit fast 100 Jahren. Als einer der Gründe wird vermutet, dass die „fliegende Flüsse“ genannten feuchten Luftströme ausbleiben, die sich üblicherweise über dem Regenwald bilden und teils über entfernten Regionen abregnen.

Eine Umkehr in der Amazonaspolitik verspricht Brasiliens linksgerichteter Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva, der 2022 wieder zur Wahl antreten will. Er hat eine internationale Initiative gegen die Waldvernichtung vorgeschlagen und auch den designierten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) dazu eingeladen. Die Amazonasregion sei entscheidend, „wenn es um die Erhaltung der Lebensqualität auf dem Planeten geht“, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel“. (Joachim Wille)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare