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Schmerzen, die den ganzen Tag nicht aufhören. Millionen Menschen kennen das.

Radonbäder gegen Schmerzen

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Neue Studie soll die Wirkung untersuchen.

Morgens schon aufwachen mit Schmerzen in den Fingern, der Schulter oder gleich mehreren Gelenken, vielleicht auch am ganzen Körper. Schmerzen, die dann den ganzen Tag nicht weichen, sich auch noch verstärken können. Millionen Menschen kennen diesen quälenden Zustand: Arthrosen und Arthritis zählen zu den häufigsten Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems. Sie verursachen oft chronische Schmerzen, schränken die Mobilität ein und wirken sich negativ auf die Lebensqualität aus: Nichts macht mehr Spaß, weil es weh tut – oder weil man Angst hat, es könnte so sein.

Häufig rennen diese Patienten von Arzt zu Arzt in der Hoffnung auf Linderung. Zu den gängigsten Behandlungsmethoden zählen schmerzstillende und zum Teil auch kortisonhaltige Medikamente, letztere vor allem bei Arthritis, die eine entzündliche Erkrankung ist – anders als Arthrose, der degenerative Prozesse zugrunde liegen und bei der als Ultima Ratio auch eine Operation erforderlich werden kann.

Allzu oft bleibt bei den klassischen Schmerztherapien dieser Erkrankungen indes ein durchschlagender Erfolg aus, sprechen Patienten nur schlecht oder nicht dauerhaft darauf an. Viele schauen sich dann nach alternativen Methoden um. Zu diesen gehört auch die Radonkur, wie sie in speziellen Kurorten angeboten wird.

Die Patienten erhalten dabei meist serielle Bäder in radonhaltigem Thermalwasser. Eine Therapie mit Tradition: Seit mehr als 100 Jahren wird natürliches radonhaltiges Thermalwasser gegen chronisch-degenerative, entzündliche Erkrankungen und allgemeine Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems eingesetzt. Viele Patienten berichten danach, dass sich ihre Schmerzen deutlich gebessert hätten. Doch Studien dazu gibt es bislang nur wenige. So sind die der Linderung zugrunde liegenden molekularen Mechanismen noch weitgehend unbekannt.

Placebo-kontrollierte Studie

In einer Placebo-kontrollierten Studie mit dem Namen RAD-ON02 sollen diese Fragen nun unter die Lupe genommen werden. Mediziner der Strahlenklinik des Universitätsklinikums Erlangen wollen in einer Kooperation mit dem Kurort-Forschungsverein Bad Steben die immunologischen und schmerzlindernden Wirkungen von seriellen Radonbädern untersuchen. Wissenschaftler des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung in Darmstadt, des Universitätsklinikums Frankfurt und der Technischen Universität Darmstadt nehmen sich die potenziellen Nebenwirkungen von Radonbädern vor.

Denn zurückschrecken lässt manche Patienten auch die Strahlung, die vom Element Radon ausgeht. Gleichzeitig gehen Experten davon aus, dass es gerade die kurze, geringfügige Strahlenexposition ist, die den positiven Therapieeffekt bewirkt.

Radon ist ein natürlicher Bestandteil der Erdrinde und der Luft, die Konzentration ist aber regional sehr unterschiedlich. Besonders hoch ist sie etwa    im Erzgebirge, im Thüringer Wald, im Bayerischen Wald oder in den Hohen Tauern. In hohen Dosen oder bei langfristiger Exposition kann Radon das Risiko für Lungenkrebs und offenbar auch für Schwarzen Hautkrebs erhöhen.

Durchschnittlich ist man in Deutschland einer natürlichen Strahlung von 2,4 mSv (Milli-Sievert) im Jahr ausgesetzt, bei der Radon mehr als die Hälfte ausmacht. Wie der Kurort Bad Steben auf seiner Homepage angibt, soll man bei einer dreiwöchigen Heilstollenkur mit höchstens 1,8 mSv (Millisievert) konfrontiert werden, das entspreche etwa einer Röntgenuntersuchung der Lendenwirbelsäule in zwei Ebenen. Bei einer Badekur komme man nur auf einen Wert von 1 mSv.

Serielle Radonbäder

Für die Studie erhalten 100 Patienten in Bad Steben serielle Radonbäder. Dabei badet zunächst nur die Hälfte in radonhaltigem Thermalwasser, die anderen Teilnehmer nehmen also ein Placebobad, ohne darüber Bescheid zu wissen. Anschließend werden die Patienten über einen längeren Zeitraum klinisch und immunologisch untersucht.

Um keinem Teilnehmer das Therapeutikum vorzuenthalten, werden in einer zweiten Serie die Patientengruppen getauscht. Für die Betreuung der Probanden und die angeschlossenen medizinischen Untersuchungen ist ein Team um Gerhard Klein, Kardiologe und Facharzt für Innere Medizin, zuständig. Dabei werden vor und nach der Badekur das Schmerzempfinden, die Wirkung auf das Herz-Kreislauf-Systems sowie der oxidative Stress erfasst und ausgewertet.

Um die Veränderungen in der Interaktion zwischen Immunsystem und Knochenapparat zu verfolgen, wird außerdem das Blut der Patienten engmaschig molekularbiologisch analysiert. Unter der Leitung von Udo Gaipl und Benjamin Frey untersucht das Team der Erlanger Strahlenimmunologie insbesondere, inwiefern sich der Immunstatus temporär ändert. Dafür werden unter anderem 26 verschiedene Typen von Immunzellen, deren Anzahl und Aktivierungszustand gemessen sowie Botenstoffe im Blutserum ermittelt, die mit Entzündungen und dem Knochenstoffwechsel zusammenhängen.

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