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Die Antikörper gegen Migräne werden unter die Haut gespritzt. (Symbolbild)

Migräne-Prophylaxe

Antikörper gegen Migräne

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Erstmals steht ein spezifisches Medikament zur Prophylaxe von Migräne zur Verfügung.

Eine neue Ära in der Migräne-Vorbeugung habe begonnen, seit im vergangenen November der erste Antikörper mit dieser Indikation in Deutschland zugelassen wurde, sagt die Neurologin Astrid Gendolla, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt. Mit Erenumab stünde erstmals ein spezifisches Medikament zur Prophylaxe von Migräne zur Verfügung. Zwar werden seit Jahren Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika ebenfalls eingesetzt, um das Aufkommen der gefürchteten Attacken zu verhindern, doch ursprünglich wurden diese Mittel zur Therapie anderer Erkrankungen entwickelt.

Die Mittel werden gespritzt

Erenumab ist vor allem eine Hoffnung für Menschen mit chronischer Migräne, die an mehr als 15 Tagen unter den quälenden Kopfschmerzen leiden – und denen bisher oft nur schwer zu helfen war. Bei ihnen führe der Antikörper im Schnitt zu einer Verringerung der Migränetage um 50 Prozent, sagt Astrid Gendolla. Zugelassen ist das Medikament aber bereits ab vier Migränetagen; allerdings ist fraglich, ob diese Therapie bei solchen „leichteren“ Fällen von der Krankenkasse bezahlt wird.

Antikörper werden seit einiger Zeit in vielen Bereichen der Medizin als molekular zielgerichtete Mittel eingesetzt. Erenumab richtet sich gegen den Rezeptor für das Calcitonin Gene-Related Peptid (CGRP), ein Neuropeptid, das entzündlich wirkt und beim Entstehen einer Migräneattacke eine wichtige Rolle spielt. Es wird einmal monatlich unter die Haut gespritzt, die Nebenwirkungen seien nur sehr gering und mit der eines Placebos vergleichbar, sagt die Neurologin.

Im Laufe dieses Jahres sollen mit Galcanezumab und Fremanezumab noch zwei weitere Antikörper zur Migräne-Prophylaxe in Deutschland auf den Markt kommen. Anders als Erenumab wirken sie nicht auf den Rezeptor auf der Zelloberfläche, sondern direkt auf das CGRP, das sie binden und damit blockieren. Auch diese Substanzen werden im Abstand von etwa 28 Tagen injiziert.

An weiteren Mitteln wird derzeit geforscht. Besonders hoffnungsvoll erschienen hier die sogenannten „small molecules“. Sie sollen anders als die Antikörper nicht vorbeugen, sondern bei einer akuten Attacke Linderung verschaffen. Seit der Einführung der Triptane in den 1990er Jahren gab es auf diesem Gebiet keinen wesentlichen Fortschritt. Die Erwartungen an diese Mittel seien hoch, sagt Astrid Gendolla, auch wenn sie wie alle anderen keine Heilung versprechen werden. Mit einer Zulassung in Deutschland wird im Jahr 2023 gerechnet.

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