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Präsidentin verärgert Jüdische Gemeinde

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Hamburgs umstrittene Uni-Präsidentin, Monika Auweter-Kurtz.
Hamburgs umstrittene Uni-Präsidentin, Monika Auweter-Kurtz. © dpa

Hamburgs umstrittene Uni-Präsidentin gibt ein "arisiertes" Gebäude nicht frei. Die Jüdischen Gemeinde ist bestürzt. Wegen ihres rabiaten Führungsstils soll Monika Auweter-Kurtz nun zurücktreten. Die Briefe im Wortlaut.Von Hermann Horstkotte

Von Hermann Horstkotte

Hamburgs umstrittene Uni-Präsidentin, Monika Auweter-Kurtz, hat nun auch den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Ruben Herzberg, verärgert. Er sei "hochgradig bestürzt", sagte Herzberg zur FR. Auweter-Kurtz lehne es ab, ein von der Uni gemietetes, 1935 "arisiertes" Gebäude für ein jüdisches Museum in der Hansestadt freizugeben.

Im Gegenteil wolle sie den laufenden Mietvertrag Ende dieses Monats vorzeitig um weitere zehn Jahre verlängern. Das bestätigte der heutige Eigentümer, die GEW Hamburg, der FR.

Im erst jetzt bekannt gewordenen Ablehnungsbescheid an die Jüdische Gemeinde machte die Präsidentin bereits im Dezember geltend, "zwingend eine funktionsfähige Bauverwaltung in Campusnähe zu brauchen". Weiter: "Die Verantwortung den Studierenden gegenüber (die sich zum Teil die Studiengebühren vom Mund absparen müssen) erlaubt es gegenwärtig nicht, auf angemietete Flächen zu verzichten." Lehrende und Lernende reagierten entsetzt über die Stillosigkeit.

Auweter-Kurtz steht innerhalb der Universität mit dem Rücken zur Wand: Vier der sechs Dekane forderten sie unter anderem wegen ihres rabiaten Führungsstils zum Rücktritt auf.

Lesen Sie auf der nächsten Seite den Brief der Jüdischen Gemeinde Hamburg an Monika Auweter-Kurtz

Jüdische Gemeinde in Hamburg, Hamburg, 8. 12.2008

Sehr geehrte Frau Professor Auweter-Kurtz,

als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde möchte ich Ihnen eine eher heikle Angelegenheit vortragen. Dies tue ich, weil ich weiß, dass die Universität Hamburg mit zahlreichen Ausstellungen und öffentlichen Verlautbarungen gerade in den letzten Jahren Empathie für die jüdischen Opfer des NS-Regimes gezeigt hat.

In diesem Zusammenhang bedanke ich mich auch noch einmal ausdrücklich für die überzeugende Rede, die der Vizepräsident, Prof. Dr. Fischer, im Namen der Universität Hamburg am 6. November 2008 auf dem Joseph-Carlebach-Platz gehalten hat. Liebe Frau Professor Auwerter-Kurtz, es geht um das Gebäude Rothenbaumchaussee 19, in dem das Bau- und Gebäudemanagement der Universität Hamburg ihren Sitz hat.Mir ist bekannt geworden, dass die GEW Hamburg als Eigentümerin des Gebäudes ungeachtet der öffentlichen Diskussion zu diesem Gebäude ein langfristiges Mietverhältnis anstrebt. Um es vorweg zu sagen, im Namen der Jüdischen Gemeinde Hamburg halte ich dieses Vorhaben - vorsichtig ausgedrückt - für sehr bedauerlich. Die Jüdische Gemeinde überlegt weiterhin, ob das Gebäude ein geeigneter Standort für ein von der Freien und Hansestadt Hamburg einzurichtendes Jüdischen Museums sein könnte.

Wir fänden es außerordentlich irritierend, wenn durch eine langfristige Anmietung eine Entscheidung über die Zukunft des Hauses präjudiziert werden würde. Zum Hintergrund: Wie Sie vielleicht aus dem Artikel "Wem gehört Ro 19?" in der ZEIT vom 27. November 2008 entnommen haben, ist seit längerem bekannt und auch auf einer Gedenktafel neben dem Eingang von Ro 19 dokumentiert, dass dieses Gebäude bis 1935 im Eigentum einer jüdischen Erbengemeinschaft war und dann unter zunehmendem antisemitischen Verfolgungsdruck unter Wert an den NS Lehrerbund verkauft wurde.

Nach 1945 wurde es von der neu gegründeten Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft als ihr Eigentum reklamiert und der GEW unter zweifelhaften Umständen übertragen. Die Vorgänge in den Jahren 1935 - 1936 und 1949 - 1953 sind seit längerem Gegenstand von Forschungen, Veröffentlichungen und Diskussionen. Im Februar dieses Jahres kamen diese Aktivitäten auf einem Historischen Symposium der GEW Hamburg, an dem auch ich teilnahm, zu einem eindeutigen Abschluss.

Alle anwesenden Wissenschaftler waren sich einig: Mag die heutige GEW Hamburg auch formal Eigentümerin des Hauses sein, so steht sie doch unter einem moralisch- politischen Erklärungszwang, was mit diesem Haus in Zukunft geschehen soll. Es ist eben keine normale Immobilie, sondern ein arisiertes Gebäude. Die GEW Hamburg hatte zunächst Anfang 2007 Gespräche mit den Bürgerschaftsfraktionen, der Kulturbehörde und auch der Jüdischen Gemeinde geführt, um nachzufragen, ob man sich ein Jüdisches Museum in Ro 19 vorstellen könne. Die Antwort im Jahre 2007 war einhellig positiv. Dennoch lehnte die GEW Hamburg den von ihr selbst vorher ins Gespräch gebrachten Verkauf (Museumslösung) ab.

Unverständlicherweise - und auch dies kann dem ZEIT-Artikel entnommen werden - hat jetzt die Landesvertreterversammlung der GEW Hamburg am 24.11.2008 mit Mehrheit sogar beschlossen, dass das Gebäude Ro 19 ihr keinen Anlass bietet, sich für die Arisierung auch nur zu entschuldigen. Es wurde ein Antragstext abgelehnt, demzufolge den jüdischen Vorbesitzern 1935 Unrecht geschehen sei und demzufolge in den Umständen der Inbesitznahme von Ro 19 nach 1945 durch die neu gegründete GEW ein politisches und moralisches Versagen der damaligen Lehrergewerkschaft vorliege.

Laut DIE ZEIT spielten für die GEW Hamburg bei dieser Entscheidung finanzielle Gründe eine maßgebliche Rolle. Ich finde diese Haltung der GEW Hamburg empörend. Das Haus liegt im Grindel-Viertel, vor der Verfolgung eine bevorzugte Wohngegend von Hamburger Juden. In ihm spiegelt sich von seiner Lage, aber auch von seinen ehemaligen jüdisch-großbürgerlichen Bewohnern und von seinem Schicksal als Arisierungsobjekt ein wichtiger Teil der Geschichte der Hamburger Juden seit den 1890er Jahren wider.

Ein Jüdisches Museum an dieser Stelle wäre ein Haus, das Geschichten erzählen und als Haus der jüdischen Geschichte Hamburgs fungieren könnte.

Nicht nur die ehemalige Leiterin des Hamburg-Museums, Frau Prof. Jaacks, vertritt diese Auffassung, auch der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Ole von Beust, forderte die GEW Hamburg im Jahr 2007 auf, dringend ihren damaligen Beschluss, das Haus Ro 19 nicht an die Hansestadt (zwecks Gründung eine Jüdischen Museums) zu verkaufen, zu überdenken. Es gehe, so der Erste Bürgermeister an die Adresse der GEW Hamburg, "auch nicht um juristische Fragen, sondern um die moralische Pflicht, um die historische Verantwortung und um menschlichen Anstand."

Ich bitte die Universität Hamburg, ihre Pläne bezüglich der langfristigen Anmietung des Gebäudes Ro 19 zu überdenken. Die Jüdische Gemeinde wird auf den Senat hinwirken, die GEW Hamburg aufzufordern, in naher Zukunft das Haus an die Stadt zu verkaufen.

Mit freundlichen Grüßen

Ruben Herzberg, Vorsitzender

Lesen Sie auf der nächsten Seite die umstrittene Antwort der Hamburger Uni-Präsidentin Monika Auweter-Kurtz im Wortlaut

Uni-Präsidentin Monika Auweter-Kurtz antwortet am 16. Dezember 2008:

Sehr geehrter Herr Herzberg,

herzlichen Dank für Ihr Schreiben vom 08. Dezember 2008: Sie haben Recht und können darauf vertrauen, dass die Universität Hamburg das Anliegen der Jüdischen Gemeinde und vieler aufgeklärter Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt unterstützt, ein Jüdisches Museum in Hamburg einzurichten.

Ganz sicher werden auch Sie Verständnis dafür haben, dass angesichts des absolut desolaten, teilweise unbenutzbaren Zustandes zahlreicher Universitätsgebäude und des hieraus resultierenden enormen Handlungsbedarfes die Universität dringend nicht nur auf jeden Quadratmeter Nutzfläche angewiesen ist, sondern in dieser Situation zwingend eine funktionsfähige Bauabteilung in Campusnähe gebraucht.

Die Verantwortung den Studierenden gegenüber (die sich zum Teil die Studiengebühren vom Munde absparen müssen) erlaubt es gegenwärtig nicht, auf angemietete Flächen zu verzichten! Im Gegenteil: die Universität hat einen dringenden zusätzlichen Flächenbedarf kurzzeitig zu befriedigen. Ich hoffe auf Ihr Verständnis für unsere Situation.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr.-Ing. habil. Monika Auweter-Kurtz - Präsidentin - Universität Hamburg

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