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„Potenziell gefährlicher“ Asteroid Phaethon überrascht Forschende

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Von: Tanja Banner

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Der Asteroid (3200) Phaethon dreht sich vier Millisekunden pro Jahr schneller. Die Aufnahmen stammen aus dem Dezember 2017 und wurden vom mittlerweile zerstörten Arecibo-Teleskop in Puerto Rico gemacht.
Der Asteroid (3200) Phaethon dreht sich vier Millisekunden pro Jahr schneller. Die Aufnahmen stammen aus dem Dezember 2017 und wurden vom mittlerweile zerstörten Arecibo-Teleskop in Puerto Rico gemacht. © Arecibo Observatory/NASA/NSF

Phaethon ist ein Asteroid, der von Forschenden genau beobachtet wird. Nun entdeckt ein Planetenwissenschaftler eine ungewöhnliche Veränderung.

Frankfurt – Der Asteroid (3200) Phaethon ist für drei Dinge bekannt: Er ist der Himmelskörper, der jeden Dezember Sternschnuppen (die Geminiden) regnen lässt. Er verhält sich teilweise eher wie ein Komet statt wie ein Asteroid. Und er ist als „potenziell gefährlicher Asteroid“ eingestuft. Klingt also ganz so, als wäre Phaethon für die Forschung von großem Interesse. Tatsächlich will die japanische Raumfahrtorganisation Jaxa 2024 die Mission „Destiny+“ zum Asteroiden Phaethon schicken. Im Jahr 2028 soll die Raumsonde an dem Weltraumbrocken vorbeifliegen und ihn genauer untersuchen.

Unter anderem aus diesem Grund wird der Asteroid seit einiger Zeit genau erforscht. Man kennt ihn mittlerweile recht gut und weiß deshalb, dass er zwar in die Kategorie „potenziell gefährlicher Asteroid“ gehört, er der Erde jedoch in den nächsten Jahrhunderten nicht gefährlich wird. Phaethon gilt vor allem wegen seiner Größe (6,25 Kilometer Durchmesser) und seiner Umlaufbahn (er kommt der Erde gelegentlich näher als 7,5 Millionen Kilometer) als „potenziell gefährlich“, doch sein Orbit und seine Annäherungen an die Erde sind gut erforscht – der Asteroid stellt keine Gefahr dar.

Asteroid Phaethon: Forschende entdecken seltsames Verhalten

Doch bei der Erforschung des Asteroiden ist Forschenden ein neues Verhalten von Phaethon aufgefallen: Der Gesteinsbrocken dreht sich im Weltall immer schneller um seine eigene Achse – er beschleunigt seine Rotation pro Jahr um etwa vier Millisekunden. Das klingt nach einer minimalen Änderung – die jedoch trotzdem eine große Bedeutung hat: Normalerweise verändert sich die Drehung von Asteroiden nämlich überhaupt nicht.

Um für die japanische Mission bestmöglich vorbereitet zu sein, beobachten Forschende den Asteroiden Phaethon und ermitteln unter anderem seine Drehgeschwindigkeit. Dazu achten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf Helligkeitsänderungen. Etwa 3,6 Stunden braucht Phaethon für eine Drehung um seine eigene Achse – doch der Planetenwissenschaftler Sean Marshall wollte es genauer wissen und stieß auf Ungereimtheiten: „Die Vorhersagen des Formmodells stimmten nicht mit den Daten überein“, erklärte er bei einem Treffen der American Astronomical Society.

Name:(3200) Phaethon, (1983 TB)
Typ:Apollo-Asteroid
Durchmesser:6,25 Kilometer
Umlaufzeit um die Sonne:524 Tage
Entdeckung:11. Oktober 1983
Benannt nach:griechische Mythologie: Sohn des griechischen Sonnengottes Helios

Asteroid (3200) Phaethon ändert seine Rotationsgeschwindigkeit

„Die Zeiten, in denen das Modell am hellsten war, stimmten eindeutig nicht mit den Zeiten überein, in denen Phaethon tatsächlich am hellsten beobachtet wurde“, so Marshall. Seine Vermutung: Die Rotationsperiode des Asteroiden hatte sich geringfügig verändert. Tatsächlich entdeckte Marshall beim Blick auf Daten aus den Jahren 1989 bis 2021, dass sich die Drehung des Asteroiden langsam, aber gleichmäßig beschleunigte. Zuerst fiel das nicht auf – doch über die Jahrzehnte summierten sich die Millisekunden, bis die Veränderung sichtbar wurde.

Phaethon ist einer von nur elf Asteroiden, die sich schneller drehen

Forschende kennen die Drehbewegung von tausenden Asteroiden – (3200) Phaethon ist einer von nur elf Asteroiden, bei denen die Rotation an Geschwindigkeit zunimmt. Möglicherweise liegt das daran, dass der Asteroid Masse verliert – Forschende haben kürzlich festgestellt, dass er in der Nähe der Sonne Gesteinsbrocken abgibt. Es ist jedoch auch möglich, dass der sogenannte YORP-Effekt bei Phaethon Wirkung zeigt: Die Hitze eines Sterns beeinflusst dabei die Drehgeschwindigkeit eines kleinen Himmelskörpers.

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Für die geplante japanische Mission zum Asteroiden ist die Entdeckung von Marshall eine gute Nachricht, ist der Planetenforscher überzeugt. „Eine stetige Veränderung bedeutet, dass die Ausrichtung von Phaethon zum Zeitpunkt des Vorbeiflugs der Raumsonde genau vorhergesagt werden kann, sodass man weiß, welche Regionen von der Sonne beleuchtet werden“, erklärt Marshall. (tab)

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