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Eisvulkane entdeckt: Pluto ist „einzigartig unter den besuchten Orten im Sonnensystem“

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Von: Tanja Banner

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Zwergplanet Pluto, fotografiert im Jahr 2015 von der Nasa-Sonde „New Horizons“.
Zwergplanet Pluto, fotografiert im Jahr 2015 von der Nasa-Sonde „New Horizons“. © Zuma Wire/Imago Images

Der Zwergplanet Pluto war offenbar aktiver als erwartet: Forschende entdecken Eisvulkane, die es sonst nirgends im Sonnensystem gibt.

San Antonio – Es gibt Phasen, da steht der Zwergplanet Pluto im Zentrum der Öffentlichkeit. Bei seiner Degradierung vom Planeten zum Zwergplaneten im Jahr 2006 beispielsweise oder als die Nasa-Raumsonde „New Horizons“ im Jahr 2015 an dem Himmelskörper und seinen fünf Monden vorbeiflog. Damals zeigten zahlreiche Bilder erstmals die Oberfläche des Zwergplaneten, der von der Erde 4,5 bis 7,5 Milliarden Kilometer entfernt ist. Die „New Horizons“-Mission lieferte den Forschenden so viele Daten, dass bis heute nicht alles ausgewertet ist.

Nun sorgt eine neue Studie dafür, dass Pluto erneut Aufmerksamkeit zuteilwird. Forschende um Kelsi Singer vom Southwest Research Institute in San Antonio, USA, haben ihren Fokus auf eine bestimmte geologische Formation auf Pluto gelegt und offenbar eine bisher noch nie beobachtete Form des Eisvulkanismus entdeckt. Nasa-Aufnahmen von „New Horizons“ zeigen zwei mehrere Kilometer hohe Berge, die die Forschenden als Eisvulkane einstufen. Die Oberflächen um die beiden Berge Wright Mons und Piccard Mons herum sind der Studie zufolge relativ jung, da dort kaum Einschlagskrater zu sehen sind – im Gegensatz zu anderen Regionen auf Pluto. Die Forschenden gehen deshalb davon aus, dass die Oberfläche um die beiden Berge wahrscheinlich durch relativ junge Aktivität von Eisvulkanen gebildet wurde.

Zwergplanet Pluto: Eiskalter Himmelskörper mit Eisvulkanen

Pluto ist ein eisiger Himmelskörper, die Temperaturen bewegen sich zwischen -249 und -235 Grad Celsius. Flüssiges Wasser friert bei diesen extrem niedrigen Temperaturen und dem atmosphärischen Druck auf der Oberfläche des Pluto sehr schnell ein. Doch unter der Oberfläche des Zwergplaneten muss eine gewisse Wärme existieren, die das Wasser zumindest ansatzweise flüssig macht. Die Forschenden vermuten sogar, dass die innere Struktur des Pluto die Wärme bis in die jüngere Vergangenheit aufrechterhalten hat, sodass sich wassereisreiche Materialien an der Oberfläche ablagern konnten.

Name:Wright Mons
Höhe:4-5 Kilometer hoch
Größe:150 Kilometer breit
Name:Piccard Mons
Höhe:7 Kilometer hoch
Größe:250 Kilometer breit

Die Eisvulkane entstanden den Forschenden zufolge, indem sich zähflüssiges Wassereis, das langsam aus der Oberfläche austrat, im Laufe der Zeit auftürmte. Bis zu sieben Kilometer hohe Berge entstanden – Eisvulkane mit einem ähnlichen Volumen wie die größten Vulkane auf der Erde. Die beiden hohen Berge Wright Mons und Piccard Mond entstanden den Forschenden zufolge, weil dort mehrere Eis-Austritte nah beieinanderlagen. „Dieses Szenario liefert einen Erklärungsmechanismus für alle großen Erhebungen und Senken – sowohl für die dom- oder ringförmigen wie auch für die komplexer geformten“, heißt es in der Studie.

Pluto: Erwartet wurde eine geologisch inaktive Welt – doch es gibt Berge und Täler

„Einige der Vorteile der Erforschung neuer Orte im Sonnensystem ist, dass wir Dinge finden, die wir nicht erwartet haben“, erklärt Kelsi Singer, Hauptautorin der Studie, die im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht wurde. „Diese riesigen, seltsam aussehenden Kryovulkane, die von ‚New Horizons‘ beobachtet wurden, sind ein großartiges Beispiel dafür, wie wir unser Wissen über vulkanische Prozesse und geologische Aktivitäten auf eisigen Welten erweitern“.

Bereits als „New Horizons“ 2015 Bilder vom Pluto zur Erde schickte, war klar, dass die Erwartungen der Forschenden zum Teil falsch waren: Man hatte angesichts der tiefen Temperaturen eine gefrorene und geologisch inaktive Welt erwartet. Zu sehen waren auf den Bildern jedoch verschiedene geologische Merkmale wie Berge, Täler, Ebenen und Gletscher.

Die eisige Vulkanregion des Zwergplaneten Pluto, aufgenommen von der Nasa-Sonde „New Horizons“.
Die eisige Vulkanregion des Zwergplaneten Pluto, aufgenommen von der Nasa-Sonde „New Horizons“. © NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute/Isaac Herrera/Kelsi Singer

Nasa-Mission „New Horizons“ liefert heute noch neue Erkenntnisse über Pluto

„Diese neu veröffentlichte Arbeit ist wirklich bahnbrechend und zeigt einmal mehr, wie viel geologische Persönlichkeit Pluto für einen so kleinen Planeten hat und wie unglaublich aktiv er über lange Zeiträume war“, freut sich Alan Stern vom Southwest Research Institute, der leitende Forscher der „New Horizons“-Mission. „Selbst Jahre nach dem Vorbeiflug zeigen diese neuen Ergebnisse von Singer und ihren Mitarbeitenden, dass es noch viel mehr über die Wunder des Pluto zu lernen gibt, als wir uns vor seiner Erforschung aus der Nähe vorstellen konnten.“

Singer und ihr Team schreiben in der Studie: „Die Freisetzung von eisigem Material auf der Oberfläche eines Körpers mit extrem niedrigen Temperaturen, niedrigem atmosphärischen Druck, geringer Schwerkraft und dem Reichtum an flüchtigem Eis auf der Oberfläche des Pluto machen ihn einzigartig unter den besuchten Orten im Sonnensystem.“ Der Zwergplanet Pluto gehört zu den Himmelskörpern in unserem Sonnensystem, auf denen Forschende die Suche nach Leben für sinnvoll halten. Die neue Studie zum Eisvulkanismus könnte das nun noch untermauern. (tab)

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