Wissenschaft

Physik-Nobelpreis für die Erforschung Schwarzer Löcher

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
    schließen

Der deutsche Astrophysiker Reinhard Genzel erhält für die Entdeckung des Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße den Physik-Nobelpreis – zusammen mit seiner US-Kollegin Andrea Ghez und dem Briten Roger Penrose.

  • Das Nobelpreis-Komitee lobt die Arbeit der Physiker als „wichtigsten Beitrag zur Relativitätstheorie seit Einstein“.
  • Erst nach jahrzehntelanger Arbeit lassen sich in der Erforschung Schwarzer Löcher Erfolge feiern.
  • Andrea Ghez ist erst die vierte Frau, die mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde.

Stockholm – Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr auch an einen Deutschen, einen gebürtigen Bad-Homburger: Reinhard Genzel (68), Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching, teilt ihn sich mit der US-Amerikanerin Andrea Ghez (55) und dem Briten Roger Penrose (89). Alle drei erhalten die hohe Auszeichnung für ihre Forschungen zu Schwarzen Löchern, teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mit. Der Nobelpreis für Physik ist mit insgesamt zehn Millionen Kronen (rund 950 000 Euro) dotiert, wie beim Nobelpreis für Medizin sind das eine Million Kronen mehr als im Vorjahr. Andrea Ghez ist erst die vierte Frau unter den bisher 216 Menschen, die mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet wurden.

Reinhard Genzel hat Physik an der Universität Bonn studiert und 1978 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie promoviert. Er war unter anderem Professor an der University of California in Berkeley und leitet seit 1986 das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching. Zusammen mit Andrea Ghez von der University of California in Berkeley wird er für den Nachweis eines Schwarzen Lochs im Zentrum unserer Milchstraße ausgezeichnet, der beiden unabhängig voneinander gelang. Die Teams von Genzel und Ghez hätten entdeckt, „dass ein unsichtbares und extrem schweres Objekt die Bahnen der Sterne im Zentrum unserer Galaxie regiert“, heißt es in der Begründung des Nobelpreis-Komitees. Genzel und Ghez hätten „den bisher überzeugendsten Beweis für ein supermassereiches Schwarzes Loch“ in diesem Bereich der Milchstraße geliefert.

Das Nobelkomitee verkündet in Stockholm die Preisträger des diesjährigen Nobelpreises für Physik.

Schwarze Löcher sind nur schwer im Weltraum zu entdecken

Schwarze Löcher sind superschwere Massemonster im Universum, die alles verschlingen, das ihnen zu nahe kommt. So dicht gepackt ist die Masse darin, dass ihnen nichts mehr entkommen kann, nicht einmal Licht. Deshalb ist ein Schwarzes Loch auch schwarz – und damit schwer im dunklen Weltraum zu entdecken, anders als ein leuchtender Stern. Aufspüren lassen sich diese Phänomene daher nur mit indirekten Verfahren.

Um durch interstellares Gas und Staub hindurch Einblicke ins Zentrum unserer Milchstraße zu erhalten, nutzten Genzel und Ghez die größten Teleskope der Welt und entwickelten dabei Welt hochpräzise, innovative Methoden der Beobachtung. „Sie haben die Grenzen der Technik erweitert“, schreibt das Nobelpreis-Komitee in seiner Würdigung.

Erst nach jahrzehntelanger Arbeit machen die Physiker eine spektakuläre Entdeckung

Die beiden Teams um Genzel und Ghez hatten sich seit Anfang der 1990er Jahre auf eine Region im Zentrum unserer Galaxie konzentriert, die den Namen Sagittarius A* trägt. Sie ist rund 26 000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Mit zunehmender Präzision und immer höherer räumlicher Auflösung kartierten die beiden Teams die Bewegung der hellsten Sterne im Sternhaufen nahe der Mitte der Milchstraße. Dabei machten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dann die spektakuläre Entdeckung: Sie fanden ein extrem schweres, unsichtbares Objekt. „In einer Region, die nicht größer als unser Sonnensystem ist, sind rund vier Millionen Sonnenmassen zusammengepackt“, erläutert das Nobelpreis-Komitee.

Außerdem haben die Astronominnen und Astronomen in unmittelbarer Nähe des Schwarzen Lochs Helligkeitsausbrüche von Gas beobachtet sowie sogenannte Gravitations-Rotverschiebungen – Veränderungen der Frequenz elektromagnetischer Wellen – im Licht eines vorbeiziehenden Sterns, die durch das Massemonster verursacht worden waren.

Ein Schwarzes Loch verschlingt alles, was ihm zu nahe kommt – und lässt es nicht mehr los.

Nobelpreis-Komitee: „Wichtigste Beitrag zur allgemeinen Relativitätstheorie seit Einstein“

Roger Penrose von der University of Oxford hat sich bereits Jahrzehnte vor Reinhard Genzel und Andrea Ghez mit den Geheimnissen des Universums beschäftigt. Im Januar 1965, zehn Jahre nach dem Tod von Albert Einstein, hat der Brite bewiesen, dass sich tatsächlich Schwarze Löcher bilden können und sie eine direkte Folge von Albert Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie sind. Penrose hatte eigens ausgeklügelte mathematische Methoden entwickelt, um Einsteins Relativitätstheorie zu erforschen. Bis dahin waren Schwarze Löcher lediglich eine theoretische Vorstellung; Einstein selbst hatte nicht wirklich an ihre Existenz geglaubt.

Die Arbeit von Penrose gelte nach wie vor „als der wichtigste Beitrag zur allgemeinen Relativitätstheorie seit Einstein“, schreibt das Nobelpreis-Komitee.

Andrea Ghez, Reinhard Genzel und Roger Penrose werden den Nobelpreis, die höchste Auszeichnung auf dem Gebiet der Physik, am 10. Dezember – dem Todestag von Stifter Alfred Nobel – erhalten.

Rubriklistenbild: © Fredrik Sandberg/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare