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Pflanzliche Heilmittel: Zwei Kräuter könnten Viren bekämpfen

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Von: Pamela Dörhöfer

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Codonopsis lanceolata südkoreanische Kräuter
Südkoreanische Kräuter könnten Viren bekämpfen. (Symbolbild) © Imago

Substanzen aus Pflanzen aus Südkorea verhindern, dass Krankheitserreger sich an menschliche Zellen heften. Das macht Hoffnung.

Frankfurt – Als Alexander Fleming 1928 zufällig die bakterientötende Wirkung eines Schimmelpilzes bemerkte, läutete das einen der größten Umbrüche in der Geschichte der Medizin ein. Die Entwicklung der Antibiotika machte viele bis dahin oft tödlich verlaufende bakterielle Infektionen behandelbar. Gegen von Viren verursachte Erkrankungen fand sich hingegen bis heute kein Stoff, der eine ähnlich durchschlagende und breite Wirkung hätte. Die verfügbaren antiviralen Mittel basieren auf ganz unterschiedlichen Ansätzen, bekämpfen häufig nur einen bestimmten Erreger, ihre Effektivität ist oft unbefriedigend.

In Südkorea haben Forschende nun zwei Kräuter entdeckt, in denen sie das Potenzial sehen, als Medikament gegen das Coronavirus und möglicherweise sogar als Breitband-Virostatikum eingesetzt zu werden. Das eine heißt Codonopsis lanceolata, besser bekannt als Deodeok. Es wird in Südkorea angebaut und gehört als fester Bestandteil zur koreanischen Küche; auch als Heilkraut wird es verwendet. Bei dem zweiten handelt es sich um das Sternkraut Aster koraiensis, das dem Gänseblümchen ähnelt und nur auf der koreanischen Halbinsel vorkommt.

Pflanzliche Heilmittel: Infektion mit Sars-CoV-2 „besonders wirksam hemmen“

Das Team unter der Leitung von C. Justin Lee vom Institut für Grundlagenforschung in Südkorea schreibt in zwei Artikeln in den Fachmagazinen „Antiviral Research“ und „Antimicrobial Agents and Chemotherapy“, dass es bislang unbekannte antivirale Verbindungen gefunden habe, die aus diesen beiden Pflanzen gewonnen werden könnten. Konkret geht es um Saponine – sekundäre Pflanzenstoffe, die in Flüssigkeit einen seifenartigen Schaum bilden; beobachten lässt sich das unter anderem beim Kochen von Erbsen oder Linsen.

Die in den südkoreanischen Pflanzen gefundenen Saponine sollen eine Infektion mit Sars-CoV-2 „besonders wirksam hemmen, indem sie die Membranfusion behindern, über die die Viren in die Wirtszellen eindringen“, heißt es in einer Mitteilung des Instituts für Grundlagenforschung aus Südkorea. Zur Erklärung: Das Coronavirus heftet sich mit seinem Spike-Protein an die Oberfläche menschlicher Zellen, um sich anschließend Zugang ins Innere zu verschaffen. Die antiviral wirksamen Saponine in den südkoreanischen Pflanzen heißen Astersaponin I und Lansemaside A. Beide sollen in der Lage sein, die Verschmelzung zwischen Sars-CoV-2 und der Zellmembran zu blockieren, wodurch dem Coronavirus der Weg zur Infektion seines Wirts abgeschnitten würde.

Pflanzliche Heilmittel: Forschungsteam arbeitet mit menschlichen Lungenzellen

Das südkoreanische Forschungsteam arbeitete bei seinen Laborversuchen mit menschlichen Lungenzellen und einem Pseudovirus, welches das Spike-Protein von Sars-CoV-2 auf der Oberfläche trägt. Die Lungenzellen wurden mit Astersaponin I und Lansemaside A behandelt, um zu testen, wie gut die beiden Pflanzenstoffe die Virusinfektion verhindern. Tatsächlich sollen sie das Eindringen des Virus in die Zelle „hochwirksam gestoppt“ haben, heißt es in der Mitteilung der Forschungseinrichtung.

Als die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Wirkung in nachfolgenden Experimenten mit echten Coronaviren testeten, seien die Ergebnisse bestätigt und die Infektion „mit fast der gleichen Effizienz unterdrückt“ worden. Als noch bedeutsamer sehen es die Forschenden an, dass die hemmende Wirkung bei allen Varianten von Sars-CoV-2 inklusive der hochansteckenden Omikron-Variante „identisch“ gewesen sei.

Pflanzliche Heilmittel: Wie kommt es zu dieser antiviralen Wirkung?

Die Forschenden haben eine Theorie, wie es zu dieser antiviralen Wirkung kommt: Die Strukturen der beiden Saponine ähnelten stark denen von Cholesterin, dem Hauptbestandteil von Zellmembranen. Das ermögliche es diesen Pflanzenstoffen, sich leicht an die Zellmembranen zu binden. Außerdem verfügten sie über eine einseitig befestigte lange Zuckerkette. Diese rage hinaus, wenn die Saponine sich an die Zellmembran binden. Die Forschenden nehmen deshalb an, dass der hervorstehende Zucker die Fusion der Membran mit dem Coronavirus behindert.

In einem nächsten Schritt hat das Team in Zusammenarbeit mit dem Korea Advance Institute for Science and Technology die Herstellung synthetischer Saponine mit potenziell noch stärkereren antiviralen Effekten untersucht. Studienleiter C. Justin Lee kündigte an, diese Saponine in Tierversuchen testen und, sollten diese erfolgreich sein, dann auch in klinischen Studien mit Menschen untersuchen zu wollen. Die Hoffnung besteht nicht nur darin, ein Therapeutikum gegen Sars-CoV-2 zu finden, sondern auf diesem Prinzip basierend antivirale Breitbandmedikamente zu entwickeln. (Pamela Dornhöfer)

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