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Mit Hilfe von Biokohle lieén sich negative Emissionen erzeugen.
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Mit Hilfe von Biokohle lieén sich negative Emissionen erzeugen.

Klimawandel

Pflanzenkohle als Klimaretter

  • VonVerena Kern
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Biologische Reststoffe lassen sich für die Energiegewinnung nutzen. Doch die Umsetzung im großen Stil wirft auch Probleme auf.

Die Idee ist richtig gut. Statt Holz, Stroh und andere Biomasse wie bisher zur „grünen“ Energiegewinnung einfach zu verbrennen, erzeugt man daraus Pflanzenkohle (englisch biochar) und schafft so einen wichtigen – und dringend benötigten – Zusatznutzen. Wird Biomasse in Pyrolyseanlagen verkohlt, gewinnt man neben Strom und Wärme auch Biokohle, die, als Dünger eingesetzt, die Bodenqualität verbessert und Kohlenstoff für Jahrtausende im Boden bindet. Es entstehen also „negative Emissionen“, die für die Pariser Klimaziele unbedingt gebraucht werden. Eine echte Win-win-Lösung für Umwelt und Klima. Oder?

Jedes Jahr Millionen Tonnen

Offen ist dabei die Frage, ob die Idee auch dann noch gut ist, wenn sie im großen Stil eingesetzt wird. Wenn daraus ein Geschäftsmodell wird, mit dem vor allem Geld verdient werden soll, während Klima und Umwelt eine Nebenrolle spielen.

Genau das ist bei der bisherigen Biomasse-Nutzung passiert. An sich ist auch diese Idee zunächst richtig gut. Die vielen Millionen Tonnen an biologischen Reststoffen, die jedes Jahr anfallen und anderweitig nicht mehr zu verwerten sind, wirft man nicht einfach weg. Man nutzt sie, um erneuerbare Energie zu erzeugen, die schmutzige fossile Brennstoffe ersetzen kann. Etwa indem Kohlekraftwerke auf Biomasse umgerüstet werden.

Doch die Umsetzung der guten Idee schafft Probleme, die den ursprünglichen Ansatz konterkarieren. Weil mit der Klassifizierung als erneuerbare Energie auch Fördermittel verbunden sind, gibt es einen starken Anreiz, möglichst viel Biomasse zu verbrennen. Die Biomasse-Nutzung ist denn auch förmlich explodiert. Zwei Drittel der Gesamtenergie aus erneuerbaren Quellen, die in der EU erzeugt wird, stammen mittlerweile aus Biomasse – die Hälfte davon Holz.

Weil es gutes Geld bringt, werden die Wälder buchstäblich ausgeräumt und schnell wachsende Plantagen angelegt. Die Menge an „geerntetem“ Holz, so der Fachbegriff, wuchs in den vergangenen 20 Jahren um 24 Prozent. Die Produktion von Brennholz legte sogar um 43 Prozent zu. Dabei ist das Verbrennen von Biomasse nicht einmal klimaneutral, geschweige denn emissionsfrei. Die Kritik an der bisherigen Praxis wird deshalb immer lauter. Sowohl Umweltverbände als auch Fachleute fordern, dass das Verbrennen von Holz nicht mehr als erneuerbar eingestuft wird.

Theoretisch könnte der Einsatz von Pflanzenkohle diese Probleme verringern helfen. Man würde den in der Biomasse enthaltenen Kohlenstoff schließlich nicht einfach nur durch das Verbrennen wieder in die Atmosphäre entlassen. Man würde ihn zurück in den Boden bringen. Dort wäre er zudem sicherer gebunden als in Wäldern, die durch Rodung oder Waldbrände zerstört werden können.

Untersuchungen attestieren der Biokohle jedenfalls ein enormes Potenzial, berichtete Claudia Kammann kürzlich bei einer Online-Diskussion der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die Klimawissenschaftlerin, die am Institut für angewandte Ökologie der Hochschule Geisenheim selbst zu dem Thema forscht, hat die in den letzten Jahren stark angestiegene Zahl von Studien zur Pflanzenkohle einer Meta-Analyse unterzogen.

Demnach hat die Biokohle, neben der langfristigen CO2-Bindung, noch weitere sehr beachtliche Vorteile. Mischt man sie in den Dünger, hilft sie beim Humusaufbau. Kammann spricht von einem „Verzinsungseffekt“. Zudem kann der Boden Wasser und Nährstoffe besser zurückhalten und filtern, es wird weniger Nitrat ausgewaschen, die Freisetzung von klimaschädlichem Lachgas geht zurück und in den Pflanzen finden sich weniger Schwermetalle. Je nach Boden können sogar höhere Erträge erzielt werden.

Gute Regeln erforderlich

All diese Vorteile lassen sich aber nur erzielen, wenn man sehr gute Regeln hat, die streng kontrolliert werden. Andernfalls kann es leicht „in die falsche Richtung gehen“, warnte Axel Don vom bundeseigenen Thünen-Institut für Agrarklimaschutz bei der Veranstaltung. Werden falsche Anreize gesetzt, kann die jetzt schon übermäßige Entnahme von Biomasse aus der Natur noch weiter zunehmen. Geholfen wäre damit vor allem Firmen, die sich die Klimadienstleistung der Biokohle gutschreiben lassen, um ihre Produkte als „CO2-neutral“ vermarkten zu können, statt selbst Emissionen zu reduzieren.

Auch Forscherin Kammann warnte vor „neuen Begehrlichkeiten“. Biomasse, sagte sie, „ist nicht unendlich da“. Vorrangiges Ziel müsse sein, mehr Biomasse in der Landschaft zu haben, nicht weniger. Das helfe dem Klimaschutz am meisten.

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