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Auch im digitalen Zeitalter wird immer noch gedruckt, was der Toner hergibt.

Öko-Logisch

Erst denken, dann drucken

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Auch im digitalen Zeitalter wird immer noch gedruckt, was der Toner hergibt. Wir Deutsche verbrauchen heute sogar deutlich mehr Papier als in den 1990er Jahren.

Das papierlose Büro. Selten so gelacht. Das war der Slogan, mit dem den Menschen in den Bürowelten die Einführung des Computerwesens schmackhaft gemacht werden sollte. Das war in den 1980er und 1990er Jahren. Keine Aktenberge, keine Dokumentenablage, kein Zettelwust mehr. Braucht es ja nicht mehr, ist alles im Personalcomputer und dem gewaltigen Röhren-Bildschirm drin, der den halben Schreibtisch belegt. Und statt Briefen gibt’s nun Email. Pling, Sie haben Post. Ein kleiner Klick, statt umständlich den Brieföffner zu zücken.

Wie gesagt, selten so gelacht. Heute erinnern Hinweise unter manchen Mails noch daran, wie granatenmäßig schief das ging. Save paper – think, before you print. Aber wer tut das schon? Auch im digitalen Zeitalter wird immer noch gedruckt, was der Toner hergibt. Und das ist ja nur ein Teil des Dramas. Denn wir Deutsche verbrauchen heute sogar deutlich mehr Papier als in den 1990er Jahren, satte 240,3 Kilo pro Jahr und pro Kopf.

Papierloses Büro - ein Witz

Das ist eine riesige Menge. Deutschland belegt damit einen unrühmlichen Platz Eins im Vergleich unter den Industriestaaten. Das führt zu so absurden Entwicklungen wie der, dass die Bundesrepublik mit mehr als einer Million Tonnen pro Jahr aus keinem anderen Land soviel Zellstoff importiert wie aus Brasilien, in dem die Regenwald-Vernichtung grassiert. Das ist Klimaschutz kleingehäckselt.

Der Verbrauch sinkt hierzulande trotz der immer besser gewordenen Möglichkeiten, etwa den Büroalltag, wenn schon nicht papierlos, dann doch papierarm zu machen, nicht. Und das liegt – natürlich auch wieder mit an der Digitalisierung. Nämlich an der Online-Bestelleritis. Ein Grund für die hohe Papierflut ist, dass die vielen per Klick georderten Waren zur Lieferung gut verpackt werden müssen. Mit was? Natürlich mit Papier und Pappkarton.

Die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) forderte die Verbraucher jetzt bei der Vorstellung vom „Papieratlas 2019“ eindringlich auf, doch wenigstens durchgehend Recyclingpapier zu nutzen. Dafür müssten kein Baum gefällt, kein Regenwald vernichtet und keine Tiere aus ihren angestammten Lebensräumen vertrieben werden. Da hat sie recht. Aber reichen wird es nicht, um die Kurve zu kriegen. Wie wäre es mit: Think, before you die. Das hilft in Umweltfragen. Und sonst auch. Meistens.

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