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Nach Expertenschätzungen gibt es nur noch 50.000 bis 60.000 freilebende Orang-Utans, 90 Prozent davon in Indonesien.
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Nach Expertenschätzungen gibt es nur noch 50.000 bis 60.000 freilebende Orang-Utans, 90 Prozent davon in Indonesien.

Menschenaffen

Palmölplantagen bedrohen Orang-Utans

Die Forscherin Galdikas kämpft in Indonesien für das Überleben der Menschenaffen. Ihr Lebensraum muss lukrativen Palmölplantagen weichen. Deshalb stehen die Tiere kurz vor der Ausrottung.

Nationalpark Tanjung Puting/Indonesien. Auf der Suche nach den Ursprüngen der Menschheit entsandte der Anthropologe Louis Leakey einst drei junge Frauen nach Afrika und Asien, um des Menschen nächste Verwandte zu erforschen: Jane Goodall zu den Schimpansen, Dian Fossey zu den Berggorillas und Birute Mary Galdikas zu den Orang-Utans.

Fast vier Jahrzehnte später ist die 62-jährige Galdikas die einzige, die noch vor Ort arbeitet. Und die roten Menschenaffen, die sie in Indonesien erforscht, stehen am Rand der Ausrottung, weil ihr Lebensraum immer mehr lukrativen Palmölplantagen weichen muss.

Galdikas bangt, dass viele Fragen für immer offen bleiben. Welche Lebenserwartung haben freilebende Orang-Utans? Wie groß ist das Revier männlicher Tiere? Mit wie vielen Weibchen paaren sie sich im Lauf ihres Lebens? "Ich versuche, nicht deprimiert zu sein", sagt die kanadische Wissenschaftlerin und beugt sich im Nationalpark Tanjung Puting hinab, um ein verwaistes Orang-Utan-Baby hochzuheben, dessen Mutter bei der Futtersuche auf einem Feld getötet wurde. "Aber wenn man die Gegend von oben sieht, ringt man vor Entsetzen nach Luft. Da ist nichts als Palmöl in einer Region, wo dichter Regenwald war.

Anderswo ist abgebranntes Land, das neuerdings sogar bis innerhalb der Parkgrenzen reicht." Die Nachfrage nach Palmöl ist in Europa und den USA gestiegen, seit es als "saubere" Alternative zu herkömmlichem Treibstoff gepriesen wird. Indonesien ist der weltweit größte Produzent von Palmöl, und der Preis dafür ist im vergangenen Jahr um fast 70 Prozent gestiegen. Doch Palmölplantagen vernichten Regenwald und schaffen eine Monokultur, in der Orang-Utans nicht überleben können. Im Laufe der Jahre hat Galdikas gegen Holzfäller, Wilderer und Bergleute gekämpft, doch nie war die Gefahr für ihre Schützlinge größer als jetzt.

Nach Expertenschätzungen gibt es nur noch 50.000 bis 60.000 freilebende Orang-Utans, 90 Prozent davon in Indonesien. Wird ihr Wald weiter dezimiert, ist ihr Überleben unmittelbar gefährdet.Derzeit werden stündlich Bäume auf einer Fläche von 300 Fußballfeldern gefällt. Und riesige Brandrodungen haben Indonesien zu einem der größten Verursacher von Kohlendioxidemissionen werden lassen.

Der 4.150 Quadratkilometer große Nationalpark Tanjung Puting liegt auf der südlichen Spitze der Insel Borneo. Seine 6.000 Orang-Utans sind weniger von Krankheiten und Bränden betroffen als ihre Artgenossen außerhalb. "Ich bin keine Schwarzseherin", sagt Galdikas. "Aber wenn nichts getan wird, hat die Orang-Utan-Bevölkerung außerhalb von Nationalparks noch weniger als zehn Jahre."

Mutter und Kind acht Jahre lang unzertrennlich

Und selbst Tanjung Puting ist nicht sicher. Das liegt zum Teil an einem Streit zwischen Zentral- und Provinzregierung über den Verlauf seiner Grenzen. Sollte die Provinz die Oberhand behalten, könnte der Park um bis zu 25 Prozent schrumpfen.

Galdikas studierte in Los Angeles Anthropologie, als sie 1969 den Gastprofessor Leakey traf. Sie folgte dann dem Vorbild Goodalls, die heute vor allem als Botschafterin für die Sache der Schimpansen arbeitet, und Fosseys, die 1985 in Ruanda ermordet wurde.

Als Galdikas Anfang der 70er Jahre im indonesischen Nationalpark eintraf und sich dort in einer primitiven Strohhütte einrichtete, war ihre erste Herausforderung, die Orang-Utans in den 30 Meter hohen Bäumen überhaupt zu finden. Schließlich schaffte sie es sogar, ihnen zu folgen, zum Teil über mehrere Wochen.

Sie entdeckte, dass weibliche Orang-Utans im Alter von etwa 15 Jahren ihr erstes Junges bekommen, und danach nur eines alle acht oder neun Jahre. Die Verbindung zwischen Mutter und Kind zählt zu den engsten unter allen Säugetieren: Die ersten sieben oder acht Jahre sind beide unzertrennlich. Als Erwachsene leben sie dagegen eher einzelgängerisch, ihre Zeit verbringen sie mit der Suche nach Früchten oder schlafend.

Auswilderung in sichere Wälder immer schwieriger

Eines der wichtigsten Projekte Galdikas' ist ihr Rehabilitationszentrum in einem Dorf außerhalb des Parks. Es ist mit mehr als 300 verwaisten Tieren überbelegt, deren Mütter von Plantagenarbeitern getötet wurden. Da die Wälder verschwinden, ziehen die Affen in die Felder und reißen frischgepflanzte Schößlinge aus der Erde. "Viele kommen schwer verletzt hier an, leiden an Unterernährung, seelischem und körperlichem Trauma", sagt die Forscherin. Und es werde immer schwieriger, sichere Wälder zu finden, in denen sie nach ihrer Genesung ausgewildert werden können.

Forstminister Malem Kaban sagt, seine Regierung bemühe sich um den Schutz der Urwälder. Rodungsgenehmigungen sollten bis einen Kilometer von der Parkgrenze entfernt nicht erteilt werden. Dennoch hat eine Palmölfirma Baumfällarbeiten direkt nördlich der Grenze begonnen und ein Feld der Verwüstung hinterlassen. Vier weitere Firmen haben Genehmigungen am Ostrand des Parks beantragt.

Galdikas setzt unterdessen auf den wachsenden Tourismus im Nationalpark. Denn eine bessere Werbung für den Naturschutz als einen persönlichen Aufenthalt im Urwald gebe es nicht. Wer einmal das Glück gehabt habe, einen Blick mit einem Menschenaffen zu wechseln, wisse, dass es keinen Unterschied zwischen Mensch und Natur gebe. "Wenn sie aussterben, haben wir einen Verwandten weniger in dieser Welt. Und wollen wir auf diesem Planeten wirklich alleine sein?" (ap)

www.orangutan.org

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