Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Der mysteriöse Himmelskörper Oumuamua ist im Jahr 2017 durch unser Sonnensystem gekreuzt. Nun wollen Forschende das Rätsel gelöst haben. (Künstlerische Darstellung)
+
Der mysteriöse Himmelskörper Oumuamua ist im Jahr 2017 durch unser Sonnensystem gekreuzt. Nun wollen Forschende das Rätsel gelöst haben. (Künstlerische Darstellung)

Mysteriöser Himmelskörper

Oumuamua: Rätsel um vermeintliches Alien-Raumschiff gelöst

  • Tanja Banner
    VonTanja Banner
    schließen

Der mysteriöse interstellare Himmelskörper Oumuamua entfacht Spekulationen. Jetzt meinen Forschende, das Rätsel gelöst zu haben.

  • Der Himmelskörper Oumuamua sorgt auch mehr als drei Jahre nach seiner Entdeckung für Aufsehen.
  • Forschende haben das Rätsel um das Objekt wohl gelöst: Es handelt sich dabei definitiv nicht um ein Alien-Raumschiff.
  • News zur Astronomie und News aus der Weltraumforschung finden Sie auf unseren Themenseiten.

Als Forschende im Herbst 2017 einen ungewöhnlichen Himmelskörper in unserem Sonnensystem entdeckten, war die Aufregung groß. Offensichtlich handelte es sich bei Oumuamua, wie der Himmelskörper genannt wurde, um ein Objekt von außerhalb des Sonnensystems. Doch was genau war Oumuamua? Die Theorien der Forschenden reichten von einem Kometen oder einem Asteroiden bis hin zu außerirdischer Technologie.

Selbst mehr als drei Jahre später ist der frühere Chefastronom der Harvard-Universität, Avi Loeb, noch davon überzeugt, es handele sich um ein Alien-Raumschiff. Doch andere Forschende sind in ihren Analysen längst weiter.

„So ein Objekt wie Oumuamua haben wir bisher noch nicht beobachtet. Es ist ungewöhnlich und schwer zu erklären. Doch das bedeutet nicht, dass es keine natürlichen Phänomene gibt, die sein Verhalten erklären könnten“, betonte Matthew Knight von der University of Maryland, der 2019 an einer Analyse des Himmelskörpers beteiligt war. Nun wurden im „Journal of Geophysical Research: Planets“ gleich zwei Studien (doi: 10.1029/2020JE006706 und doi: 10.1029/2020JE006807) veröffentlicht, die sich mit dem außergewöhnlichen Himmelskörper Oumuamua beschäftigen.

Interstellarer Himmelskörper: Ist Oumuamua ein Bruchstück eines Exo-Pluto?

Die Forscher Alan Jackson und Steven Desch von der Arizona State University erklären darin unter anderem, wie Oumuamua seine ungewöhnlich längliche und flache Form erhalten haben könnte – und woher der Himmelskörper stammen könnte. „Diese Studie ist aufregend, denn wir haben wahrscheinlich das Rätsel um Oumuamua gelöst“, freut sich der Astrophysiker Desch. „Wir können ihn als ein Bruchstück eines Exo-Pluto identifizieren“, so Desch weiter. Ein „Exo-Pluto“ sei ein Pluto-ähnlicher Planet in einem anderen Sonnensystem.

Die Forschenden gehen davon aus, dass Oumuamua früher Teil eines plutoähnlichen Objekts in den äußeren Regionen eines fremden Sonnensystems war. „Es wurde wahrscheinlich durch eine Kollision vor einer halben Milliarde Jahre aus dem Himmelskörper herausgebrochen und aus seinem Heimatsystem geschleudert“, erklärt der Astronom und Planetenwissenschaftler Jackson.

Studie: Oumuamua besteht aus gefrorenem Stickstoff

Die Forschenden gehen davon aus, dass Oumuamua aus gefrorenem Stickstoff (N2) besteht und auf seinem Weg durch das Sonnensystem etwa 95 Prozent seiner Masse verloren hat. Dabei habe der Himmelskörper nach und nach seine ungewöhnlich flache Form angenommen. „Gefrorener Stickstoff erklärt die ungewöhnliche Form von Oumuamua. Die äußeren Schichten des Stickstoffeises sind geschmolzen und die Form des Objekts wurde immer flacher, wie ein Stück Seife, dessen äußere Schichten durch die Nutzung abgerieben werden“, vergleicht Jackson.

Bereits zuvor war Forschenden aufgefallen, dass sich Oumuamua teils wie ein Komet, aber zum Teil auch wie ein Asteroid verhält: Der Himmelskörper beschleunigte sich in Richtung seiner Flugbahn – das ist typisch für Kometen. Dabei stieß er jedoch kein Gas aus – was Kometen bei einer Annäherung an die Sonne eigentlich tun. Vor allem die ungewöhnliche Beschleunigung von Oumuamua sorgte für Spekulationen, es könne sich um ein Alien-Raumschiff oder ein außerirdisches Sonnensegel handeln.

Mysteriöser Himmelskörper Oumuamua: Gefrorener Stickstoff löst das Rätsel

Jackson und Desch vermuteten dagegen, dass eine bestimmte Form von Eis das Rätsel um Oumuamua lösen könnte. Sie fanden heraus, dass fester Stickstoff, wie er beispielsweise auf der Oberfläche von Pluto vorkommt, praktisch alle seltsamen Eigenschaften des Himmelskörpers erklären kann. „Jeder interessiert sich für Aliens und es war unvermeidlich, dass dieses erste Objekt von außerhalb des Sonnensystems Menschen an Aliens denken lässt“, erinnert sich Desch. „Aber in der Wissenschaft ist es wichtig, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.“ Es habe zwei oder drei Jahre gedauert, um eine natürliche Erklärung zu finden, die zu allem passe, was man über Oumuamua wisse. „Das ist nicht lang in der Wissenschaft“, betont Desch.

Doch auch wenn es sich bei dem mysteriösen Himmelskörper aus einem fremden Sonnensystem wohl nicht um ein Alien-Raumschiff handelt: Es ermöglichte Forschenden wohl einen Blick auf ein Bruchstück eines Exoplaneten. Planeten in fernen Sonnensystemen bekommen Forschende normalerweise nicht aus der Nähe zu sehen – Oumuamua hat es Wissenschaftlern daher ermöglicht, aus einer bisher unmöglichen Perspektive auf Exoplaneten zu schauen.

Zwei interstellare Besucher im Sonnensystem: Oumuamua und 2I/Borisov

Bisher wurde ein zweiter interstellarer Besucher im Sonnensystem ausgemacht: 2I/Borisov wurde im Sommer 2019 auf seinem Weg durch unser Sonnensystem beobachtet. Bei ihm handelte es sich ganz offensichtlich um einen Kometen. Forschende wie Desch und Jackson hoffen nun, dass künftige Teleskope wie das Vera Rubin Observatory in Chile dabei helfen werden, weitere interstellare Objekte im Sonnensystem zu entdecken. Alan Jackson erhofft sich davon viel: „Wir sollten dann in der Lage sein viel über andere Sonnensysteme zu lernen. Haben sie ähnliche, von Kollisionen geprägte Geschichten, wie unser Sonnensystem?“

Oumuamua und auch der zweite interstellare Besucher, der Komet 2I/Borisov, haben unser Sonnensystem dagegen längst wieder verlassen und bewegen sich hinein in die unendlichen Weiten des Weltalls. (Tanja Banner)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare