Medizin

Osteoporose: Neues Medikament soll gegen Knochenschwund helfen

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Osteoporose wird oft nicht erkannt und behandelt – nun wurde ein neues Medikament gegen Knochenschwund zugelassen. Wie Antikörper helfen sollen.

  • Osteoporose begünstigt Knochenbrüche, doch bleibt der Knochenschwund oft unentdeckt
  • International Osteoporosis Foundation: In der Corona-Krise noch wichtiger, Stürzen vorzubeugen
  • In der EU wurde ein neues Medikament zur Behandlung von Osteoporose zugelassen

Wenn ältere Menschen hinfallen und sich dabei etwas brechen, kann das fatale Folgen nach sich ziehen. Der Bruch heilt bei ihnen meist schlecht – muss er operiert werden, belasten Eingriff und Krankenhausaufenthalt den Organismus. Oft kommen diese Patientinnen und Patienten dann nicht mehr richtig auf die Beine. Eine Osteoporose – im Volksmund auch Knochenschwund genannt – erhöht das Risiko für einen Bruch erheblich.

Die Erkrankung gilt als einer der häufigsten Gründe für Pflegebedürftigkeit. Ein verbreitetes Leiden, das in Deutschland laut dem Dachverband Osteologie mehr als sechs Millionen Menschen betrifft, die Tendenz ist angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung steigend. Vor allem Frauen ab etwa 55 Jahren sind gefährdet, weil ihr Körper das weibliche Geschlechtshormon Östrogen, das vor Osteoporose schützt, nicht mehr produziert.

Osteoporose: Knochenschwund bringt zunächst keine erkennbaren Beschwerden mit sich

Bei Männern hingegen steigt das Risiko erst ab einem Alter von etwa 70 Jahren. So verbreitet die Erkrankung ist, so häufig wird sie überhaupt nicht erkannt. Schätzungen der International Osteoporosis Foundation gehen davon aus, dass in Deutschland rund 60 Prozent der über 50-jährigen Frauen, die an Osteoporose leiden, keine Therapie bekommen.

Denn bevor es überhaupt zu einem Sturz mit Knochenbruch kommt, bereitet eine Osteoporose meist keine offensichtlichen Beschwerden. Aber selbst nach einer Fraktur bleibt der Knochenschwund bei mehr als der Hälfte der Patientinnen unbehandelt. Dabei steigt das Risiko für einen erneuten Bruch danach erheblich, sagt Peyman Hadji vom Hormon- und Osteoporosezentrum Frankfurt.

Eine Osteoporose-Patientin trainiert mit Hanteln. (Symbolbild)

Das hat vor allem damit zu tun, dass die Osteoporose „als zugrunde liegende Ursache“ nicht diagnostiziert und behandelt wird, so Lothar Seefried, Leiter der Osteologie und des Studienzentrums der orthopädischen Klinik des Universitätsklinikums Würzburg. Osteoporose ist eine chronische Erkrankung, die nicht geheilt werden kann. Es lässt sich aber mit Medikamenten der Knochenverlust verlangsamen und teilweise neue Knochensubstanz aufbauen.

Osteoporose: Neues Medikament für Frauen in der EU zugelassen

Zur Behandlung von Osteoporose bei Frauen nach der Menopause mit erhöhtem Frakturrisiko ist in der EU ein neues Medikament mit dem Wirkstoff Romosozumab zugelassen worden. Es soll sowohl den Knochenaufbau stärken als auch dem Abbau entgegenwirken. Bei Romosozumab handelt es sich wie oft bei neuen Entwicklungen in der Medizin um ein molekular zielgerichtetes Mittel, das in diesem Fall auf einem Antikörper basiert. Dieser Antikörper soll im Körper den Botenstoff Sklerostin binden und ausschalten.

Die Hauptaufgabe von Sklerostin ist es, den Knochenumsatz zu regulieren und insbesondere das Knochenwachstum durch Hemmung der Osteoblasten – der Zellen, die für die Bildung von Knochengewebe zuständig sind – zu begrenzen. Getestet wurde Romosozumab in 19 klinischen Studien mit rund 14.000 Patientinnen und Patienten. Das Medikament wird nicht als Tablette eingenommen, sondern muss ein Jahr lang einmal monatlich von einem Arzt oder einer Ärztin injiziert werden.

Für Frauen, die einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hinter sich haben, ist Romosozumab nicht geeignet, auch bei einem erhöhten Risiko für solche kardiovaskulären Ereignisse ist Vorsicht geboten. Für Patientinnen, bei denen eine Therapie mit dem neuartigen Antikörper nicht in Frage kommt, gibt es andere Medikamente.

Osteoporose: Bewegung und gesunde Ernährung beugen vor

Die ältesten und am häufigsten verordneten Mittel sind Bisphosphonate. Auch sie hemmen den Knochenabbau, eine seltene Komplikation der Behandlung können Entzündungen am Ober- oder Unterkiefer sein. Medikamente neueren Typs sind Parathormone, biotechnologisch hergestellte Teilstücke eines körpereigenen Hormons, das den Neuaufbau von Knochengewebe über die Ankurbelung des Kalzium-Stoffwechsels fördern soll.

Eine andere Medikamentengruppe – sogenannte selektive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren – ahmen die Wirkung des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen an den Knochen nach, ohne selbst ein Hormon zu sein. Neben einer medikamentösen Therapie können sich auch krankengymnastische Übungen, eine gesunde Ernährung, das Vermeiden von Untergewicht, Verzicht auf Tabak- und übermäßigen Alkoholkonsum sowie die Zufuhr von Kalzium und Vitamin D positiv auf eine Osteoporose auswirken. (Von Pamela Dörhöfer)

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