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Seit 15 Jahren ist der Rover "Opportunity" auf dem Mars. Seit Juni 2018 gibt es keinen Kontakt mehr, doch aufgegeben hat die Nasa den Rover noch nicht.

Mars

Mars-Rover „Opportunity“ bleibt auch am 15. Jahrestag seiner Landung stumm

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Vor 15 Jahren landete der Nasa-Rover „Opportunity“ auf dem Mars. Doch der 15. Jahrestag der Landung ist für die Nasa kein Grund zum Jubeln: Seit mehr als einem halben Jahr ist der Rover stumm.

Jubel brandete auf im Kontrollraum der Nasa, als am 25. Januar 2004 der Rover „Opportunity“ auf dem Mars landete. Drei Wochen vorher war sein Zwillingsrover „Spirit“ auf der anderen Seite des Planeten gelandet und nun hatte es auch der „Mars Exploration Rover B“ (MER-B), so der offizielle Name, geschafft, erfolgreich auf dem roten Planeten aufzusetzen. Die Aufgabe der Zwillinge: Gebiete auf dem Mars untersuchen, in denen es in der Vergangenheit möglicherweise einmal Wasser gegeben hatte. 90 Mars-Tage (etwas mehr als 92 Erden-Tage) hatten die beiden Rover für ihre Primärmission Zeit. „Opportunity“ landete in der Tiefebene Meridiani Planum, in der Wissenschaftler zuvor ausgedehnte Hämatit-Vorkommen erkannt hatten. Der Hämatitfund gilt als Nachweis für Wasservorkommen auf dem Mars.

Neben Hämatit fand „Opportunity“ bereits bei seinen ersten Untersuchungen weitere Hinweise darauf, dass es auf dem Mars einst Wasser gegeben haben muss. Bereits sechs Wochen nach der Landung des Rovers konnte die Nasa Erfolge vermelden – da hatte sich „Opportunity“ noch gar nicht von seiner Landestelle entfernt. Die Instrumente des Rovers hatten hohe Schwefelkonzentrationen im Gestein gefunden und Jarosit entdeckt – beides entsteht auf der Erde nur unter der Mitwirkung von Wasser. Die Nasa-Forscher kamen zu dem Schluss, dass es an der Landestelle des Rovers früher einen offenen flachen Salzsee oder Ozean gegeben haben muss. Im „Endurance“-Krater, dessen Gesteinsschichten „Opportunity“ etwas später detailliert untersuchte, stellten die Wissenschaftler, fest, dass die Gegend nicht nur einmalig von flachem, salzigem Wasser bedeckt war, sondern dass dort sogar mehrmals Wasser vorhanden war und wieder austrocknete.

Mehrere Male wurde die Mission von „Opportunity“ verlängert, das etwa Golfwagen-große Gefährt zeigte eine erstaunliche Langlebigkeit auf dem fremden Terrain – und das, obwohl der Aufenthalt auf dem Mars kein Zuckerschlecken ist. Im April 2005 hatte das Steuerteam auf der Erde erstmals ein größeres Problem, das gelöst werden musste. Der Rover fuhr über eine Sanddüne und blieb wochenlang im 30 Zentimeter tiefen Sand stecken. Erst im Juni 2005 konnte das Steuerungsteam im Jet Propulsion Laboratory der Nasa den Rover wieder befreien. Zuvor wurde mit einem Rovermodell auf der Erde in einem großen Sandkasten getestet, welche Manöver helfen könnten. Nur Tage, bevor „Opportunity“ sich festgefahren hatte, blockierte ein Motor, der das rechte Vorderrad kontrolliert. Seitdem fährt der Rover mit nur noch drei steuerbaren Rädern.

Heftiger Sandsturm behindert „Opportunity“

Auf dem riskanten Weg hinein in den „Victoria“-Krater wurde „Opportunity“ im Juli 2007 von einem heftigen Sandsturm getroffen. Ein großes Problem, da der Rover seine Energie durch Sonnenlicht gewinnt und seine Solarpaneele nun mit Staub bedeckt waren. Ende Juli wurde die Sorge um „Opportunity“ immer größer: Der Rover hatte kaum noch Energie, bei der Nasa befürchtete man, dass dies das Ende der Mission sein könnte. Doch Ende August 2007 meldete sich „Opportunity“ zurück und kletterte weiter hinein in den Krater, den er anschließend ein Jahr lang untersuchte und wo er ebenfalls Hinweise auf früheres Wasser fand.

Während der Zwilling „Spirit“ im März 2010 im Sand stecken blieb und 2011 aufgegeben wurde, nachdem keine Kommunikation mehr möglich war, machte sich „Opportunity“ auf zum nächsten Forschungsobjekt, dem „Endeavour“-Krater. Ab 2014 hatte der Rover immer wieder Probleme mit seinem Flash-Speicher, der es den Wissenschaftlern ermöglichte, Daten selbst dann zu speichern, wenn der Rover sich abgeschaltet hatte. 2015 entschied die Nasa, auf einen anderen Speicher umzusteigen, der die Daten nur speichert, so lange der Rover eingeschaltet ist. Das bedeutete, dass künftig wichtige Daten sofort zur Erde geschickt werden mussten.

In seinen 15 Jahren auf dem Mars hat "Opportunity" einen Marathon zurückgelegt.

Im Laufe der Zeit bauten die Räder des Rovers ab und auch die Batterien zeigten in der Vergangenheit „Zeichen des Alters“, wie das Team der Mission im Januar 2018 erklärte. Kein Wunder: „Opportunity“ hatte zu diesem Zeitpunkt seine Lebensdauer bereits um mehr als das 50-Fache überschritten. Im Mai 2018 passierte es dann: Ein regionaler Staubsturm auf dem Mars breitete sich immer weiter aus und verdunkelte den Himmel über „Opportunity“. Am 20. Juni war aus dem regionalen ein „globaler“ Sturm geworden, zu viel Staub in der Atmosphäre des Mars und auf den Solarpaneelen des Rovers sorgten dafür, dass „Opportunity“ nicht mehr mit der Erde kommunizieren konnte.

Seit dem 10. Juni 2018 ist der Rover nun schon stumm. Ging man zu Beginn davon aus, dass „Opportunity“ den Staubsturm wieder überstehen würde, kamen nach kurzer Zeit Bedenken auf, es könnte für den Rover und seine Instrumente zu kalt werden auf dem Mars. Als der Staubsturm im Herbst langsam nachließ, kam neue Hoffnung auf: Wind könnte die Solarpaneele vom Staub reinigen, wie es während der mehr als vierzehn Jahre dauernden Mission bereits mehrfach vorgekommen war. Dann könnte der Rover wieder Energie gewinnen, sich auf der Erde melden und seine Mission fortsetzen. Bis 1. Oktober 2019 ist die aktuelle erweiterte Mission genehmigt, das Missionsteam arbeitet bereits an einem neuen Plan für eine dreijährige Verlängerung.

Doch derzeit sieht es nicht so aus, als würde eine Missionsverlängerung in Frage kommen. Bis heute ist „Opportunity“ stumm geblieben. Seit Ende des Staubsturms lauschen die Forscher auf der Erde nicht nur nach Signalen des Rovers, sondern schicken auch aktiv Kommandos an „Opportunity“ – bisher ohne Erfolg. Noch im Januar soll es eine Entscheidung der Nasa geben, wie es mit dem Rover nun weitergeht. Ob dieser Termin eingehalten wird, oder dem Shutdown der US-Regierung zum Opfer fällt, ist derzeit nicht bekannt. Klar ist nur eins: Rund um „Opportunitys“ 15. Landetag auf dem Mars ist alles unklar – auch, ob der langlebigste Rover der Nasa überhaupt noch funktioniert.

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