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Ferrero verarbeitet Palmöl in seinen Produkten wie „Nutella“; der Konzern wirbt jedoch, dieses werde aus „frisch gepressten Früchten gewonnen und bei kontrollierten Temperaturen verarbeitet“.

Ernährung

Was Nutella mit Krebs zu tun hat

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Palmöl gilt als gefährlicher Katalysator für Krebs-Metastasen.

Fett aus der Nahrung als Energielieferant, der Krebszellen fit macht für die Reise durch den Körper und ihnen hilft, sich an anderer Stelle breitzumachen – eine scheußliche Vorstellung, aber leider nicht nur Theorie: Palmöl scheint bei der Bildung von Metastasen eine zentrale Rolle als Beschleuniger zu spielen. Damit würde das weltweit meistgenutzte Fett gleich in zweifacher Weise die Aktivität bösartiger Zellen fördern. Bereits 2016 war Palmöl in Verdacht geraten, generell krebserregend zu sein. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit warnte damals vor Substanzen, die bei der Verarbeitung entstehen können, wenn sie bei Temperaturen von um die 200 Grad mit Wasserdampf behandelt werden. Sie sind auch in anderen Speiseölen enthalten, in Palmöl jedoch in besonders hoher Menge.

In Italien nahm die Supermarktkette Coop als Reaktion rund 200 Produkte mit Palmöl aus dem Sortiment, der Teigwarenhersteller Barilla ersetzte es bei mehreren Lebensmitteln durch andere Öle. Reichlich Palmöl verarbeitet Ferrero in seinen Produkten wie „Nutella“; der Konzern wirbt jedoch, dieses werde aus „frisch gepressten Früchten gewonnen und bei kontrollierten Temperaturen verarbeitet“.

Doch eben nicht nur bei der Entstehung von Krebs könnte Palmöl einen Risikofaktor darstellen. Wissenschaftler vermuten, dass das Fett auch bei einem existierenden Tumor die Ausbreitung im Körper fördert. Die Prozesse, die sich dabei auf molekularer Ebene abspielen, haben Forscher des Stammzell- und Krebslabors des Instituts für Forschung und Biomedizin in Barcelona untersucht. Sie fanden am Beispiel des Mundhöhlenkarzinoms heraus, dass Tumorzellen, die metastasieren, mit einem fettempfindlichen Rezeptor ausgestattet sind. Dieses Protein mit dem Namen CD36 sorgt für die Aufnahme von Fettsäuren in die Krebszellen – Futter, das ihnen hilft, fernab des „Muttertumors“ zu überleben. Als gesichert gilt dieser Effekt von CD36 auch für Eierstock-, Blasen – und Lungenkrebs, die Wissenschaftler vermuten jedoch, dass es sich noch bei etlichen anderen Krebsarten so verhält.

Günstiger als andere Öle

Als verantwortliche Übeltäterin identifizierten die Biomediziner die Palmitinsäure, die der Hauptbestandteil von Palmöl ist, in geringeren Mengen aber auch in Kokosöl und anderen Fetten vorkommt. Bekamen Mäuse mit Palmitinsäure behandelte Mundhöhlenkrebszellen injiziert, so bildeten sich bei ausnahmslos allen Tieren Metastasen. Die Forscher haben in einem nächsten Schritt auch einen Antikörper entwickelt, der den Fettrezeptor auf den Zellen blockiert – und konnten damit tatsächlich die Krebsableger verhindern.

Die Ergebnisse der Studie klingen erschreckend, auch wenn die Wissenschaftler darauf hinweisen, es bedürfe weiterer Untersuchungen, um den Zusammenhang zu klären. Der Appetit mag einem auch jetzt schon vergehen, doch es ist nicht einfach, Palmöl zu meiden. Es steckt in nahezu der Hälfte der Produkte in den Supermarktregalen, nicht nur in Essbarem, sondern auch in Kosmetik, Waschmitteln, Seife oder Kerzen. Lebensmittel, die häufig Palmöl enthalten, sind Schoko-Brotaufstriche, Schokoriegel, Margarine, Müslimischungen und Tütensuppen.

Palmöl ist viel günstiger als Sonnenblumen- oder Rapsöl. Den Verzehr zu reduzieren, bietet sich nicht nur aus gesundheitlichen Gründen an: In vielen tropischen Regionen wird Regenwald zugunsten von Palmölplantagen abgeholzt und damit der dort heimischen Tierwelt der Lebensraum genommen.

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