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Fleischkonsum verursacht klimaschädliche Treibhausgase.

Kompensation

Nullsummenspiel odermoderner Ablasshandel?

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Das Kompensieren klimaschädlichen Verhaltens mit Geld ist umstritten.

Flüge, Veranstaltungen, Fleischkonsum: Mehr oder weniger alle Produkte und Dienstleistungen verursachen klimaschädliche Treibhausgase. Wer seinen Klima-Fußabdruck rechnerisch ausgleichen will, kann das über eine Zahlung an Kompensationsorganisationen tun. Das ist inzwischen über viele Anbieter möglich, etwa den Marktführer Atmosfair, die Klimakollekte oder Myclimate. Das Prinzip: Wer kompensieren will, zahlt Geld an den Dienstleister, der damit Klimaschutzprojekte unterstützt – oft, aber nicht nur in Entwicklungsländern.

Damit ist es natürlich nicht möglich, den eigenen Fußabdruck wieder rückgängig zu machen: Das CO2 bleibt in der Luft. Dafür wird durch die Zahlung dieselbe Menge CO2 an einem anderen Ort auf der Welt eingespart. Selbst im Idealfall senkt die Kompensation also die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen nicht, sondern ergibt ein Nullsummenspiel. Immerhin. Oder?

„Wir empfehlen die Kompensation – allerdings nur als letzten Schritt“, sagt Frank Wolke vom Umweltbundesamt (UBA). „Im Vorfeld sollte man sich überlegen: Wo kann ich meine Emissionen vermeiden oder vermindern?“ Eventuell kann die Dienstreise über den Atlantik einfach zugunsten einer Online-Konferenz abgesagt werden. Den Urlaub kann man als Zug- statt als Flugreise planen. „Das zu kompensieren, was nach allen Anstrengungen noch an Emissionen übrigbleibt, halten wir für sinnvoll“, meint Wolke.

Aus der Klimaschutzbewegung kommen oft skeptische Stimmen. Die Befürchtung: Statt strikt so vorzugehen, wie Wolke es empfiehlt, könnten viele die Kompensation eher zur Rechtfertigung für klimaschädliches Verhalten nutzen. Aus dem Nullsummenspiel würde dann ein Ablasshandel. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg zum Beispiel sprach schon von einem „Klimakompensations-Bluff (…), der aller Wahrscheinlichkeit nach in den meisten Fällen mehr schadet als nützt“.

Die Serie

Das Klima kann sichabrupt ändern. Wenn bestimmte Kipppunkte überschritten werden – wenn etwa der Amazonas-Regenwald austrocknet oder die Permafrostböden tauen –, kann es zu Kettenreaktionen kommen. Die Erderwärmung könnte sich dann unkontrollierbar verstärken. Doch noch können wir bei den meisten Kippelementen verhindern, dass sie ausgelöst werden. Wie – das stellt die FR in dieser Serie vor. Mehr Informationen zur Serie finden Sie auf: fr.de/kipppunkte

Unterschiedliche Standards

Hinzu kommt, dass die verschiedenen Anbieter unterschiedliche Standards haben. Wer seinen CO2-Fußabdruck kompensieren will, sollte genau hinschauen, was mit dem Geld passiert. „Man sollte darauf achten, dass der Anbieter seine Arbeit sehr transparent macht: Welche Klimaschutz-Projekte finanziert er, mit welchen Standards sind sie zertifiziert, wie verhindert er die doppelte Zählung von Emissionseinsparungen?“, erklärt UBA-Experte Wolke. Ein guter Anbieter gebe zudem einen Hinweis darauf, wie viel Geld in das Klimaschutzprojekt fließe und wie viel in seine eigenen Kosten.

Der Ökonom Franz Josef Radermacher setzt große Hoffnung ins Kompensieren. Er spricht von einem „Milliarden-Joker“, mit dem die Klimaschutz-Lücke geschlossen werden könne: Privatleute, Unternehmen und andere Organisationen sollen freiwillig und im großen Stil CO2-Kompensationsprojekte in Entwicklungsländern finanzieren, dort zum Aufbau einer klimafreundlichen Wirtschaft beitragen, und sich selbst dadurch „klimaneutral“ stellen. Deutschland könnte Rademacher zufolge seine Emissionen so bis 2025 auf null senken.

Als Modell für globalen Klimaschutz taugt das aber wohl nicht. Das zeigt ein einfaches Zahlenspiel: Die zehn größten Industrieländer verursachen allein rund 66 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Selbst wenn alle übrigen Länder allein durch Kompensationsprojekte ihre Emissionen komplett auf null senken könnten, wären nur 34 Prozent der aktuellen Treibhausgase eingespart. Auch die Menschen in den Industrieländern kommen also nicht drum herum, ihre eigene Wirtschafts- und Lebensweise umzustellen.

Trotzdem steht die CO2-Kompensation im Fokus der internationalen Politik. Etliche Staaten wollen untereinander mit Klimaschutzerfolgen handeln. Aber: Gemeinsame Regeln, um nicht in die vielen möglichen Fallen zu tappen, gibt es trotz jahrelanger Verhandlungen noch nicht.

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