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Von wegen „Atomstrom fließt immer“: In Frankreich, dem Atomkraft-Musterland, ist der Strom derzeit knapp.
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Von wegen „Atomstrom fließt immer“: In Frankreich, dem Atomkraft-Musterland, ist der Strom derzeit knapp.

ÖKO-LOGISCH

Nukleare Dämmerung

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Inzwischen ist klar, dass künftige Energiesysteme auf Basis erneuerbarer Energien der Nuklear-Option überlegen sind. Doch da ist noch ein Argument der „Atomfreunde“ – die angeblich hohe Verlässlichkeit der AKW-gestützten Stromproduktion.

Atomkraftwerke schützen das Klima. Stimmt schon, aber nur, wenn man sie, zum Beispiel, mit normalen Kohle- oder Gaskraftwerken vergleicht, die enorme Mengen CO2 in die Luft pusten und deren Abwärme ungenutzt verpufft. Studien, die den gesamten „Lebensweg“ von der Uran-Gewinnung bis zur Endlagerung des Atommülls einrechnen, zeigten schon vor drei Jahrzehnten: Selbst konventionelle kraft-wärme-gekoppelte Erdgas-Anlagen, bei denen die Abwärme zur Beheizung von Gebäuden genutzt wird, sparen mehr CO2 ein.

Inzwischen aber ist klar, dass künftige Energiesysteme auf Basis erneuerbarer Energien der Nuklear-Option überlegen sind. Sie sind selbst mit den dann nötigen Stromspeichern billiger, können schneller ausgebaut werden und bringen weder Super-GAU-Risiken, Endlagerproblematik noch die Gefahr nuklearer Proliferation mit sich.

Doch da ist noch ein Argument der „Atomfreunde“ in der aktuellen Energiedebatte – die angeblich hohe Verlässlichkeit der AKW-gestützten Stromproduktion. Es lautet: Atomstrom fließt immer, wenn man ihn braucht. Da gibt es keine „Dunkelflaute“, die bei den Erneuerbaren bei Windmangel in der Nacht droht.

Frankreich am Limit

Das Musterland der Atomkraft, Frankreich, liefert gerade das Gegenbeispiel. Dort gibt es 56 AKW, die normalerweise zwei Drittel des verbrauchten Stroms liefern. Derzeit stehen 15 Anlagen still, wegen Wartungen, aber auch aufgrund von Abschaltungen wegen Sicherheitsmängeln. Der Strom ist knapp in Frankreich. Die Verfügbarkeit der dortigen AKW-Flotte ist laut Übertragungsnetzbetreiber RTE niedriger denn je. Der Strompreis erreicht Rekorde, und Elektrizität muss etwa aus Deutschland oder Spanien importiert werden – vor Weihnachten lag man dabei sogar an den maximalen technischen Kapazitäten.

Wie Frankreich durch den Winter kommt, ist offen. Im Dezember ging es, wegen der milderen Temperaturen, noch glimpflich ab. Eine starke Kälteperiode im Januar und Februar könnte das System ans Limit bringen, weil die Franzosen überwiegend mit Strom heizen. Es drohen laut RTE zwar keine Blackouts, aber zeitweise Abschaltungen von industriellen Großverbrauchern. Eine Situation, die dem Atom- „Musterland“ in Zukunft noch öfter droht. Sein AKW-Park überaltert zusehends, und Reaktoren neu zu bauen dauert viele Jahre – und ist extrem teuer.

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