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Novavax-Impfstoff: Fragen und Antworten zu Nuvaxovid

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Von: Ines Alberti

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Novavax Flasche
Lieferungen des Corona-Impfstoffs von Novavax werden in Deutschland erwartet. (Symbolbild) © MiS/Imago

Das häufig als „Totimpfstoff“ bezeichnete Corona-Vakzin „Nuvaxovid“ von Novavax ist die Hoffnung vieler noch ungeimpfter Menschen. Ein Überblick.

Gaithersburg/Frankfurt - Viele Menschen, die einer Impfung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 mit den neuartigen mRNA-Impfstoffen noch skeptisch gegenüberstehen, können auf das alternative Vakzin der Firma Novavax zurückgreifen. Das US-amerikanische Pharmaunternehmen stellt das Präparat Nuvaxovid her, das in Deutschland seit Dezember 2021 verfügbar ist. Das Vakzin wird häufig als Totimpfstoff bezeichnet, was im Gegensatz zu mRNA- (Biontech/Pfizer und Moderna) und Vektorimpfstoffen (Astrazeneca und Johnson & Johnson) als lang erprobter Wirkmechanismus gilt. Manchen Menschen kommt Präparate dieser Art daher „sicherer“ vor, wobei alle zugelassenen Corona-Impfstoffe erprobt, wirksam und sicher sind.

Ob das Novavax-Präparat allerdings tatsächlich als Totimpfstoff bezeichnet werden sollte, daran scheiden sich offenbar die Geister. Das Unternehmen selbst verwendet die Bezeichnung nicht. Florian Krammer etwa, ein Professor für Impfstoffkunde, bat Ende 2021 auf Twitter: „Kann man bitte aufhören, den Impfstoff von Novavax als Totimpfstoff zu bezeichnen? Es ist ein rekombinanter Proteinimpfstoff.“ Ins gleiche Horn blies Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).

Novavax: Ist das Vakzin ein Totimpfstoff?

Das Bundesgesundheitsministerium bezeichnet den Impfstoff-Kandidaten aus dem Hause Novavax als Totimpfstoff „im weiteren Sinne“. Es betont jedoch, dass auch mRNA- und Vektorimpfstoffe auch mit solchen gleichgesetzt werden könnten, da auch sie „keine vermehrungsfähigen Viren“ enthalten. Denn das ist der Unterschied zwischen Tot- und Lebendimpfstoffen: Totimpfstoffe wie etwa das Vakzin von Valneva enthalten abgetötete Krankheitserreger, die sich nicht mehr vermehren können. Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte Erreger, die zwar noch lebensfähig sind und sich vermehren können - sie machen aber nicht mehr krank. Sowohl Lebend- als auch Totimpfstoffe stuft das Ministerium als „klassische Impfstoffe“ ein, wohingegen mRNA-Impfstoffe als „modern“ gelten. Keines der bisher zugelassenen Covid-19-Vakzine ist nach dieser Definition ein „Lebendimpfstoff“.

TotimpfstoffLebendimpfstoff
Art der genutzten Erreger: inaktivierte Erreger, die sich nicht mehr vermehren könnenArt der genutzten Erreger: abgeschwächte lebensfähige Erreger, die sich vermehren können
Reaktion im Körper: Erreger werden vom Körper als fremd erkannt und regen das Immunsystem an, Antikörper zu bildenReaktion im Körper: eine Infektion wird nachgeahmt und das Immunsystem bildet Antikörper
Dauer des Impfschutzes: müssen in gewissen Abständen aufgefrischt werdenDauer des Impfschutzes: man geht häufig von lebenslangem Schutz aus
Bekannte Impfstoffe dieser Art: Kinderlähmung (Polio), Keuchhusten,TetanusBekannte Impfstoffe dieser Art: Masern, Mumps, Röteln, Windpocken

Wie funktioniert der proteinbasierte Impfstoff von Novavax?

Bei dem Impfstoff-Kandidaten von Novavax handelt es sich um einen rekombinanten Proteinimpfstoff. Dabei wird das sogenannte Spike-Protein von Sars-CoV-2 verwendet und massenhaft in Insektenzellen reproduziert. Nach der Injektion ist die Folge eine Reaktion des menschlichen Immunsystems. Dieses bildet nach der Impfung Antikörper gegen das Protein, eine Corona-Infektion kann so abgewehrt werden.

Zudem wird ein Wirkverstärker (ein sogenannter Adjuvant) hinzugefügt, um die Immunantwort zu verstärken. So wird eine hohe Menge neutralisierender Antikörper stimuliert. Das Immunsystem kann direkt nach der Impfung damit beginnen, Antikörper gegen das Spike-Protein des Coronavirus zu bilden – ein Vorteil des proteinbasierten Vakzins.

Für einen optimalen Impfschutz sollen zwei Dosen des Novavax-Impfstoffs im Abstand von drei Wochen verimpft werden.

Welche Nebenwirkungen sind bei einer Novavax-Impfung zu erwarten?

In den Studien mit dem Novavax-Impfstoff sind bei den Probanden folgende Impfreaktionen und Nebenwirkungen aufgetreten:

Hinweise auf schwere Nebenwirkungen bei Novavax gab es laut Bundesgesundheitsministerium in der Zulassungsstudie nicht. Allerdings hätten mit rund 30.000 Probanden insgesamt zu wenige Leute teilgenommen, um seltene Nebenwirkungen feststellen zu können. Daher werde der Impfstoff auch nach Zulassung streng weiter beobachtet.

Wie wirksam ist eine Impfung mit dem Novavax-Vakzin?

„Zwei Dosen des NVX-CoV2373-Impfstoffs sind gut verträglich und zeigen ein hohes Niveau an Wirksamkeit“, schreibt das Pharmaunternehmen Novavax in seiner Zusammenfassung der Phase-3-Studienergebnisse. In der Zulassungsstudie konnte Nuvaxovid die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken, um 90 Prozent verringern. Zum Vergleich: Die Grippe-Impfung hat im Schnitt eine Wirksamkeit von 60 Prozent. Ebenso sank das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Es gebe einen 100-prozentigen Schutz vor mittelschweren und schweren Verläufen.

„Zu berücksichtigen ist allerdings, dass in der Studie insgesamt zu wenige Krankheitsfälle auftraten, um verlässlich beurteilen zu können, wie gut der Impfstoff schwere Verläufe verhindern kann“, warnt das Bundesgesundheitsministerium. Vor Virusvarianten schützt der Novavax-Impfstoff nach Angaben des Unternehmens auch gut. Die Schutzwirkung vor Omikron werde geprüft und das Vakzin gegebenenfalls angepasst.

Zulassung: Wann wird der Corona-Impfstoff von Novavax in Deutschland erlaubt?

Theoretisch ist der Novavax-Impfstoff in Deutschland zugelassen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat bereits am 20. Dezember 2021 die bedingte Zulassung für Erwachsene ab 18 Jahren erteilt. „Dies ist der fünfte sichere und wirksame Impfstoff unseres Impfstoffportfolios, der den europäischen Bürgerinnen und Bürgern einen willkommenen zusätzlichen Schutz vor der Pandemie bietet. Möge diese Zulassung all denjenigen, die noch nicht geimpft sind oder noch keine Auffrischungsimpfung erhalten haben, starker Ansporn dafür sein, nun dafür zu sorgen“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) zur Zulassung.

Hersteller/EntwicklerNovavax
Name des ImpfstoffsNuvaxovid
ForschungsnameNVX-CoV2373
Art des ImpfstoffsRekombinanter Proteinimpfstoff
ApplikationsformIntramuskuläre Injektion
HerkunftslandUSA

In Deutschland berät derzeit noch die Ständige Impfkommission (STIKO), ob auch sie den neuen Impfstoff empfehlen will. Zugelassen ist das Vakzin jedoch auch ohne die STIKO-Empfehlung.

Lieferung: Ab wann ist mit dem Novavax-Impfstoff in Deutschland zu rechnen?

Die EU-Kommission hatte bereits im Sommer 2021 einen Kaufvertrag über 100 Millionen Impfstoffdosen für das Jahr 2022 abgeschlossen, mit der Option auf weitere 100 Millionen Dosen alleine 2022. (Ines Alberti)

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