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Der Atmosphäre muss CO2 entzogen werden.

Klimaschutz

Notwendigkeit mit Fragezeichen

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Einige Methoden, um der Atmosphäre CO2 zu entziehen, sind umstritten.

Es ist gerade noch möglich, die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, wie das Pariser Klimaabkommen verlangt. Das zeigte im vorigen Jahr ein Bericht des Weltklimarats IPCC. Nahezu alle Wege, die der IPCC als gangbar ermittelt hat, erfordern aber neben einer schnellen Reduktion des Treibhausgas-Ausstoßes auch „negative Emissionen“. Das bedeutet: Der Atmosphäre muss CO2 entzogen werden.

Am einfachsten sind das Wiederaufforsten gerodeter Wälder, das Wiedervernässen trockengelegter Feuchtgebiete und das Wiederherstellen von Mangrovenwäldern und Seegraswiesen. All diese Möglichkeiten haben zusätzlich einen Nutzen für die Artenvielfalt. Bestehende Wälder können außerdem mehr CO2 speichern, wenn Raubtiere wieder angesiedelt werden, die dann die Pflanzenfresser in Schach halten.

CO2 ließe sich schließlich auch in Gebäuden binden, indem man mit Holz baut oder auch mit Bambus. Das würde zusätzlich den Verbrauch von Beton reduzieren. Auch Vorschläge gegen die Verschwendung von Energie, Rohstoffen und Lebensmitteln warten auf ihre Umsetzung. Nicht zuletzt gibt es einige unerwartete Möglichkeiten mit großem Potenzial, etwa bessere Bildung in Entwicklungsländern, besonders für Mädchen, und Zugang zu Verhütungsmitteln – Stichwort: Bremsen des Bevölkerungswachstums.

Zusätzlich setzt der IPCC auf eine Technik namens BECCS. Das Kürzel steht für „Bio-Energie mit CCS“. Dabei wird pflanzliches Material wie Holz verbrannt und Bioenergie erzeugt. Anschließend wird aus dem Abgas das CO2 herausgefiltert und in tiefe Gesteinsformationen verpresst – wie beim CCS für Kohlekraftwerke („Carbon Capture and Storage“, auf Deutsch: CO2-Abscheidung und -Speicherung). So wird das CO2, das die Pflanzen beim Wachstum aufgenommen haben, dauerhaft der Atmosphäre entzogen.

Bisher fehlt die Infrastruktur

Die Notwendigkeit für BECCS ist je nach IPCC-Pfad unterschiedlich. Im Extremfall müssen damit aber jährlich negative Emissionen in Höhe von neun Milliarden Tonnen im Jahr 2050 und 16 Milliarden Tonnen im Jahr 2100 erzielt werden. Dazu wäre eine riesige CCS-Infrastruktur erforderlich, und an Land oder im Meer müssten große Mengen an Energiepflanzen produziert werden.

Ohne all das kommt eine andere Methode für negative Emissionen aus, die in die Kategorie Geoengineering fällt: die Verwitterung von Gestein. Auch dabei wird CO2 gebunden. Der Prozess lässt sich beschleunigen, indem man Gestein zu Pulver zermahlt und dann Regen aussetzt.

Anschließend kann man das Gesteinsmehl auf Äckern als Mineraldünger ausbringen oder ins Meer schütten, wo es auch bei natürlicher Verwitterung gelandet wäre. Dort wirkt der Gesteinsstaub zudem der Versauerung der Ozeane entgegen. Eine Studie warnt allerdings: Der Nutzen müsse „abgewogen werden mit den Kosten und der Umweltwirkung des Abbaus riesiger Mengen an alkalischem Material (wie Kalk) und deren globaler Verteilung“. Eine weitere Geoengineering-Methode ist die Meeresdüngung etwa mit Eisenspänen. Dadurch wird das Algenwachstum angeregt. Wenn diese dann absterben und zu Boden sinken, ist ebenfalls CO2 gebunden. Auch hier warnen Umweltschützer vor den Nebenwirkungen.

Weder Pflanzen noch Gestein braucht schließlich eine dritte Methode: das Herausfiltern von CO2 aus der Luft und die anschließende Entsorgung mittels CCS. Doch ohne Input kommt auch diese Methode nicht aus. Die „Direct Air Capture“ (DAC) genannte Technik benötigt Strom. Folglich ist DAC nur sinnvoll, wenn genug Strom aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung steht.

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