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FR-Autor Joachim Wille.

ÖKO-LOGISCH

Nicht ganz sauber

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Umweltforscher haben berechnet, dass Elektroautos selbst beim heutigen Strommix in der CO2-Bilanz kaum besser abschneiden als Benziner.

Elektro-Autos sind sauber. Es gibt ja keinen Auspuff, aus dem Kohlendioxid und Stickoxide herauskommen. Natürlich ist das nur die halbe Wahrheit. Sauber sind die Pkw nur für die direkte Umgebung, in der sie fahren. Denn natürlich muss der Strom, der den Antrieb liefert, irgendwo produziert werden. Umweltforscher haben berechnet, dass Elektroautos selbst beim heutigen Strommix, der schon zu 40 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt, in der CO2-Bilanz kaum besser abschneiden als Benziner.

Das Problem ist nicht nur, dass beim „Tanken“ immer noch mehr als 35 Prozent Kohlestrom durch das Kabel fließen. Vor allem die Batterie schlägt ökologisch negativ zu Buche. Und zwar doppelt. Einerseits wiegt sie mehrere hundert Kilo, die immer mitgeschleppt werden müssen. Das erhöht den Stromverbrauch. Anderseits muss die Batterie aufwendig produziert werden, und das schluckt ebenfalls viel Energie.

Doch auch die Ressourcen, die für die „sauberen“ E-Autos gebraucht werden, haben es in sich – und darauf weist nun, anlässlich der „Europäischen Mobilitätswoche“, das entwicklungspolitische Netzwerk „Inkota“ hin. Insbesondere die Metalle und Mineralien für Batterien würden zum Teil unter unhaltbaren Zuständen gewonnen.

Beispiel Lithium: Der Abbau in der Atacama-Wüste, die zu Chile, Argentinien und Bolivien gehört, verbraucht laut Inkota große Wassermengen, der Grundwasserspiegel sinkt. Dabei sei das Wasser in dieser trockenen Region überlebenswichtig für die indigene Bevölkerung, die von Viehzucht und kleinbäuerlicher Landwirtschaft lebt. Oder: Das Kobalt, das in Lithium-Batterien steckt, stammt zu 65 Prozent aus dem Kongo. „Auch deutsche Hersteller nehmen Menschenrechtsverletzungen, Korruption und Umweltrisiken in Kauf, um sich ihr Stück vom E-Mobilitätskuchen zu sichern“, kritisiert Inkota. Das Netzwerk fordert, Lehren aus früheren Fehlern zu ziehen – und erinnert zu Recht an das Debakel mit dem einst hochgelobten Biosprit. Der Anbau der Spritpflanzen konkurriert heute in vielen Ländern mit dem Lebensmittel-Anbau, Stichwort „Tank oder Teller“ – wohl kaum eine nachhaltige Lösung.

Inkota fordert von der Bundesregierung, mehr für die Wahrung der Menschenrechte in den globalen Rohstoff-Lieferketten zu tun. So müsse unter anderem die Autobranche verpflichtet werden, für deren Einhaltung zu sorgen – „und sanktioniert werden, wenn sie dies nicht ausreichend tun.“

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