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Das angepeilte Ziel: der Mond.

Bemannte Raumfahrt

Nicht nur die Fahne in den Mond rammen

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"Wir werden nicht nur unseren Fußabdruck hinterlassen" - Donald Trump will wieder Astronauten zum Erdtrabanten und später auf die Reise zum Mars schicken. Die Raumfahrtagenturen freuen sich bereits.

Es wären Bilder, von denen jeder Präsident nur träumen kann: Astronauten landen nach mehr als vier Jahrzehnten wieder auf dem Mond, vermutlich in einer bislang unerforschten Region, machen sich in absehbarer Zeit auch auf die Reise zum Mars – dorthin, wo kein Mensch je zuvor gewesen ist... Solche spektakulären, positiv besetzten Schlagzeilen dürften Donald Trump vorgeschwebt haben, als er am Montag ankündigte, erstmals nach 1972 wieder bemannte Missionen zum Erdtrabanten und später auch zum Mars schicken zu wollen. Die Rückkehr zum Mond solle dabei als Grundlage für Flüge zum Roten Planeten und „vielleicht eines Tages zu vielen Welten“ dienen, sagte er. Die Nasa freue sich auf diese Aufgabe, erklärte deren Robert Lightfood, der die Geschäfte der Raumfahrtagentur kommissarisch leitet; der Posten des Direktors ist zur Zeit nicht besetzt.

In Washington hatte Trump am Montag eine Direktive an die Nasa unterzeichnet, wonach die US-Raumfahrtbehörde ihre Anstrengungen in diese Richtung verstärken soll. Anwesend waren bei diesem Akt auch Harrison Schmitt, Mitglied der letzten bemannten Mondmission von Apollo 17 im Dezember 1972, sowie Buzz Aldrin, der nach Neil Armstrong als zweiter Mensch den Mond betreten hatte – ein Arrangement, das vermutlich auf emotionale Wirkung setzten sollte.

Auch China will auf den Mond

Bei der neuen Mission „werden wir nicht nur unsere Fahne einrammen und unseren Fußabdruck hinterlassen“, erklärte Trump. Und: „Wir träumen groß.“ Die USA solle ihre Rolle als Spitzenreiter bei der Erkundung des Weltraums behalten. Genau ist allerdings nicht mehr selbstverständlich: Seit am 20. Juli 1969 mit Neil Armstrong ein Amerikaner als erster Mensch den Mond betrat, besteht die Konkurrenz längst nicht mehr nur aus den Russen. Vor allem China droht amerikanische Höhenflüge zu durchkreuzen. So kündigte das Land im Juni an, eine bemannte Mission zum Mond vorzubereiten; derzeit entsteht auf der Insel Hainan ein Kosmodrom, von dem aus die dafür erforderliche neue Schwerlast-Trägerraketen starten könnten.

Wie genau das ehrgeizige Weltraumprogramm der USA verwirklicht werden soll, in welchem Zeitplan sich das abspielen soll und mit welchem Geld – dazu verriet Donald Trump keine Einzelheiten. Was die Finanzierung angeht, so hängt sie wesentlich vom Budget der Nasa ab, über das der Kongress entscheidet. Im Jahr 2016 betrug es mehr als 19 Milliarden US-Dollar. Für eine Reise zum Mond allerdings dürfte weit mehr fällig werden, Schätzungen reichen - alles inklusive – bis zu 100 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Das Apollo-Programm kostete vor mehr als 40 Jahren 20 Milliarden Dollar; damals erhielt die Nasa rund fünf Prozent des gesamten US-Haushalts, heute sind es nur noch etwa 0,5 Prozent.

Probe für die Mars-Mission

Thomas Reiter, ehemaliger Astronaut, findet den Plan, als erstes wieder zum Mond zu fliegen, sinnvoll. Es sei besser, vor einer vermutlich mehr als zweieinhalb Jahre dauernden Reise zum Mars die Technologien und Systeme auf kürzerer Strecke zu erproben. Man müsse aber sehen, ob der Ankündigung auch finanzielle Mittel folgen würden. „Ich hoffe nicht, dass deshalb der Erdbeobachtung der Nasa noch weitere Mittel entzogen werden.“

Ohne die Kooperation mit anderen Staaten und Privatunternehmen werden die teuren Weltraumträume nicht zu verwirklichen sein, das unterstrich auch der US-Präsident in seiner Erklärung. Private Raumfahrtfirmen wie „Space X“ oder „Blue Origin“ verfolgen zwar auch eigene Pläne, bekundeten aber bereits Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Nasa für mögliche bemannte Missionen.

Vor allem aber wird sich für die Amerikaner ohne die Unterstützung der europäischen und russischen Kollegen die neuerliche Reise von Astronauten zum Mond verwirklichen lassen. So hat die Nasa mit der europäischen Weltraumorganisation Esa einen Vertrag über den Bau des Service- und Versorgungsmoduls für die Orion-Kapsel abgeschlossen; sie wird bei Airbus Defence und Space in Bremen hergestellt. Die Orion-Kapsel wurde bereits seit Anfang der 2000er Jahre als neues Raumfahrzeug der Nasa für bemannte Flüge ins All konzipiert – sei es zum Mond, Mars, einem Asteroiden oder zur Raumstation.

Mars-Flug wird noch etwas dauern

Ein Knackpunkt einer Reise mit menschlicher Besatzung in den Weltraum ist zudem die Trägerrakete. Denn auch wenn es bereits vor fast 50 Jahren gelang, mit der legendären Saturn-5-Trägerrakete Astronauten sicher zum Mond zu bringen, so ist der Bau eines ähnlich leistungsstarken zuverlässigen Systems doch auch heute noch eine Herausforderung. Künftig soll bei bemannten Flügen der Nasa die SLS (Space Launch System) Menschen ins All befördern. Ein unbemannter Flug samt Orionkapsel war ursprünglich für 2018 geplant, musste jedoch verschoben werden. Jetzt ist Dezember 2019 als Termin für den Test der SLS angepeilt, 2021 oder 2022 soll dann der erste Flug mit Menschen an Bord starten, sagt Thomas Reiter.

Wie er ist auch sein Kollege Paolo Ferri, Leiter des Missionsbetriebs bei der Esa, froh, dass mit der angekündigten Reise zum Mond „nun endlich ein Ziel genannt“ wurde, nachdem in den vergangenen Jahren darüber viel Uneinigkeit und Verwirrung geherrscht habe. „Geht es als nächstes bemannt zum Mars, zum Mond oder zu einem Asteroiden? Das war unklar.“ Auch die US-Präsidenten hatten mehrfach für Richtungswechsel gesorgt. Wollte Trumps Vorvorgänger George W. Bush noch bis spätestens 2002 Astronauten zum Mond schicken, so cancelte Barack Obama diese Pläne und gab den Mars als nächstes, allerdings erst für die 2030er Jahre angepeiltes Ziel aus.

Als wichtigen Schritt für die künftige bemannte Raumfahrt sehen Reiter und Ferri das geplante „Deep Space Gateway“ an. Hinter dem verheißungsvollen Namen verbirgt sich eine Art Mittelding zwischen Raumschiff und Raumstation, das in der Nähe des Mondes – also viel weiter von der Erde entfernt als die heutige ISS – seine Bahnen drehen soll. „Es könnte als Tor für weitere Reisen ins All dienen“, sagt Paolo Ferri. Mit dem Aufbau der Station soll 2023 begonnen werden. Um ein so gewaltiges Projekt zu stemmen, werden die Nasa, die russische Raumfahrtagentur Roskosmos, die Esa und vermutlich auch die japanische und kanadische Weltraumagentur zusammenarbeiten. Bis zum ersten Marsflug von Menschen werde es aber noch lange noch dauern, ist Paolo Ferri überzeugt: „Ihn zu erreichen, das wird vermutlich noch Jahrzehnte dauern. Dafür brauchen wir noch mehr Informationen und viel mehr Geld.“ (mit afp)

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