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Erderwärmung: Forschende entwickeln Schutzschild gegen Klima-Katastrophe

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Ein Schild aus gefrorenen Blasen soll die Sonneneinstrahlung dimmen und die globale Erderwärmung stoppen. (Symbolfoto)
Ein Schild aus gefrorenen Blasen soll die Sonneneinstrahlung dimmen und die globale Erderwärmung stoppen. (Symbolfoto) © Imago

Der Klimawandel schreitet weiter voran. Forschende aus Amerika wollen einen Schutzschild zwischen Erde und Sonne aufspannen, um die Erderwärmung zu stoppen.

Cambridge/Massachusetts – Es hört sich wie Science-Fiction an, doch es ist der ernsthafte Vorschlag einer Gruppe von Forscher:innen des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA: Mittels eines gigantischen Schildes soll die Sonneneinstrahlung auf der Erde gedimmt werden, um die bisherige Erderwärmung rückgängig zumachen. Die Idee scheint absurd, soll jedoch umsetzbar sein. Was steckt dahinter?

Der Mensch droht die Kontrolle über das Klima zu verlieren. Spätestens seit dem Pariser Klimaabkommen sind Begriff wie das 1,5-Grad-Ziel weltweit bekannt. Diese festgelegte Obergrenze für die dauerhafte Erwärmung der Erde könnte schon in wenigen Jahren überschritten werden. Berechnungen reichen nun nicht mehr, es muss gehandelt werden.

Klimawandel: Blasen-Schild im Weltall so Klimawandel bremsen

Ein wahnwitziger Lösungsvorschlag kommt aus Massachusetts und beschäftigt sich mit dem Geo-Engineering. Darunter werden bewusste und zielgerichtete Eingriffe in das Klimasystem bezeichnet, um die menschengemachte Klimaerwärmung zu verringern. Die Gedankenspiele sind zahlreich und vielfältig. Die Idee der Forschenden des MIT beruht nun auf der Berechnung, dass bereits eine Verminderung der Sonneneinstrahlung um 1,8 Prozent die bisherige Klimaerwärmung vollständig kompensieren könnte.

Ihr Ansatz ähnelt einer gigantischen Sonnenbrille für die Erde: Aus gefrorenen Blasen soll ein „Floß“ in der Größe Brasiliens gebaut werden, welches in rund 2,5 Millionen Kilometer Entfernung zwischen Erde und Sonnen positioniert wird. An dieser Stelle befindet sich einer der sogenannten Lagrange-Punkte von Erde und Sonne. Dort heben sich die Schwerkräfte beider Himmelskörper aufheben und der „Teppich aus Blasen“ würde bewegungslos im Weltraum „stehen“.

Schutz-Teppich im All: Technisch bislang schwer umsetzbar

Bei ersten Experimenten sei es bereits möglich gewesen eine dünne Blase unter weltraumähnlichen Bedingungen aufzublasen. Mögliche Materialien, die den extremen Bedingungen standhalten könnten, seien laut Bericht ionische Flüssigkeiten, beispielsweise Salze, die bereits bei Raumtemperatur flüssig sind. „Ein wesentlicher Vorteil eines Blasen-Schirms ist die Möglichkeit der Montage vor Ort, mit weltraumgestützten Herstellungsverfahren“, so die Autoren. Der Abbau könne erfolgen, sobald die Blasen nicht mehr benötigt werden. „Dies würde das solare Geo-Engineering vollständig reversibel machen und den Weltraumschrott erheblich reduzieren.“

Doch die technischen Herausforderungen sind gewaltig. Laut den Forschenden müssten die Blasen eine hauchdünne Hülle von 400 bis 600 Nanometern besitzen. Zum Vergleich: Ein Blatt Papier ist etwa 200 Mal so dick. Trotzdem würde das Gewicht der zu befördernden Masse mehrere Millionen Tonnen betragen. Bislang gibt es keine Möglichkeiten, derartige Mengen an Material in den Weltraum zu schießen. Zudem müsste die fragile „Sonnenbrille“ wohl durchgehend erneuert werden und könnte durch Sonnenwinde mit der Zeit seine Position wechseln.

Geo-Engineering: Welche Folge hat der Eingriff für die Erde?

Je weiter das Gedankenexperiment gesponnen wird, desto mehr Fragen tauchen auf: Wie würde sich eine Minderung der Sonneneinstrahlung auf das Wetter auswirken? Wie wirkt es sich auf Tier und Pflanzenwelt aus? Welche Folgen hätte es für das gesamte Ökosystem? Die Erde wird durch Millionen Faktoren beeinflusst, die sich in einem Modell nicht simulieren lassen. Besonders deswegen wird Geo-Engineering, so verführerisch und genial sich die Ideen anhören möchten, häufig kritisiert. Am Ende schadet ein Eingriff dem Planeten mehr, als er nützt.

Laut dem MIT sei ihr Ansatz des Sonnenschirms nur eine Arbeitshypothese. Sollten jedoch alle technischen Hürden überwunden sein, so könnte das Blasenschild bereits vor dem Ende des 21. Jahrhunderts gebaut werden. Die Kosten würden sich laut Bericht auf etwa 0,5 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts belaufen. (aa)

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