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Forschende aus Frankfurt und Würzburg finden eine Substanz, die ein für die Krankheitsentstehung zentrales Protein zerstören soll.

Medizin

Neuer Wirkstoff gegen Krebs

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Forschende aus Frankfurt und Würzburg finden eine Substanz, die ein für die Krankheitsentstehung zentrales Protein zerstören soll.

Aurora ist das lateinische Wort für Morgenröte. In der Biochemie allerdings verheißt der Begriff nichts Gutes: Da steht Aurora für ein Protein, das den Anstoß für Krebs geben kann. Seine Aktivität geht unter anderem Leukämien, Tumoren im Kindesalter, Brust- und Prostatakrebs voraus. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Frankfurt und Würzburg ist es nun gelungen, einen Wirkstoff zu entwickeln, der Aurora – genauer: die Aurora-A-Kinase – ausschalten kann.

Aurora wird geschreddert

Krebs entsteht in der Regel durch tumorerzeugende Proteine. Die Krebszellen fangen dann an, weitaus mehr von diesen Proteinen herzustellen als normale Zellen – was das bösartige Wachstum zusätzlich befeuert. Ein Therapieansatz ist es deshalb, die Funktion dieser Proteine zu hemmen. Damit wären die Proteine zwar noch vorhanden, funktionierten aber nicht mehr so gut. Allerdings ist es schwierig, solche Hemmstoffe zu entwickeln, bislang ist das nicht für alle Proteine gelungen, die Tumore auslösen können. So zeigten sämtliche Kandidaten, die auf Aurora zielen, nicht die gewünschten Ergebnisse. Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hoffen aber ohnehin auf Arzneistoffe, welche die entsprechenden Proteine nicht nur hemmen, sondern vernichten. Als vielversprechender Ansatz wird eine neue Wirkklasse von Substanzen angesehen, die den Namen „Protac“ trägt.

„Wir haben einen solchen Protac für Aurora entwickelt“, sagt Elmar Wolf vom Biozentrum der Universität Würzburg. Seinen Angaben zufolge baut der Wirkstoff das Aurora-Protein in Krebszellen, die im Labor kultiviert wurden, komplett ab. Wolf beschreibt den Vorgang so: „Der Tumor braucht bestimmte tumorauslösende Proteine, die man sich wie Seiten in einem Buch vorstellen kann. Unsere Protac-Substanz reißt nun die Seiten ‚Aurora‘ heraus und vernichtet sie mit Hilfe der Protein-Abbau-Maschinerie, die jede Zelle besitzt, um alte und kaputte Proteine abzubauen“. Der Wirkstoff „schreddere“ Aurora quasi.

Bisherige Versuche, die Aktivität des Proteins zu blockieren, das etwa in Brusttumoren in viel größerer Konzentration als in gesundem Gewebe vorkommt, seien nicht erfolgversprechend verlaufen, sagt Stefan Knapp vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Uni Frankfurt. Mit der neuen Substanz werde das Protein über einen anderen Wirkmechanismus blockiert, „der neue therapeutische Möglichkeiten eröffnen könnte“. Im nächsten Schritt sollen Wirksamkeit und Verträglichkeit im Tierversuch getestet werden.

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