Der Transport ins Labor birgt eine potenzielle Fehlerquote.
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Die üblichen PCR-Tests suchen in Abstrichen aus den Atemwegen nach typischen Gensequenzen von Sars-CoV-2.

Gesundheitstechnologie

Neuer Schnelltest in der Prüfung

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Das Verfahren soll ohne Labor auskommen und in kurzer Zeit ein Ergebnis liefern.

Wer sich nach einer Heimreise aus einem Risikogebiet am Flughafen auf eine Corona-Infektion testen lässt, muss mehrere Tage auf ein Ergebnis warten. Gerade diese kostenlosen Tests für Rückkehrer, wie sie derzeit – noch - angeboten werden, bringen Labore und Gesundheitsämter an ihre Grenzen. Ein zuverlässiger Schnelltest, wie er von vielen Fachleuten gefordert wird, könnte Abhilfe schaffen. Das Gesundheitstechnologie-Unternehmen Digital Diagnostics AG aus Mainz hat dafür ein neuartiges Verfahren, den „Digid Cantisense Sars-CoV-2-Test“, entwickelt und jetzt von der Ethikkommission der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte die Genehmigung für klinische Tests erhalten. Es handelt sich dabei um einen Antigen-Schnelltest. Sollte er sich als genauso zuverlässig wie die standardmäßig eingesetzten PCR-Tests erweisen, könnte er im Oktober oder November zugelassen werden.

Die üblichen PCR-Tests (PCR steht für Polymerase-Kettenreaktion) suchen in Abstrichen aus den Atemwegen nach typischen Gensequenzen von Sars-CoV-2 und können bereits geringste Erbgutmengen finden. Die Treffsicherheit für den Nachweis soll bei 99 Prozent liegen, potenzielle Fehlerquellen birgt jedoch zum Beispiel der Transport ins Labor.

Der neue Antigen-Schnelltest prüft nicht auf Viren-Erbmaterial, sondern auf Eiweißbausteine auf der Hülle des Erregers. Auch dafür wird ein Rachenabstrich genommen, der dann allerdings direkt vor Ort ausgewertet wird. Er soll laut Herstellerinformation „innerhalb weniger Minuten eine eindeutige Ja- oder Nein-Information“ liefern. Das Messergebnis werde drahtlos zu einem mobilen Endgerät übertragen; durch die Anbindung an eine spezielle Analyseplattform würden die Daten „sicher und anonym weiterverarbeitet“. Das verhindere „Übermittlungsfehler“ wie zuletzt in Bayern. Nach Ansicht des Unternehmens eignet sich der neue Antigen-Test besonders für Zugangskontrollen und Schnelltests, etwa an Flughäfen, in Kliniken oder auch bei Großveranstaltungen.

Ebenfalls im Oktober soll ein anderer Antigen-Schnelltest auf den Markt kommen: ein Mundspültest des Mannheimer Medtech-Unternehmens für zu Hause. Das Prinzip: die mitgelieferte Flüssigkeit im Mund spülen, gurgeln und in einen Behälter spucken, einen Nasenabstrich nehmen, beides verquirlen und eine weitere Lösung hinzufügen. Die Farbreaktion soll anzeigen, ob man infiziert ist oder nicht. Fachleute sehen solche Selbsttests grundsätzlich allerdings eher skeptisch.

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