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Deutsche durften einen Stern und seinen Planeten benennen. Sie heißen nun Mago (Stern HD 32518) und Neri (Exoplanet HD 32518b).

Aktion der IAU

Deutschland durfte Exoplaneten und Stern benennen - So heißen die Himmelskörper künftig

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Exoplaneten und Sterne tragen eigentlich nur Katalognummern, keine Namen. Doch im Rahmen einer internationalen Aktion durfte Deutschland zwei Himmelskörper benennen.

  • 112 Nationen durften je einen Stern und seinen Exoplaneten benennen
  • Deutschland hat sich für Namen für Stern und Exoplanet entschieden, die mit Giraffen zu tun haben - weil die Himmelskörper im Sternbild Giraffe zu finden sind
  • Andere Länder wählten beispielsweise mythologische Bezeichnungen

Im Jahr 2019 feiert die Internationale Astronomische Union (IAU), ein Zusammenschluss von professionellen Astronominnen und Astronomen aus aller Welt, ihr hundertjähriges Bestehen. Zu diesem Anlass startete die IAU eine ungewöhnliche Aktion: 112 Nationen durften je einen Stern mit dem dazugehörigen Exoplaneten benennen.

Nun steht fest, welche Namen die Himmelskörper tragen. Deutschland bekam den Planeten HD 32518b zugeteilt, der den Stern HD 32518 umkreist. Beide sind im Sternbild Giraffe (Kamelopard) zu finden - wovon auch die Siegernamen inspiriert wurden. Der Stern wird künftig Mago heißen, der Exoplanet Neri. Woher die Namen stammen:

  • Mago ist der Name eines äthiopischen Nationalparks, der sich besonders für den Schutz von Giraffen engagiert.
  • Neri ist ein Fluss im Nationalpark Mago.

Sollten in Zukunft weitere Planeten entdeckt werden, die den Stern Mago umkreisen, könnten sie nach weiteren Flüssen in der direkten Umgebung benannt werden.

Der Exoplanet Neri umkreist den Stern Mago

Die Namensgeber der beiden Himmelskörper stammen aus Neckargemünd. Ein Physikkurs des Max-Born-Gymnasiums hat sich die beiden Namen ausgedacht und zu dem Wettbewerb eingereicht. Mit den Namen wollen die Schülerinnen und Schüler nach Angaben ihrer Lehrerin, Dr. Inge Thiering, „auf die Bedrohung von Ökosystemen durch den Klimawandel aufmerksam machen.“ Da der Zeitgeist in Deutschland auf mehr Umweltschutz stehe, dachte man, „dass diese Benennung auch eine würdige Repräsentation für das Befinden Deutschlands ist“, so Thiering weiter.

Der Vorschlag aus Neckargemünd kam unter die letzten fünf Vorschläge, die in einer Online-Abstimmung zur Wahl gestellt wurden. Mit 3414 von 8720 abgegebenen Stimmen gingen Mago und Neri aus dieser Abstimmung heraus.

Der Planet Neri (HD 32518b) hat etwa die dreifache Jupitermasse und umkreist seinen Stern alle 157,5 Tage. Er wurde 2009 entdeckt. Der Stern Mago (HD 32518) ist ein roter Riesenstern im nördlichen Sternbild Giraffe. Er hat ungefähr dieselbe Masse wie die Sonne - jedoch einen zehn Mal größeren Durchmesser. Der Stern ist mit dem Fernglas sichtbar, sehr geübte Beobachter können ihn bei sehr guten Bedingungen auch mit bloßem Auge finden.

Exoplaneten und Sterne tragen eigentlich nur Katalognummern

Insgesamt wurden nach Angaben der IAU 360.000 Namensvorschläge aus 112 Ländern abgegeben. An den Online-Abstimmungen haben insgesamt 420.000 Menschen teilgenommen. Es ist erst das zweite Mal, dass Sterne und Exoplaneten im Zuge einer großen Kampagne Namen erhalten. Die Mehrheit der Sterne und Exoplaneten tragen nur Katalognummern.

„Es gibt ein wachsendes Interesse unter Astronomen und der Öffentlichkeit, den Himmelskörpern richtige Namen zuzuordnen, wie es für Objekte im Sonnensystem gemacht wird“, erklärt Eric Mamajek, der an der IAU-Aktion zur Benennung von Exoplaneten und Sternen beteiligt war.

Einige Beispiele für die Benennung von Stern und Exoplanet aus anderen Ländern:

  • Österreich: Franz (Stern) und Sissi (Exoplanet) - nach den historischen Vorbildern und dem Film
  • China: Xihe (Stern) und Wangshu (Exoplanet) - Sonnengöttin und Mond in der chinesischen Mythologie
  • Estland: Koit (Stern) und Hämarik (Exoplanet) - Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf Estnisch
  • Jordanien: Petra (Stern) und Wadirum (Exoplanet) - benannt nach der Stadt Petra und dem Wadi Rum
  • Niederlande: Sterrennacht (Stern) und Nachtwacht (Exoplanet) - benannt nach Van-Gogh-Gemälden
  • Schweiz: Mönch (Stern) und Eiger (Exoplanet) - benannt nach Schweizer Bergen

Erster Exoplanet wurde 1995 entdeckt

1995 entdeckten Michel Mayor und Didier Queloz den ersten Exoplaneten, 51 Pegasi b. Dieser Exoplanet wurde im Rahmen der ersten Benennungsaktion für Himmelskörper im Jahr 2015 „Dimidium“ genannt. Mittlerweile haben die beiden Forscher den Physik-Nobelpreis für ihre Entdeckung erhalten*. Seit ihrer bahnbrechenden Entdeckung wurden zahlreiche weitere Exoplaneten entdeckt - mittlerweile kennt man mehr als 4000 Planeten, die fremde Sterne umkreisen. „Die Zahl der Entdeckungen verdoppelt sich alle zweieinhalb Jahre“, so Mamajek. „Das rückt unsere Erde und unser Sonnensystem in die richtige Perspektive.“

Statistisch gesehen ist es sehr wahrscheinlich, dass die meisten Sterne von Planeten umkreist werden, so Mamajek. „Sie sind überall.“ Derzeit sorgt vor allem das Nasa-Weltraumteleskop „Tess“ für die Entdeckung neuer Exoplaneten. Das Esa-Weltraumteleskop „Cheops“* dagegen soll bereits bekannte Exoplaneten genauer unter die Lupe nehmen.

Von Tanja Banner

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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