Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Diagnose

Neue Blüte für die Alpen

Die Abschaffung der Leibeigenschaft, die hohen Abgaben und die Machtübernahme durch die Betriebswirtschaft im Krankenhaus zwingen selbst Chefärzte zu neuem Denken.

Von Dr. med. Bernd Hontschik

Früher war die Welt noch in Ordnung. Früher war ein Chefarzt noch ein Chefarzt. Der Chefarzt war ein Professor. Der Professor hatte seine Sprechstunde, seine Station, seine Assistenzärzte, behandelte seine Patienten und stellte seine Rechnungen selbst. Früher, da wohnte der Privatassistent quasi auf der Privatstation, und wenn der Herr Professor abends nochmal vorbeischaute, konnte er schon mal eine angebrochene Flasche Rotwein dalassen, die er mit seiner Gattin vor dem Kamin nicht ganz leeren konnte. Diese Leibeigenschaft wurde dem Privatassistenten mit Protektion im OP und auf Kongressen gelohnt, mit Karrierehilfe bei der Habilitation, und irgendwann war er dann selbst ein Chefarzt, ein Professor, mit eigener Station, eigenem Assistenten, Gattin und Kamin.

Doch wie sieht es heute aus? Chefärzte haben zwar immer noch eigene Stationen, eigene Assistenten und schreiben immer noch eigene Rechnungen, aber sie müssen hohe Abgaben an das Krankenhaus leisten. Das ist auch in Ordnung, denn sie benutzen ja die Einrichtung und das Personal. Aber in etwa der Hälfte der Chefarztverträge finden sich heute Bonusvereinbarungen. In der Chirurgie sind das Operationszahlen, die die Abteilung des Chefarztes erreichen muss – sonst gibt es keine Bonuszahlungen, stattdessen Ärger mit der Betriebsleitung. In diesen auch Zielvereinbarungen genannten Vertragstexten geht es nicht um Qualität von Medizin, sondern ausschließlich um wirtschaftlichen Erfolg.

Die Abschaffung der Leibeigenschaft, die hohen Abgaben und die Machtübernahme durch die Betriebswirtschaft im Krankenhaus zwingen selbst Chefärzte zu neuem Denken. Einer der fünfzehn in den letzten sechs Jahren entlassenen Geschäftsführer der privaten Rhön-Universitätsklinik Marburg/Gießen gründete nun in der Schweiz zusammen mit acht Chefärzten besagter Universitätsklinik eine „Healthcare Group“, selbst für die Schweiz eine bislang unbekannte Blüte. Was aber ist die „Healthcare Group“? Die Herren „haben langjährige berufliche Erfahrung, enge Kontakte zur Industrie und können medizinische Konzepte für Leistungserbringer auf dem neusten Stand der medizinischen Wissenschaft erstellen.“ Aha. Da waren die Bonuszahlungen wohl nicht hoch genug?

Der Autor gibt bei Suhrkamp die Buchreihe medizinHuman heraus.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare