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Um das Klimaproblem zu lösen, reicht Bäume pflanzen nicht.

Klimaschutz

Die Natur einspannen

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Aufforstung, Wiedervernässung von Mooren und schonende Bodenbewirtschaftung haben ein großes Klimaschutzpotenzial – die Energiewende können sie aber nicht ersetzen.

Klimaschutz gilt oft als kompliziert und teuer, als „Jahrhundertaufgabe“, vergleichbar mit der ersten Mondlandung. Abgesehen davon, dass fraglich ist, ob man mit solchen Narrativen die Bereitschaft zu entschlossenem Handeln mobilisieren kann – an der Diagnose ist natürlich etwas dran. Für die im Paris-Abkommen vereinbarte Klimaneutralität sind grundlegende Veränderungen erforderlich. In praktisch allen Bereichen muss die Infrastruktur umgebaut werden, lange eingespielte Verfahrens- und Verhaltensweisen müssen auf den Prüfstand, ob in Industrie, Handel, Finanzwirtschaft oder bei Mobilität, Städtebau, Konsum und und und.

Einfacher und kostengünstiger verspricht Klimaschutz durch die Natur zu sein. Man setzt auf natürliche Prozesse und sorgt dafür, dass die Natur mehr von dem tun kann, was sie ohnehin tut, wenn der Mensch dies nicht durch Rodung, Flächenversiegelung und Intensivlandwirtschaft verhindern würde – nämlich Kohlenstoff speichern. „Natural Climate Solutions“ heißt dieser Ansatz, und tatsächlich bietet er große Vorteile.

Zunächst einmal ist der Aufwand vergleichsweise gering. Man pflanzt neue Bäume, kümmert sich um die Wiedervernässung von Mooren sowie den Erhalt von Mangrovenwäldern und Torflandschaften. Und man bewirtschaftet Wiesen und Ackerböden so, dass sie mehr Kohlenstoff aufnehmen und binden können.

Zudem ist das Klimaschutzpotenzial enorm. Elf Milliarden Tonnen CO2 könnten damit jährlich eingespart werden, errechnete ein internationales Forscherteam vor zwei Jahren in der bislang umfangreichsten Studie zum Thema. Der richtige Umgang mit der Natur könnte so rund 30 Prozent der Einsparungen bringen, die für die Pariser Klimaziele nötig sind. Allerdings nur, wenn die Maßnahmen wirklich überall auf der Welt umgesetzt werden.

Nicht nur Bäume pflanzen

Für weltweite Schlagzeilen sorgte im Sommer eine Studie der ETH Zürich, die das Potenzial noch deutlich höher ansetzt – und zwar allein durch die Aufforstung von Wäldern. Die sensationelle Nachricht: Würde man überall Bäume pflanzen, wo das Land nicht für Ackerbau oder Städte genutzt wird, könnten zwei Drittel der bisherigen menschengemachten CO2- Emissionen rückgängig gemacht werden. Das klang zu schön, um wahr zu sein. Und das war es leider auch. Den Forschern war ein Denkfehler unterlaufen. Tatsächlich ist das Einsparpotenzial höchstens halb so groß.

Und es gibt noch ein Problem. Viele der aktuell noch freien Flächen liegen im hohen Norden und sind lange Zeit schneebedeckt. Würde man sie bewalden, würde weniger Sonnenstrahlung ins All zurückgespiegelt werden, so dass die Erderwärmung sogar noch angeheizt würde. Der arktische Permafrost würde noch schneller schmelzen. „Hier schlummert mehr Kohlenstoff als in allen Bäumen der Erde zusammen“, sagt der Klimaforscher Stefan Rahmstorf. „Diesen schlafenden Riesen sollten wir keinesfalls wecken.“

Trotzdem ist das Pflanzen neuer Bäume ein wichtiger Beitrag gegen die Klimakrise. Viele Länder, von Großbritannien bis China, haben längst Programme aufgelegt. Und zahlreiche ärmere Staaten wollen ihren Beitrag zum Paris-Abkommen in Form von Aufforstungen leisten. Im vorigen Jahr, als UN-Generalsekretär Guterres zu mehr Klimaschutz aufrief, versprachen Länder wie Äthiopien, Kenia oder auch Pakistan und Neuseeland, mindestens 17 Milliarden Bäume zu pflanzen. Länder wie Kolumbien, Guatemala oder die Demokratische Republik Kongo kündigten an, bestehende Wälder besser zu schützen oder gerodete Flächen wieder aufzuforsten.

Um das Klimaproblem zu lösen, reicht dies aber nicht. Bäume nehmen Kohlenstoff nur langsam auf. Damit sie ihr volles Potenzial entfalten, dauert es 50 bis 100 Jahre. Aufforstung kann deshalb nur ein „Nebendarsteller“ bei der Klimastabilisierung sein, sagt Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber. Die Hauptrolle muss das Vermeiden von Emissionen spielen. An dieser Jahrhundertaufgabe kommt die Menschheit nicht vorbei.

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