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Eine Katastrophe für die Umwelt: das brennende Moor auf dem Bundeswehr-Testgelände.

Bundeswehr

Nasse Moore brennen nicht

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Der von der Bundeswehr verursachte Brand bei Meppen wirft ein Licht auf den klimapolitisch fatalen Umgang mit diesem wichtigen Ökosystem.

Anfang September brach bei Meppen im niedersächsischen Emsland ein Moorbrand auf einem Gelände der Bundeswehr aus. In deren Auftrag hatte ein Airbus-Kampfhubschrauber eine Rakete mit einem sogenannten High-Explosive-Gefechtskopf zu Testzwecken abgefeuert. Löschgeräte waren nicht zur Stelle, sodass der Brand außer Kontrolle geriet und sich auf bis zu 12.000 Hektar ausbreiten konnte. Die Rauchschwaden zogen zeitweilig bis ins 130 Kilometer entfernte Bremen, der Qualm war sogar aus dem All zu sehen. Der Landkreis musste den Katastrophenfall ausrufen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf vorsätzliche Brandstiftung.

Noch immer sind mehr als 1500 Einsatzkräfte mit Löscharbeiten beschäftigt. Inzwischen gibt es zwar keine offenen Feuer mehr. Doch unterirdisch schwelt der Moorbrand weiter – auf derzeit noch unabsehbare Zeit. Die Brandkatastrophe wirft nicht nur ein grelles Licht auf die Probleme der Bundeswehr. Sie rückt auch ein Thema ins Bewusstsein, das sonst nur wenig Beachtung findet: dass Moore eben nicht einfach nur Brachflächen sind, mit denen man anstellen kann, was man will. Vielmehr sind sie besondere Ökosysteme, die besonderer Schutzmaßnahmen bedürfen – gerade auch, was den Klimaschutz betrifft.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde bedecken Moore weltweit zwar nur drei Prozent der Landfläche, speichern aber „rund ein Drittel der irdischen Kohlenstoffvorräte“. Das ist doppelt so viel, wie alle Wälder der Erde an CO2 speichern. Deren Bedeutung für die Bewältigung der Klimakrise ist längst erkannt. Bei den Mooren sieht es immer noch anders aus.

Jahrhundertelang waren Moore und Sumpfgebiete vor allem lästig. Man legte sie trocken, um die Flächen nutzen zu können, etwa für die Landwirtschaft. In Deutschland sind laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) nur noch zehn Prozent der Moorböden ungenutzt. Intakte Hochmoore wurden so weit zurückgedrängt, dass sie nur noch ein Prozent ihrer ehemaligen Ausdehnung ausmachen. Und selbst innerhalb von Schutzgebieten, warnt das BfN, ist der Erhaltungszustand der Moore oft kritisch.

Das Problem dabei: Werden Moore drainiert, also trockengelegt, hören sie auf, Kohlenstoffspeicher zu sein und geben große Mengen an CO2 ab – und zwar 30- bis 50-mal mehr als jede andere landwirtschaftliche Nutzfläche – selbst wenn diese noch so intensiv gedüngt wird. „Moore sind Hotspots, wenn sie drainiert sind“, sagt deshalb Annette Freibauer von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Pro Jahr verursachen Moorböden nach den Zahlen des Umweltbundesamtes so Emissionen von fast 50 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Das sind vier Prozent des gesamten Treibhausgas-Ausstoßes Deutschlands.

Torfbrände glimmen unterirdisch weiter

Dazu kommt, dass ausgetrocknete Moore – wie das auf dem Bundeswehrgelände bei Meppen – ein großes Brandrisiko darstellen und nur sehr schwer zu löschen sind. Unterirdisch glimmen Torfbrände lange weiter. Es ist sogar möglich, dass ein Brand im Winter unter einer Schneedecke weiterschwelt und im Frühjahr dann wieder ausbricht. Dabei wird sehr viel Kohlendioxid freigesetzt. Was den Moorbrand in Meppen betrifft, gehen die Schätzungen bisher von ein bis zwei Millionen Tonnen CO2 aus.

Für den Klimaschutz wäre es deshalb wichtig, Moore wiederherzustellen – indem man die Wasserstände anhebt. Das geschieht bereits, allerdings in sehr geringem Umfang. „Es muss deutlich mehr Moorfläche in Deutschland wiedervernässt werden“, sagt Franziska Tanneberger vom Greifswald-Moor-Centrum gegenüber der Frankfurter Rundschau. Damit käme die Bundesrepublik auch ihren klimapolitischen Verpflichtungen nach.

Für landwirtschaftlich genutzte Moore gebe es auch eine vielversprechende Alternative, sagt die Landschaftsökologin, nämlich die „Paludikultur“ (von lateinisch palus für Sumpf). Man weicht dabei auf Pflanzenarten aus, die an hohe Wasserstände angepasst sind, etwa Schilf oder Torfmoose.

Damit lässt sich ebenfalls Geld verdienen, und darüber hinaus wird der Torf erhalten und sogar neu gebildet. Das Moorzentrum nennt das eine „Win-win-Option“. Nun muss die EU nur noch die Förderrichtlinien ihrer Agrarpolitik ändern, die bislang auf das Gegenteil zielen, nämlich auf eine entwässerungsbasierte Moornutzung.

Das ist doppelt sinnvoll, denn nach Indonesien ist die EU der zweitgrößte Verursacher von globalen Treibhausgas-Emissionen aus Mooren. Und Deutschland gehört hierbei zu den größten Emittenten.

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