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„Voyager“-Raumsonden der Nasa sind „die Letzten ihrer Art“

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Von: Tanja Banner

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Illustration: Eine „Voyager“-Raumsonde der US-Raumfahrtorganisation Nasa im Weltraum.
Illustration: Eine „Voyager“-Raumsonde der US-Raumfahrtorganisation Nasa im Weltraum. © imago/Science Photo Library

Sie sind unvorstellbar weit in den Weltraum vorgedrungen, doch langsam heißt es Abschied nehmen von den „Voyager“-Raumsonden der Nasa.

Baltimore – Die zwei „Voyager“-Raumsonden der US-Raumfahrtorganisation Nasa haben das Wissen über das Weltall verändert – doch fast 45 Jahre nach ihrem Start sind die beiden identischen Raumsonden längst nicht mehr in ihrem besten Zustand. In den vergangenen drei Jahren musste die Nasa Heizelemente und andere weniger wichtige Komponenten der Raumsonden deaktivieren. Energie sparen ist angesagt - damit die Sonden noch möglichst lange aktiv bleiben können. Denn seit ihrem Start im Jahr 1977 sind sie in Regionen des Weltraums vorgedrungen, in denen noch keine Raumsonde zuvor war. Noch in diesem Jahr will die Nasa offenbar weitere Instrumente abschalten.

2012 hatte „Voyager 1“ den Einflussbereich der Sonne – die sogenannte Heliosphäre – verlassen, 2018 folgte „Voyager 2“. Beide Sonden befinden sich mittlerweile im interstellaren Raum und sind mehr als 20 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Zum Vergleich: Der Abstand zwischen Erde und Sonne beträgt etwa 150 Millionen Kilometer. „Vier Jahre waren die Hauptmission“, erklärt „Voyager“-Projektmanagerin Suzanne Dodd gegenüber dem Scientific American. Ihr Kollege Ralph McNutt, Physiker an der Johns Hopkins University, ergänzt: „Wir sind bei 44,5 Jahren, also haben wir zehnmal die Garantie für die Raumsonden überschritten.“

Nasa-Raumsonden „Voyager“ befinden sich weit weg von der Erde

Mittlerweile haben sich die beiden Nasa-Raumsonden so weit von der Erde entfernt, dass ein Signal fast 22 Stunden benötigt, um „Voyager 1“ zu erreichen, etwas mehr als 18 Stunden benötigt es zu „Voyager 2“. Das erschwert auch die Analyse eines Problems, das „Voyager 1“ derzeit hat. Je weiter sich die Raumsonden entfernen, desto schwächer werden ihre Signale. „Es wird schwerer und schwerer, das leise Flüstern der Raumsonden zu hören“, erzählt Glen Nagle, der am Deep Space Network – den Satellitenstationen, die die „Voyager“-Signale empfangen – arbeitet.

Die „Voyager“-Raumsonden sind seit 1977 im Weltall, die Technologie an Bord ist noch einige Jahre älter. „Software ist auf diesen Instrumenten wenig bis gar nicht vorhanden“, erklärt Stamatios Krimigis, der ein „Voyager“-Instrument entwickelt hat, dem Scientific American. „Es gibt keine Mikroprozessoren – sie existierten damals nicht!“ Das könnte ein Vorteil der Raumsonden gewesen sein, glaubt Krimigis. „Ich glaube, die Mission hat so lange gedauert, weil fast alles fest verdrahtet war. Die Ingenieure von heute wissen nicht, wie man das macht. Ich weiß nicht, ob es überhaupt möglich ist, ein so einfaches Raumschiff jetzt zu bauen. Die ‚Voyagers‘ sind die Letzten ihrer Art.“

Voyager 1Voyager 2
Start: 5. September 1977Start: 20. August 1977
Entfernung von der Erde: 23,3 Milliarden kmEntfernung von der Erde: 19,3 Milliarden km
Signallaufzeit zur Erde: 21 Stunden und 37 MinutenSignallaufzeit zur Erde: 17 Stunden und 59 Minuten
Quelle: JPL der Nasa

„Voyager“-Raumsonden: Nasa-Team muss langsam Abschied nehmen

In den kommenden Jahren heißt es, von den beiden „Voyager“-Raumsonden Abschied nehmen. „Voyager 2“ hat noch fünf funktionierende Instrumente, ihre Schwestersonde hat vier. Diese Instrumente werden von einem Gerät mit Strom versorgt, das Hitze aus dem radioaktiven Zerfall von Plutonium in Elektrizität umwandelt. Doch jedes Jahr verringert sich die Leistung um vier Watt und die Nasa ist dazu gezwungen, Instrumente abzuschalten, um Energie zu sparen.

Ich glaube, die Mission hat so lange gedauert, weil fast alles fest verdrahtet war. Die Ingenieure von heute wissen nicht, wie man das macht. Ich weiß nicht, ob es überhaupt möglich ist, ein so einfaches Raumschiff jetzt zu bauen. Die „Voyagers“ sind die Letzten ihrer Art.

Stamatios Krimigis

Doch dabei erlebt das Team auch Überraschungen: Vor zwei Jahren wurde beispielsweise die Heizung für den Detektor für kosmische Strahlung abgeschaltet – das „Voyager“-Team ging fest davon aus, dass das Instrument die Kälte nicht überstehen würde. „Die Temperatur fiel um 60 oder 70 Grad Celsius, weit unterhalb aller getesteten Limits“, erklärt die Planetenwissenschaftlerin Linda Spilker vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) und fährt fort: „Und das Instrument arbeitete weiter. Es war unglaublich!“

„Voyager“-Raumsonden könnten bis in die 2030er Jahre funktionieren

Von den noch funktionierenden Instrumenten sollen die Magnetometer und ein Plasma-Instrument zuletzt abgeschaltet werden, heißt es bei der Nasa. „Wenn alles sehr gut geht, können wir die Missionen vielleicht bis in die 2030er Jahre verlängern“, hofft Spilker gegenüber dem Scientific American. „Es hängt alles von der Energie ab. Das ist der springende Punkt.“ Doch auch wenn die „Voyager“-Sonden eines Tages verstummen, werden sie ihre Reise in die Tiefen des Weltalls fortsetzen. In 16.700 Jahren wird „Voyager 1“ den erdnächsten Stern Proxima Centauri erreichen. 3600 Jahre später soll auch „Voyager 2“ dort ankommen.

Die „Golden Record“, die sich an Bord der beiden „Voyager“-Raumsonden befindet, beinhaltet Nachrichten für Außerirdische. Enthalten sind beispielsweise auch Musikstücke von der Erde. (Archivbild)
Die „Golden Record“, die sich an Bord der beiden „Voyager“-Raumsonden befindet, beinhaltet Nachrichten für Außerirdische. Enthalten sind beispielsweise auch Musikstücke von der Erde. (Archivbild) © imago/ZUMA Wire

Die Sonden werden auch danach weiter durch die Milchstraße treiben – und vielleicht eines Tages auf Leben im Weltall treffen. Für diesen Fall haben beide „Voyager“-Raumsonden eine Botschaft dabei. Auf den sogenannten „Golden Records“ sind Bilder und Töne von der Erde gespeichert, die einen Eindruck davon vermitteln sollen, woher die Raumsonden stammen. Mit dabei: Bilder von Kindern, Delfinen und Sonnenuntergängen sowie 90 Minuten Musik – unter anderem Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 2 und „Johnny B. Goode“ von Chuck Berry. (tab)

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