Im Wahlkampf hat Joe Biden nichts zu seinen Raumfahrt-Plänen gesagt - doch dass einige Ideen von Donald Trump auf dem Prüfstand stehen und auch Änderungen bei der Nasa anstehen, dürfte klar sein.
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Im Wahlkampf hat Joe Biden nichts zu seinen Raumfahrt-Plänen gesagt - doch dass einige Ideen von Donald Trump auf dem Prüfstand stehen und auch Änderungen bei der Nasa anstehen, dürfte klar sein.

US-Raumfahrt

Nasa, Mondlandung, Space Force - Was unter Präsident Biden mit Donald Trumps Raumfahrt-Projekten geschieht

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Unter US-Präsident Donald Trump hatte die USA in der Raumfahrt vor allem ein Ziel: 2024 wieder Astronaut:innen auf dem Mond zu landen. Wie Präsident Joe Biden die US-Raumfahrt und die Nasa verändern wird.

Washington D.C. – Wird ein neuer US-Präsident ins Amt gewählt, bedeutet das in aller Regel auch größere Änderungen für die Ausrichtung der US-Raumfahrt und die US-Raumfahrtorganisation Nasa. Deren derzeitiger Chef, der frühere republikanische Kongressabgeordnete Jim Bridenstine, gab bereits nach der Wahl Joe Bidens zum neuen US-Präsidenten bekannt, dass er sein Amt unter der neuen Regierung nicht weiterführen werde. Wie die Vergangenheit zeigt, dürften auch inhaltlich größere Änderungen in der US-Raumfahrt anstehen.

US-Raumfahrtpolitik: Jeder US-Präsident will eigene Schwerpunkte setzen

Als Barack Obama 2009 sein Amt als US-Präsident antrat, beendete er das „Constellation“-Programm der Nasa, das unter anderem eine Rückkehr zum Mond bis 2020 vorsah. Stattdessen lenkte die Obama-Regierung den Fokus der US-Raumfahrtbehörde auf den Mars und priorisierte gleichzeitig die Erderkundung und Klimaforschung. Unter dem Klimawandel-Leugner Donald Trump hieß es dann ab 2017: weniger Klimaforschung und zurück zum Mond. Die Regierung Trump überraschte mit dem überhasteten Plan, bis 2024 wieder Astronaut:innen auf den Mond bringen zu wollen.

Unter einem Präsidenten Joe Biden dürfte es nun wieder in die Richtung gehen, die Barack Obama eingeschlagen hatte – schließlich war er Obamas Vizepräsident. Ein Überblick über die Themen und welchen Weg die Regierung Biden wohl wählen dürfte:

Mögliche Nasa-Aufgaben unter Joe Biden: Mehr Erdbeobachtung und Forschung zum Klimawandel

Im Nasa-Übergangsteam der Biden-Regierung befindet sich unter anderem der frühere Nasa-Chefwissenschaftler Waleed Abdalati. Er beschäftigt sich unter anderem damit, wie man Satelliten nutzen kann, um Veränderungen im Eis zu verstehen – das könnte ein starker Hinweis darauf sein, dass die neue US-Regierung unter Präsident Joe Biden wieder einen stärkeren Fokus auf die Klimaforschung aus dem All legen will. Diesen Verdacht nährt auch ein Blick auf die offizielle Website, die die Prioritäten des künftigen US-Präsidenten und seiner Vizepräsidentin Kamala Harris auflistet. Dort ist als einer von vier Punkten der Klimawandel aufgelistet.

Mit Hilfe von Satelliten beobachtet die Nasa die Erde und kann so auch die Folgen des Klimawandels verfolgen.

Im Wahlkampf hatte die Demokratische Partei außerdem versprochen, Erdbeobachtungsmissionen der Nasa zu fördern, um „besser zu verstehen, wie der Klimawandel unseren Heimatplaneten verändert“. Die Trump-Regierung hatte dagegen kontinuierlich Gelder für die Erdbeobachtung gestrichen und plante gar, fünf Erdbeobachtungsmissionen ganz zu beenden.

US-Raumfahrt unter Präsident Joe Biden: Verlängerung der ISS-Laufzeit ist möglich

Während der amtierende US-Präsident Donald Trump die Finanzierung der Internationalen Raumstation ISS bis 2025 einstellen will, um sie dann an private Firmen zu übergeben, ist es möglich, dass der neue US-Präsident Joe Biden die ISS länger finanzieren wird. Das berichtet Reuters unter Bezug auf Personen, die mit den ersten Ideen zur Raumfahrtpolitik der Biden-Regierung vertraut sein sollen.

Künftige Missionen der Nasa: Präsident Joe Biden dürfte Mondlandung verschieben

Ein anderes Projekt, das quasi das Herzstück von Trumps Raumfahrtpolitik darstellt, dürfte unter diesen Plänen leiden, glauben die Insider laut Reuters. Ein US-Präsident Biden dürfte die nächste Mondlandung von Astronaut:innen, die für 2024 geplant ist, weiter nach hinten schieben, vermuten sie. Ursprünglich hatte die Trump-Regierung eine Mondlandung 2028 anvisiert, um sie kurzfristig auf 2024 vorzuverlegen. „Ich kenne niemanden, der denkt, wir schaffen es bis 2024“, erklärte Lori Garver, eine Nasa-Vizechefin unter Obama, gegenüber dem Portal Space News. „Das war ein unmögliches Ziel.“

US-Raumfahrtpolitik und Nasa unter Biden: Was passiert mit der Schwerlastrakete SLS?

Eine mögliche Verschiebung der Mondlandung dürfte weitere Fragen aufwerfen – beispielsweise, was das für die in der Entwicklung befindliche Schwerlastrakete Space Launch System (SLS) bedeutet. Die SLS wird von Boeing gebaut und soll eigentlich Astronaut:innen zum Mond transportieren – jedoch ist sie weit hinter dem Zeitplan zurück und bereits jetzt deutlich teurer als ursprünglich geplant. Außerdem stehen gleich zwei konkurrierende Raketen in den Startlöchern, gebaut von den privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX (Elon Musk) und Blue Origin (Jeff Bezos).

Für die SLS spricht, dass sie zehntausende Jobs in Alabama und Kalifornien sichert. Allerdings sagen Kritiker:innen, die Technologie der Rakete sei bereits veraltet, außerdem soll ein SLS-Start pro Mission eine Milliarde US-Dollar oder mehr kosten – während ein Start der nicht ganz so kraftvollen „Falcon Heavy“-Schwerlastrakete von SpaceX mit 90 Millionen US-Dollar zu Buche schlägt und ein Start der Schwerlastrakete Delta IV Heavy etwa 350 Millionen US-Dollar kostet.

Die Schwerlastrakete SLS soll eines Tages so aussehen (künstlerische Darstellung von 2014). Doch noch ist viel zu tun – Zeitpläne sind längst überschritten, Budgets auch.

Es könnte also gut sein, dass die Biden-Regierung die SLS beerdigt – doch noch gibt es unter den Biden-Beratern offenbar keine Einigkeit darüber, berichtet Reuters. Die neue Nasa-Führung könnte diese Entscheidung maßgeblich beeinflussen, heißt es von den Insidern, mit denen Reuters gesprochen hat. Die berichten auch, dass das Team um Joe Biden sich in dieser Rolle eine Frau wünscht.

US-Raumfahrt unter Joe Biden: Was geschieht mit Trumps Space Force?

Ein weiteres Thema, das unter Präsident Donald Trump eine sehr wichtige Rolle in der Raumfahrtpolitik gespielt hat, ist die Space Force, die unter Trump zu einer sechsten Teilstreitkraft des US-Militärs wurde. Die Space Force könnte unter einem Präsidenten Biden jedoch wieder zur Debatte stehen, vermutet man bei der „Time“. Kritiker:innen sagten seit jeher, es handele sich bei der Space Force hauptsächlich um ein Projekt, bei dem Donald Trump ein neues Logo und neue Uniformen enthüllen konnte. Biden könnte die Aufgaben der Space Force zurück in die Air Force integrieren – und dadurch einerseits Geld sparen, andererseits aber auch ein Programm loswerden, das sehr eng mit dem Namen Trump verbunden ist.

US-Raumfahrtpolitik unter Joe Biden: Private Raumfahrt dürfte weiter gefördert werden

Ein Punkt, in dem sich die Regierungen Obama und Trump nicht maßgeblich unterschieden haben, ist die Förderung der privaten Raumfahrt. Auch wenn die großen Erfolge, beispielsweise die erste bemannte SpaceX-Mission zur ISS, während der Regierungszeit Trumps gefeiert wurden, wurde der Grundstein dafür in den acht Jahren der Obama-Regierung gelegt. Der damalige Vizepräsident Joe Biden war maßgeblich daran beteiligt, Gelder für das „Commercial Crew“-Programm zu besorgen.

Wie Reuters berichtet, plant Joe Biden als US-Präsident, den Wettbewerb zwischen privaten Raumfahrtunternehmen wie Boeing und SpaceX weiter zu fördern. Im „Commercial Crew“-Programm der Nasa werden beispielsweise Boeing und SpaceX finanziell unterstützt, um Raumschiffe zu bauen, die Astronaut:innen zur ISS und zurück transportieren können. Das Programm dürfte unter Biden sehr wahrscheinlich weiterlaufen – immerhin kann die Nasa jetzt erst die ersten Früchte des Programms ernten: Für das Wochenende ist der erste Start operativer Astronauten zur ISS geplant. (Tanja Banner)

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