Die Nasa möchte auf dem Mond Regolith (Mondgestein) fördern lassen und dann privaten Firmen abkaufen.
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Die Nasa möchte auf dem Mond Regolith (Mondgestein) fördern lassen und dann privaten Firmen abkaufen.

Weltraum

Nasa will Mondgestein kaufen - Übergabe soll auf dem Mond stattfinden

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    vonTanja Banner
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Die Nasa fordert private Firmen dazu auf, auf dem Mond Gestein zu fördern und es der Nasa zu verkaufen. Doch der Weltraumvertrag sieht das nicht vor. Was steckt dahinter?

  • Die Nasa sucht private Firmen, die auf dem Mond Regolith fördern und es der US-Raumfahrtorganisation verkaufen.
  • Die Bezahlung für das Mondgestein ist gering - denn dahinter steckt etwas ganz anderes.
  • Der Weltraumvertrag könnte dem Nasa-Plan entgegenstehen - was hat der Nasa-Chef vor?

Es klingt etwas paradox: Die US-Raumfahrtorganisation Nasa will von privaten Firmen Mondgestein kaufen - und zwar auf dem Mond. Die Ausschreibung, die die Nasa veröffentlicht hat, erklärt, was das private Unternehmen, das den Zuschlag erhält, tun muss: Eine kleine Menge (50 bis 500 Gramm) Mondgestein auf der Mondoberfläche einsammeln, der Nasa Bilder von der Sammelaktion und dem gesammelten Material zur Verfügung stellen und „vor Ort“ - also auf dem Mond - den Besitz des Mondgesteins an die US-Raumfahrtorganisation übertragen. „Nach der Übertragung des Eigentums wird das gesammelte Material zum alleinigen Eigentum der Nasa“, erklärt Nasa-Chef Jim Bridenstine in einem Blogeintrag.

Nasa will Mondgestein kaufen - und nur dafür auch bezahlen

Das Einsammeln von Mondgestein und die Übertragung der Besitzrechte auf die Nasa solle vor dem Jahr 2024 über die Bühne gehen, erläutert Bridenstine weiter. Auf die Ausschreibung dürfen sich nicht nur US-Unternehmen bewerben, sondern auch ausländische Firmen - wie viele Unternehmen letztendlich von der Nasa ausgewählt werden, den Auftrag durchzuführen, steht offenbar noch nicht fest. In einem anderen Punkt legt sich die Nasa in Person von Jim Bridenstine dagegen bereits fest: „Die Bezahlung der Nasa ist nur für das Mondgestein“, betont der. Es dürften sich also nur Unternehmen bewerben wollen, die sowieso aus anderen Gründen auf den Mond fliegen - denn die Bezahlung dürfte die Entwicklung und den Flug zum Mond nicht decken.

Die Nasa geht davon aus, dass sie 15.000 bis 25.000 US-Dollar für 5 bis 500 Gramm Mondgestein bezahlen muss - Rücktransport des Gesteins nicht inbegriffen. Um den Transport des Regoliths zur Erde will sich die Nasa nach Angaben ihres Chefs „zu einem späteren Zeitpunkt“ Gedanken machen. Zehn Prozent der Bezahlung sollen die ausgewählten Unternehmen mit der Unterschrift unter den Vertrag erhalten, weitere zehn Prozent beim Start zum Mond. Wurde der Auftrag erfolgreich durchgeführt, sollen die restlichen 80 Prozent fließen.

Nasa plant mit nächster Mondlandung und Erforschung des Mars

Denkt man genauer darüber nach, klingt der Plan der Nasa absurd: Ein Unternehmen soll zum Mond fliegen, dort Mondgestein einsammeln und fotografieren - und erhält dafür Geld. Hintergrund des Plans ist jedoch, dass die Nasa sich bereits seit einiger Zeit auf neue Missionen zum Mond vorbereitet. Das „Artemis“-Programm soll 2024 die erste Frau und den nächsten Mann zum Mond bringen, langfristig gesehen will man auf dem Mond Dinge ausprobieren und üben, die man bei einer menschlichen Erforschung des Mars später benötigen wird.

Darum geht es unter anderem bei der Mondgestein-Aktion der Nasa: Private Unternehmen sollen angespornt werden, sich damit zu beschäftigen, wie man Mondgestein fördern kann. Spätestens auf dem Mars wird die so genannte In-Situ Resources Utilization (ISRU), die Vor-Ort-Nutzung von vorhandenen Ressourcen, ein bedeutendes Thema werden, denn auf derart lange Reisen kann man nicht alle Ressourcen, die man benötigt, mitnehmen. Auf dem Mond will man daher ausprobieren, welche Techniken funktionieren und will Erfahrungen für den Mars sammeln.

Nasa will sich bei Mond-Plan an das Weltraumrecht halten

„Jetzt gerade versuchen wir zu beweisen, dass Ressourcen extrahiert und gehandelt werden können“, zitiert space.com den Nasa-Chef. Bei der Durchführung der Pläne werde man sich an das bestehende Recht - unter anderem an den Weltraumvertrag von 1967 - halten, betont Bridenstine in seinem Blogeintrag. Allerdings steht in diesem Vertrag, dass sich keine Nation den Weltraum, den Mond oder andere Himmelskörper aneignen kann - weder durch „Beanspruchung der Hoheitsgewalt, durch Benutzung oder Okkupation oder durch andere Mittel“.

„Wir glauben, dass wir die Ressourcen des Mondes extrahieren und nutzen können, genau wie wir Thunfisch aus dem Meer holen und nutzen können", wird Bridenstine von der Washington Post zu diesem Thema zitiert.

Wie genau der Nasa-Plan mit dem Weltraumvertrag in Einklang stehen soll, ist noch unklar. Casey Dreier, Senior Space Policy Advisor bei der gemeinnützigen „Planetary Society“, vermutet auf Twitter, dass es weniger um den finanziellen Anreiz geht, sondern „vielmehr um die Schaffung eines Präzedenzfalls, in dem private Unternehmen Material aus dem Weltall sammeln und verkaufen (mit dem ausdrücklichen Segen der Nasa/US-Regierung)“. Bridenstine betont in seinem Blogeintrag dagegen, die Nasa werde „voraussetzen, dass alle Handlungen transparent vonstatten gehen“. Außerdem sollten alle „internationalen Verpflichtungen" beachtet werden. (Tanja Banner)

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