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Raumanzüge undicht? Nasa sagt alle Außenbordeinsätze auf der ISS ab

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Von: Tanja Banner

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Der deutsche Esa-Astronaut Matthias Maurer meldete nach seinem Außenbordeinsatz an der ISS Wasser im Helm. Nun hat die Nasa alle Außenbordeinsätze ausgesetzt. (Archivbild)
Der deutsche Esa-Astronaut Matthias Maurer meldete nach seinem Außenbordeinsatz an der ISS Wasser im Helm. Nun hat die Nasa alle Außenbordeinsätze ausgesetzt. (Archivfoto) © NASA/ESA/dpa

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer hat bei seinem Einsatz außerhalb der ISS plötzlich Wasser im Helm. Nun sagt die Nasa alle Außenbordeinsätze ab.

Washington D.C. – Die Raumanzüge der US-Raumfahrtorganisation Nasa kennt jeder: Es sind die weißen, klobigen Anzüge mit Helm, in die Astronautinnen und Astronauten schlüpfen, bevor sie die Internationale Raumstation ISS für einen Außenbordeinsatz verlassen. Doch momentan gibt es keine US-Außenbordeinsätze mehr, die Nasa hat sämtliche geplanten „Weltraumspaziergänge“, wie die anstrengenden Außenbordeinsätze umgangssprachlich genannt werden, ausgesetzt. Der Hintergrund ist ernst: Der deutsche Esa-Astronaut Matthias Maurer meldete nach seinem Außenbordeinsatz am 23. März Wasser im Helm.

Was harmlos klingt, kann für einen Astronauten oder eine Astronautin lebensgefährlich sein: In der Schwerelosigkeit können sich „Klumpen“ aus Wasser bilden, die an Gesicht und den Augen haften bleiben. Ein Mensch könnte an nur wenig Wasser im Helm sogar ertrinken. Matthias Maurer meldete nach seiner Arbeit außerhalb der Raumstation eine 20 bis 25 Zentimeter große, dünne Wasserschicht, die die innere Oberfläche des Helms bedeckt habe, berichtet das Portal Universe Today.

Die Raumanzüge würden manchmal etwas Wasser produzieren, erklärt die stellvertretende Leiterin des Nasa-Raumstations-Programms, Dana Weigel. „Doch dies ging ein wenig über das hinaus, was wir normalerweise erleben. Es war vor allem die Menge des Wassers, die unsere Aufmerksamkeit erregte“, so Weigel bei einer Pressekonferenz der Nasa.

Nasa setzt Außenbordeinsätze auf der ISS aus: Raumanzüge offenbar undicht

Bis die Ursache für das Wasser im Helm gefunden wurde, soll keine sogenannte „EVA“ (extravehicular activity, Außenbordeinsatz) durchgeführt werden. „Wir werden keine geplante EVA durchführen, bevor wir nicht die Möglichkeit hatten, größere Systemausfälle zu untersuchen und auszuschließen“, betont Weigel. Proben des Wassers aus dem Helm sowie der Raumanzug, den Matthias Maurer bei seinem Außenbordeinsatz trug, sollen zur Erde zurückgeschickt werden, um sie zu untersuchen.

Es ist nicht der erste Zwischenfall dieser Art. Im Juli 2013 musste der Esa-Astronaut Luca Parmitano einen Außenbordeinsatz vorzeitig abbrechen, weil so viel Wasser in den Helm gelangte, dass ein Großteil seines Gesichts davon bedeckt war. Parmitano kehrte sicher zurück in die Internationale Raumstation ISS und die Nasa setzte sämtliche Außenbordeinsätze aus, um das Problem zu untersuchen. Die Ursache für das Wasser im Helm wurde behoben, als zusätzlichen Sicherheitsmechanismus führte die Nasa 2014 Absorptionskissen im Helm ein, die überschüssiges Wasser aufsaugen sollten. Außerdem wurde ein Atemschlauch in den Helm eingebaut, der es Raumfahrer:innen erlauben soll zu atmen, auch wenn sich Wasser im Gesicht festsetzt.

Nasa-Raumanzüge stammen noch aus der „Space Shuttle“-Zeit

Die Nasa-Raumanzüge, genannt EMU (extravehicular mobility unit) haben bereits einige Jahre auf dem Buckel. Sie wurden für Außenbordeinsätze des „Space Shuttle“-Programms entworfen, von 1983 bis 2002 wurde eine Basis-Version benutzt, seit 1998 gibt es eine erweiterte EMU-Version. Die Raumanzüge sind dafür gebaut, Astronautinnen und Astronauten während eines mehrstündigen Außenbordeinsatzes am Leben zu erhalten: Sie sorgen unter anderem für Sauerstoff und eine angenehme Temperatur. An Bord der ISS gibt es vier Raumanzüge, sieben weitere befinden sich für Test- und Trainingszwecke auf der Erde.

Nasa sagt Außenbordeinsätze auf der ISS ab

Es dürfte eher unwahrscheinlich sein, dass für die Internationale Raumstation noch einmal neue Raumanzüge entwickelt werden. Die Raumanzüge, die sich in Arbeit befinden, werden auf künftige Außenbordeinsätze der Nasa-Mission „Artemis“ zugeschnitten – dabei geht es unter anderem um Mondlandungen. Die ISS dagegen wird früher oder später ausgemustert – derzeit ist von einem gezielten Absturz im Jahr 2031 die Rede.

Was die abgesagten Außenbordeinsätze für die Weiterentwicklung der ISS bedeuten, wird sich zeigen. Für das Jahr 2022 waren noch vier Einsätze geplant. Bei zwei Außeneinsätzen im August und zwei weiteren im November sollten die Energiesysteme der Raumstation verbessert werden. Doch nun bleibt erst einmal abzuwarten, warum Wasser in den Helm eingedrungen ist. (tab)

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