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„Webb“-Weltraumteleskop: Atemberaubendes Testbild zeigt mehr als erwartet

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Von: Tanja Banner

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Das James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) von Nasa, Esa und CSA hat dieses Testbild zur Erde geschickt. Darauf ist nicht nur ein Stern zu sehen, sondern auch Hintergrundsterne sowie zahlreiche Galaxien – ein sogenanntes „Deep Field“.
Das James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) von Nasa, Esa und CSA hat dieses Testbild zur Erde geschickt. Darauf ist nicht nur ein Stern zu sehen, sondern auch Hintergrundsterne sowie zahlreiche Galaxien – ein sogenanntes „Deep Field“. © ZUMA Wire/Nasa/Imago Images

Das James-Webb-Weltraumteleskop von Nasa und Esa schickt ein Testbild zur Erde, das auf einen Stern fokussiert – aber tatsächlich viel mehr zeigt. Forschende sind begeistert.

Washington D.C. – Das James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) ist das größte Teleskop, das jemals in eine Rakete gepackt und ins Weltall geschossen wurde. Dabei mussten Ingenieure besonders einfallsreich sein, denn der Spiegel des Teleskops ist eigentlich viel zu groß, um von einer Rakete transportiert zu werden. Um den Spiegel, der einen Durchmesser von 6,5 Metern hat, trotzdem befördern zu können, nutzte man eine Technologie, die auf der Erde bereits seit Jahrzehnten im Einsatz ist: Der Spiegel wird in mehrere Segmente zerteilt, die – perfekt ausgerichtet – einen großen Spiegel ergeben.

Im Weltall wurde diese Technologie bisher noch nie angewandt – und so war es bei JWST eine Premiere. 18 Spiegel-Segmente mussten nach dem Raketenstart ausgeklappt und perfekt aufeinander ausgerichtet werden – und zwar unter erschwerten Bedingungen: in der Schwerelosigkeit, der Hitze und Kälte des Weltalls und ganz ohne menschliche Hilfe. Seit Januar hat sich das JWST im Weltraum auseinandergefaltet und seine Spiegel ausgeklappt. Gelegentlich zeigten Bilder, die das Teleskop zur Erde schickte, den Fortschritt beim Ausrichten der Spiegel-Segmente. Nun ist dieser Prozess abgeschlossen, wie das neueste Testbild zeigt. Das Bild wurde von einem Instrument namens NIRCam gemacht, einer Nahinfrarotkamera, die eins der vier Schlüsselinstrumente des JWST darstellt.

So sieht das JWST aus, nachdem es sich im Weltall aufgeklappt hat. (Symbolbild)
So sieht das JWST aus, nachdem es sich im Weltall aufgeklappt hat. (Symbolbild) © Nasa, Esa

James-Webb-Weltraumteleskop von Nasa, Esa und CSA: Atemberaubende Testaufnahme

Das riesige Weltraumteleskop blickte für die Aufnahme auf einen Stern namens TYC 4212-1079-1, ein Objekt, das etwa 2000 Lichtjahre entfernt und 16 Mal heller als die Sonne ist. Das Ergebnis ist atemberaubend: Neben dem Stern, der klar und deutlich zu sehen ist und zeigt, dass die Spiegel-Segmente korrekt ausgerichtet sind, kann man auf dem Bild auch noch etwas anderes erkennen: Hintergrundsterne und sogar zahlreiche Galaxien. Ein gutes Zeichen, das die Forschenden auf mehr hoffen lässt. „Wir haben das Teleskop vollständig auf einen Stern ausgerichtet und fokussiert und die Leistung übertrifft die Spezifikationen“, erklärt Ritva Keski-Kuha, die stellvertretende Leiterin für optische Teleskopelemente des JWST bei der Nasa.

Ihre Kollegin Jane Rigby, Nasa-Projektwissenschaftlerin für JWST, sieht das ganz ähnlich: „Die bisherige Leistung des Teleskops ist alles, was wir zu hoffen wagten“, betonte sie bei einer Pressekonferenz. „Die Bilder, die wir heute gesehen haben, sind so scharf und knackig wie die Bilder, die Hubble aufnehmen kann, aber mit einer Lichtwellenlänge, die für Hubble völlig unsichtbar ist“, fährt Rigby fort und ergänzt: „Dadurch wird das unsichtbare Universum sehr, sehr scharf abgebildet.“

Nasa/Esa-Teleskop „Webb“ blickt tief ins Universum und wird „Hubble“ übertrumpfen

Das JWST-Testbild, auf dem sich zahlreiche Galaxien verstecken, ist das erste sogenannte „Deep Field“, das das neue Weltraumteleskop aufgenommen hat. Diese Aufnahmen sind eine Spezialität des „Hubble“-Weltraumteleskops, das als der JWST-„Vorgänger“ gilt. „Webb“ soll seinen Vorgänger in diesem Bereich jedoch übertrumpfen können, wie Rigby erklärt: „Es ist unmöglich, dass Webb 2000 Sekunden lang auf einen beliebigen Punkt des Himmels schauen kann, ohne ein unglaubliches ‚Deep Field‘ zu erhalten.“ Die Nasa-Forscherin freut sich: „Das wird von nun an die Zukunft sein. Wohin wir auch schauen, es ist ein tiefes Feld. Ohne auch nur ins Schwitzen zu kommen, sehen wir in der Zeit zurück, sodass wir das Licht so sehen, wie es vor Milliarden von Jahren aussah.“

„James Webb“-Weltraumteleskop soll Geheimnisse des Universums lüften

In Zukunft soll „Webb“, wie das Teleskop von manchen Beteiligten liebevoll und in Anlehnung an „Hubble“ genannt wird, dabei helfen, tief ins Universum hineinzublicken. Es soll Geheimnisse in unserem Sonnensystem lüften und bei der Suche nach fernen Exoplaneten helfen, aber auch weit in die Vergangenheit des Universums blicken. Bis es soweit ist, wird jedoch noch einige Zeit vergehen. Bis Mai sollen die Tests der Instrumente abgeschlossen sein, im Sommer sollen die ersten wissenschaftlichen Daten und Aufnahmen veröffentlicht werden, heißt es bei der Nasa. Neben der US-Raumfahrtagentur sind auch die europäische Raumfahrtorganisation Esa und ihr kanadisches Pendant CSA am James-Webb-Weltraumteleskop beteiligt.

Das „Webb“-Weltraumteleskop ist an Weihnachten 2021 gestartet und befindet sich mittlerweile am sogenannten „Lagrange-Punkt 2“, etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Dort heben sich die Gravitationskräfte von Erde und Sonne auf, das Teleskop kann die Sonne nahezu antriebslos umkreisen, ohne seine Position zur Erde zu verändern. Im Gegensatz dazu umkreist das „Hubble“-Weltraumteleskop die Erde in einer Höhe von etwa 500 Kilometern, die ISS befindet sich nur etwa 400 Kilometer über der Erde. Der Abstand zwischen Erde und Mond beträgt etwa 384.400 Kilometer. (tab)

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