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Die Trojanischen Asteroiden, die vor und hinter Jupiter die Sonne umrunden bekommen bald Gesellschaft: Die Nasa-Mission „Lucy“ macht sich auf den Weg und soll acht Asteroiden be- und untersuchen. (Künstlerische Darstellung)
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Die Trojanischen Asteroiden, die vor und hinter Jupiter die Sonne umrunden bekommen bald Gesellschaft: Die Nasa-Mission „Lucy“ macht sich auf den Weg und soll acht Asteroiden be- und untersuchen. (Künstlerische Darstellung)

Raumfahrt

Asteroiden-Mission: Nasa-Raumsonde „Lucy“ soll Trojaner besuchen

  • Tanja Banner
    VonTanja Banner
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Die Nasa schickt eine Raumsonde zu den Trojanischen Asteroiden. Die Mission „Lucy“ soll dort mehr über die Entstehung des Sonnensystems herausfinden.

Boulder/Frankfurt – Unser Sonnensystem besteht nicht nur aus acht Planeten und der Sonne – zahlreiche weitere Himmelskörper wie Zwergplaneten, Asteroiden oder Kometen halten sich ebenfalls darin auf und umkreisen die Sonne. Eine ganz spezielle Art Himmelskörper soll nun erstmals Besuch von der Erde erhalten: Jupiter-Trojaner. Dabei handelt es sich um zwei Schwärme von Asteroiden, die die Sonne an zwei sogenannten Lagrange-Punkten Jupiters umkreisen – dort heben sich die Schwerkräfte von Jupiter und Sonne gegenseitig auf. Sie gelten als Überbleibsel aus der Zeit, in der unser Sonnensystem entstanden ist – und sind deshalb für die Weltraumforschung ein interessantes Ziel.

Die Trojanischen Asteroiden sind nach Personen aus Homers „Ilias“ benannt und bewegen sich etwa auf der Umlaufbahn Jupiters um die Sonne – ein Schwarm befindet sich vor dem Planeten, der andere dahinter. „Diese primitiven Körper beinhalten wichtige Hinweise, um die Geschichte unseres Sonnensystems zu entziffern“, heißt es bei der Nasa. Aus diesem Grund wird die US-Raumfahrtorganisation eine Raumfahrt-Mission zu den Trojanischen Asteroiden schicken und sie erstmals aus der Nähe erforschen.

Nasa-Mission „Lucy“ besucht acht Asteroiden in zwölf Jahren

Der Name der Mission, die Mitte Oktober vom Kennedy Space Center ins Weltall aufbrechen soll, zeigt, welche Absicht dahintersteckt: Sie wurde nach dem prähistorischen Skelett „Lucy“ genannt. Wie das Skelett neue Details über die Evolution des Menschen preisgegeben habe, solle die „Lucy“-Mission das menschliche Wissen über den Ursprung der Planeten und die Formation des Sonnensystems „revolutionieren“, heißt es bei der Nasa. Das Skelett selbst wurde nach seiner Entdeckung im Jahr 1974 nach dem Beatles-Song „Lucy in the Sky with Diamonds“ benannt – nun sorgt die Nasa dafür, dass „Lucy“ über Umwege endlich den Himmel erreicht.

„Mit Lucy werden wir innerhalb von zwölf Jahren zu acht nie zuvor besuchten Asteroiden fliegen“, erklärt der „Lucy“-Projektwissenschaftler Tom Statler in einer Nasa-Mitteilung. Die Forschenden, die an der Mission beteiligt sind, hoffen, mit den Daten von „Lucy“ ihre Theorien zur Entstehung des Sonnensystems vor 4,5 Milliarden Jahren zu verfeinern und weiterzukommen bei einer Antwort auf die Frage, warum die Planeten in ihrer aktuellen Reihenfolge die Sonne umkreisen. „Die Trojanischen Asteroiden sind Überbleibsel aus den frühen Tagen unseres Sonnensystems, tatsächlich sind sie die Fossilien der Planetenbildung“, beschreibt es Hal Levinson vom Southwest Research Institute in Boulder, Colorado.

Nasa schickt Raumsonde „Lucy“ zu Trojanischen Asteroiden bei Jupiter

Innerhalb von 12 Jahren soll „Lucy“ acht verschiedene Asteroiden – darunter ein Asteroid aus dem Asteroidengürtel und sieben Trojaner aus beiden Schwärmen – besuchen. Die Raumsonde wird dabei ganz unterschiedlichen Asteroiden-Typen nahe kommen und erstmals Nahansichten von Asteroiden der Typen C, P und D ermöglichen. P- und D-Trojaner sind dunkelrot und ähneln den Himmelskörpern, die im Kuipergürtel weit draußen im Sonnensystem gefunden wurden. C-Typen wiederum gibt es hauptsächlich im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Forschende gehen davon aus, dass in allen Trojanischen Asteroiden reichlich Kohlenstoffverbindungen vorhanden sind. Unter einer isolierenden Staubdecke sind sie wahrscheinlich reich an Wasser und anderen flüchtigen Substanzen.

Für die Nasa-Mission „Lucy“ ist ein komplizierter Flugverlauf nötig, unter anderem benötigt die Raumsonde mehrmals Unterstützung von der Schwerkraft der Erde. Bevor „Lucy“ erstmals auf Trojanische Asteroiden trifft, wird sie bereits zwei Mal an der Erde „Schwung holen“. Folgende Asteroiden wird „Lucy“ im Verlauf der Mission besuchen:

AsteroidBesuchszeitraum
(52246) Donaldjohansonvor 2027
(3548) Eurybates und Satellit Queta2027-2028
(15094) Polymele2027-2028
(11351) Leucus2027-2028
(21900) Orus2027-2028
(617) Patroclus-Menoetius (Doppelasteroid)2033
Quelle: Nasa

Nasa-Sonde „Lucy“ soll Asteroiden fotografieren und vermessen

Die Raumsonde „Lucy“ hat drei Instrumente an Bord, mit denen die Asteroiden erforscht werden sollen: Das Instrument „L‘Ralph“ besteht eigentlich aus zwei Instrumenten: Eine Farbkamera und ein Infrarot-Spektrometer, mit dem die Zusammensetzung der Materialien auf der Asteroiden-Oberfläche bestimmt werden sollen. Das Instrument „L‘LORRI“ ist eine räumliche schwarz-weiß Kamera und „L‘TES“ ist eine Art Thermometer, mit dem die Temperatur und die thermischen Eigenschaften eines Asteroiden berührungslos gemessen werden können.

Außerdem ist die Nasa-Raumsonde „Lucy“ mit einer Hochleistungsantenne ausgestattet, die es ihr ermöglicht, mit der Erde zu kommunizieren. Diese Antenne soll außerdem für ein Experiment genutzt werden: die Bestimmung der Asteroiden-Massen durch den Dopplereffekt.

Die Raumsonde „Lucy“ der US-Raumfahrtorganisation Nasa soll die Trojanischen Asteroiden, die vor und hinter Jupiter die Sonne umkreisen, untersuchen. (Künstlerische Darstellung)

„Lucy“: Asteroiden-Mission der Nasa soll Geschichte schreiben

Bevor es Mitte Oktober für die Nasa-Mission „Lucy“ ernst wird, werden die Forschenden, die an der Raumsonde arbeiten, bereits etwas wehmütig: „Eine Raumsonde zu starten ist fast, wie Kinder aufs College zu schicken – man hat für sie getan, was man kann, um sie für den nächsten großen Schritt vorzubereiten“, erklärt Levinson. Am 16. Oktober 2021 ist es dann so weit: Die Raumsonde „Lucy“ wird von einer „Atlas V“-Rakete der United Launch Alliance (ULA) ins Weltall transportiert. Geplant ist der Start für 11.34 Uhr (MESZ), doch das kann sich aus technischen Gründen oder durch schlechtes Wetter noch ändern.

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Fest steht jedoch bereits eines: „Lucy“ wird nach ihrem Start Geschichte schreiben. Es gab bisher noch keine Mission, die so viele verschiedene Ziele in unabhängigen Umlaufbahnen um die Sonne aufgesucht hat. Gleichzeitig wird sie sich so weit von der Erde entfernen wie noch keine solarbetriebene Raumsonde vor ihr. „Lucy“ ist jedoch nicht die einzige Mission zu Asteroiden, die die Nasa noch 2021 ins Weltall schicken will. Im November ist der Start der „Double Asteroid Redirection Test“-Mission, kurz „Dart“ geplant. Diese Mission soll testen, inwieweit ein kinetischer Impaktor einen Asteroiden aus seiner Bahn „schubsen“ kann – und ob diese Technologie als planetarische Verteidigung für die Erde infrage kommt. (Tanja Banner)

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