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Die Internationale Raumstation im Oktober 2018.

Internationale Raumstation

Nach Loch in Sojus-Kapsel: Astronauten sollen an Bord der ISS bohren

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Nächstes Kapitel in einem mysteriösen Fall: Um aufzuklären, ob das Loch in der Sojus-Kapsel auf der Erde oder im All entstanden ist, sollen Astronauten in der Schwerelosigkeit bohren.

Es ist ein mysteriöser Fall, für den jetzt ein weiteres Kapitel geschrieben wird. Im Sommer 2018 fanden Astronauten ein Loch in einer Sojus-Raumkapsel, die zu diesem Zeitpunkt an der Internationalen Raumstation ISS angedockt war. Durch das Loch verlor die ISS an Druck, es wurde erst provisorisch abgedichtet und später bei einem eigens dafür angesetzten Weltraumspaziergang von außen untersucht. Bei dem komplizierten Einsatz nahmen Kosmonauten die Außenhülle der Raumkapsel in Augenschein und nahmen Proben, die auf der Erde untersucht werden sollten.

Damals kursierten diverse Gerüchte: Mal hieß es, ein Astronaut habe das Loch im All gebohrt, um schneller zur Erde zurückkehren zu können. Ein anderes Mal hieß es, das Loch sei bereits auf der Erde versehentlich gebohrt und dann abgedichtet worden. Im All habe sich die Dichtung dann gelöst, so die damalige Vermutung.

Nun meldet sich Dimitri Rogosin, Leiter der russischen Raumfahrtorganisation Roskosmos, zu Wort. Experten hätten Spuren von Metallstaub gefunden, der vom Bohren eines Lochs in die Sojus-Kapsel übrig geblieben sei, zitiert ihn die russische Tageszeitung „Kommersant“. Um herauszufinden, ob das Loch auf der Erde oder im All entstanden sei, solle nun ein Test an Bord der ISS durchgeführt werden.

Bohr-Experiment an Bord der Internationalen Raumstation

Astronauten sollen dabei in der Schwerelosigkeit der ISS in eine Metallstange bohren. Dabei soll beobachtet werden, wie sich die Bohrspäne in der Schwerelosigkeit verbreiten. Auf der Erde habe man diesen Test bereits durchgeführt, so Rogosin. Noch habe man keine Strafanzeige gestellt, erklärt der Roskosmos-Leiter dem Bericht zufolge. „Zu Beginn muss Roskosmos die Gründe für das Geschehene verstehen“, heißt es weiter. Ein Strafverfahren würde eingeleitet, wenn man verstehe, was passiert sei.

In Russland ermittelt eine Sonderkommission rund um das Loch. Nachdem die ISS-Besatzung um Alexander Gerst im Dezember Materialproben mit zur Erde brachte, die in Russland untersucht werden sollten, wurde Anfang März bekannt, dass Roskosmos im russischen Teil der ISS künftig Kameras installieren will. Der Fall des mysteriösen Lochs wird währenddessen weiter untersucht.

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Es ist keine gute Zeit für die russische Raumfahrt: Im vergangenen Sommer wurde der Start einer bemannten Sojus-Raumkapsel nach einem Problem abgebrochen. Die nächsten Starts gelangen dann jedoch wieder. Im Frühjahr 2019 ist es der privaten US-Raumfahrtorganisation SpaceX erstmals gelungen, einen - noch unbemannten - Crew-Transporter an der ISS anzudocken. In Zukunft will die US-Raumfahrtorganisation Nasa ihre Astronauten mit privaten Raumfrachtern wie dem von SpaceX zur ISS transportieren - keine guten Nachrichten für die russische Raumfahrt, die derzeit noch als einzige Astronauten zur Raumstation befördern kann. Die Nasa zahlt nach Angaben aus Branchenkreisen derzeit etwa 75 bis 81 Millionen US-Dollar für einen Sitz in einer Sojus.

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