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Passanten in Hongkong mit Maske.

Corona-Ansteckung

Mehrfachinfektionen mit dem Coronavirus: Die Mutation des Erregers ist nicht per se eine schlechte Nachricht

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
    schließen

Drei Menschen in Hongkong und Europa, die eine Erkrankung mit Covid-19 überstanden haben, stecken sich erneut mit dem Coronavirus an. Daraus könnten sich wichtige Erkenntnisse für die Forschung ergeben.

  • Re-Infektionen mit dem Coronavirus scheint es zu geben
  • Es sieht nach Mutationen des Virus aus
  • Die Erkenntnisse haben Einfluss auf die Entwicklung eines Impfstoffs

Mehrfachinfektionen mit einem Sars-Coronavirus-2 scheinen möglich zu sein: Forscher aus Hongkong, Belgien und den Niederlanden berichten von drei nachgewiesenen Fällen, wonach sich Menschen ein zweites Mal mit dem Coronavirus angesteckt haben. Das könnte darauf hindeuten, dass eine Immunität nach einer durchgemachten Infektion nur von kurzer Dauer ist. Wäre dem so, würde es die Hoffnung auf eine Herdenimmunität ebenso dämpfen wie die auf einen Impfstoff, der jahrelang vor einer Ansteckung schützt.

Erneute Infektion nach Covid-19-Erkrankung

Am Montag hatten Wissenschaftler der Universität Hongkong laut einem Bericht der „New York Times“ gemeldet, dass ein 33-Jähriger sich vier Monate nach einer ersten Covid-19-Erkrankung erneut mit dem Virus angesteckt habe. Die erste Infektion war am 26. März diagnostiziert worden, die zweite am 15. August nach einem Aufenthalt in Spanien. Dazwischen war der Mann zweimal negativ auf das Coronavirus getestet worden.

Bei seiner ersten Covid-19-Erkrankung habe er nur leichte Symptome entwickelt, die zweite Infektion sei „komplett asymptomatisch“ verlaufen, zitiert die „New York Times“ die Immunologin Akiko Iwasaki von der Yale University. Seine Immunantwort habe ihn vor einer Erkrankung bewahrt, gleichwohl könne man auch dann andere Menschen anstecken, wenn man selbst überhaupt keine Beschwerden verspüre, mahnt die Wissenschaftlerin.

Coronavirus: Nach der ersten Infektion keine Antikörper vorhanden

Der Fall hält noch weitere interessante Aspekte parat: Beim zweiten Mal hatte sich der junge Mann nicht mit der gleichen Virusvariante angesteckt wie beim ersten Mal; beide Infektionen seien eindeutig von verschiedenen Versionen verursacht worden, heißt es im Artikel der „New York Times“. Das heißt: Es handelte sich nicht um ein Wiederaufflammen der alten Infektion. Zudem hatte der 33-Jährige zwar nach der zweiten Infektion Antikörper gebildet, nicht jedoch nach der ersten.

Dazu passen aktuelle Ergebnisse aus Deutschland. Bei einer am Dienstag präsentierten Studie des Robert-Koch-Instituts zur Situation im bayerischen Hotspot Bad Feilnbach zeigte sich, dass bei 40 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die angaben, eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht zu haben, keine Antikörper mehr gefunden wurden. Insgesamt ergab die Studie, dass sechs Prozent der Bevölkerung eine Infektion mit Sars-CoV-2 durchgemacht haben.

Nun weisen fehlende Antikörper nicht zwangsläufig auf eine fehlende Immunität hin. Denn nicht nur Antikörper bieten Schutz vor einer Ansteckung: Eine wesentliche Rolle spielen auch besondere Gedächtniszellen des Immunsystems.

Es gab bereits Berichte von Reinfektionen

Nicht nur in Hongkong, auch in den Niederlanden und Belgien wurden zwei Fälle von erneuten Infektionen festgestellt. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, hätten sich die Virengenome bei der zweiten Ansteckung dort ebenfalls deutlich von denen der Erstinfektion unterschieden. Schon früher gab es unter anderem aus China und Japan Berichte von sogenannten Reinfektionen, ihre Aussagekraft war jedoch umstritten.

Sollten solche Fälle nicht nur vereinzelt auftreten, sondern sich häufen und sollte es zur Gewissheit werden, dass man sich mehrfach mit einem Sars-Coronavirus-2 anstecken kann, so hätte das Konsequenzen für die Einschätzung des Erregers und der gesamten Pandemie – und auch für die Entwicklung von Impfstoffen. Bislang hatten viele Wissenschaftler gehofft, dass eine überstandene Corona-Infektion – und damit potenziell auch eine Impfung – einen längeren Schutz gewähre, der zumindest ein Jahr lang andauere.

Coronavirus ähnlich wie das Influenzavirus?

Verhielte es sich anders, wäre das nicht ungewöhnlich: Auch mit den harmloseren Coronaviren, die Erkältungen hervorrufen, kann man sich mehrfach anstecken. Bei Infektionen mit Sars-1 und Mers, die ebenfalls zu den Coronaviren zählen, hingegen scheint ein längerer Schutz zu bestehen.

Die Mutationsfreudigkeit von Sars-CoV-2 ist per se keine schlechte Nachricht. Denn häufig werden Viren im Laufe der Zeit durch die Anpassung an ihren Wirt weniger aggressiv; eine Garantie gibt es allerdings nicht. Die unangenehmste Eigenschaft von sich permanent verändernden Erregern freilich besteht darin, dass es schwierig ist, sie mit einer Impfung zu „erwischen“. Man kennt das vom Influenzavirus: Weil der Grippeerreger ständig mutiert, muss die Impfung jedes Jahr angepasst werden. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut.

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