1. Startseite
  2. Wissen

Genschere: Forschende warnen vor unvorhergesehenen Mutationen

Erstellt:

Von: Pamela Dörhöfer

Kommentare

Ein Schritt des Crispr/Cas9-Verfahrens ist in einem Labor eines Zentrums für Molekulare Medizin in vielfacher Vergrößerung auf einem Monitor zu sehen.
Ein Schritt des Crispr/Cas9-Verfahrens ist in einem Labor eines Zentrums für Molekulare Medizin in vielfacher Vergrößerung auf einem Monitor zu sehen. © Gregor Fischer/dpa

Die sogenannte Genschere birgt enormes Potenzial. Forschende aus Schweden mahnen jetzt aber zur Vorsicht: Es besteht ein „Risiko unerwünschter Wirkungen“.

Uppsala – Crispr-Cas9, griffiger auch als Genschere bezeichnet, hat den Werkzeugkasten in den Laboren dramatisch erweitert: Mit dieser Methode, DNA zu schneiden und das Erbgut damit gezielt zu verändern, eröffnen sich neue Möglichkeiten der Forschung und der Therapie genetisch bedingter Erkrankungen. 2020 wurden die beiden „Entdeckerinnen“ Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet.

Forschende der Universität Uppsala und des Sci Life Lab’s National Genomics Instrufastructure in Schweden haben nun allerdings herausgefunden, dass der Einsatz der Genschere neben den gewünschten auch zu unbeabsichtigten Veränderungen in der DNA führen kann – die dann an die Nachkommen weitergegeben werden können. Sie mahnen daher zur Vorsicht und sorgfältigen Prüfung vor der Verwendung von Crispr-Cas9 für medizinische Zwecke. Ihre Studie wurde im Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht.

Genscheren-Studie aus Schweden warnt vor unvorhergesehenen Mutationen

Bei Menschen findet das Verfahren bislang keine breite Anwendung. Im Juni 2019 wurde in den USA die Erlaubnis für die weltweit erste klinische Studie mit 18 Menschen erteilt, die unter einer Augen-Erbkrankheit leiden. Das Wissen darüber, was die Genschere im Organismus auslösen kann, ist bislang begrenzt. Die Forschenden aus Schweden wollten mit ihrer Studie zur Aufklärung beitragen.

Sie untersuchten die Auswirkungen eines Eingriffs von Crispr-Cas9 auf Zebrafische. Dabei stellten sie unvorhergesehene Mutationen sowohl bei den behandelten Tieren der ersten Generation, aber auch bei ihren Nachkommen fest. So seien in einigen Fällen DNA-Fragmente gefunden worden, die größer als erwartet waren, während in anderen Fällen Mutationen an der falschen Stelle im Genom auftraten.

Mutationen durch die Genschere: Studienautor erklärt Risiko

Zur Weitergabe an die nächste Generation könne es allerdings nur kommen, wenn man das Genom von Embryonen oder Keimzellen verändere, wird Ida Höijer von der Universität Uppsala in einer Mitteilung ihrer Hochschule zitiert.

Studienautor Adam Ameur erklärt: „Crispr-Cas9 kann ein erstaunlich wertvolles Werkzeug im Gesundheitswesen sein. Aber wir müssen das Risiko unerwünschter Wirkungen minimieren.“ Das könne man tun, indem die genetisch veränderten Zellen sorgfältig mit Hilfe der neuesten Techniken zur DNA-Sequenzierung überprüft würden. (Pamela Dörhöfer)

Auch interessant

Kommentare