+
Probe in der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst: Clara Simarro an der Harfe, Geigerin Sophia Stiehler, Maria Kobzeva und Amelia Uzategui Bonilla (rechts).

Konzert

Musik für die Erde

  • schließen

Mit einem Wandelkonzert machen 90 Kunstschaffende in Frankfurt auf den bedenklichen Zustand unseres Planeten aufmerksam.

Ein Konzert zum Welterschöpfungstag? Die Idee entstand an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt im Oktober während einer Lehrveranstaltung zu Umweltfragen. Allerdings haben einige das Konzept anfangs missverstanden. „Sie dachten, es geht um die um sich greifende, allgemeine Erschöpfung, die viele spüren“, sagt eine der drei Organisatorinnen des Konzertabends, die 23-jährige Bratschistin Aurelia Toriser.

Doch in diesem Fall geht es um unseren überlasteten Planeten, dessen Ressourcen endlich sind, aber von der Menschheit viel zu stark beansprucht werden. Bisher rückt der Tag, an dem die Ressourcen der Erde für das laufende Jahr erschöpft sind, tendenziell weiter nach vorne. In die Berechnungen fließt der ökologische Fußabdruck samt des C02-Ausstoßes ein. Deutschland lebt in diesem Jahr seit dem 3. Mai auf Pump.

„Wir Menschen haben nur eine Erde! Sie braucht uns nicht, aber wir brauchen sie“, so lautet der Appell der Organisatorinnen, die einen „irren Aufwand“ betrieben haben, um das Programm zu gestalten – möglichst nachhaltig und ressourcenschonend übrigens. „Für die Werbung haben wir bereits benutzte Plakate verwendet“, sagt Aurelia Toriser.

Rund 90 Studierende und Professoren haben mitten im Semester nun alle Hebel in Bewegung gesetzt, um öffentlich auf den Zustand der Erde, auf der wir leben, aufmerksam zu machen. „Wir wollen unsere Dankbarkeit ausdrücken. Belehren wollen wir allerdings niemanden, sondern vielmehr zum eigen Denken anregen mit diesem vielfältigen Abend“, betont Studentin Toriser.

Fast jeder zehnte Angehörige der Hochschule wirkt auf freiwilliger Basis an dem Wandelkonzert mit, viele haben ihre Ideen eingebracht. „Auch der Präsident, das Hochschulbüro und viele andere haben uns unterstützt“, berichtet Toriser. Alle Fachbereiche beteiligen sich, angefangen von den Lehrämtern, über die künstlerische Instrumentalausbildung und die historische Interpretationspraxis bis hin zu Komposition und darstellender Kunst.

Auf vier verschiedenen Bühnen nähern sich die Kunstschaffenden experimentell den vier Elementen Feuer, Erde, Wasser und Luft. Zu hören sind unter anderem Werke von Vivaldi, Liszt, Brahms, Ravel, Saint-Saëns, Dvorak, Strawinsky, aber auch Stücke von John Cage, Michael Jackson sowie Jazzimprovisationen werden erklingen. Das jeweils rund 20-minütige Programm wird viermal wiederholt, damit Zuschauer die Möglichkeit haben, verschiedenen Veranstaltungen beizuwohnen.

Texte und Monologe werden vorgetragen, Schauspiel und Tanz werden aufgeführt. Luft verschafft sich dabei unter anderem ein Gesangsquartett mit einer Uraufführung. Gegen 22.30 Uhr endet der Abend mit einem Abschlusskonzert.

Greenpeace und der Verein „Umweltlernen in Frankfurt“ sind an Infoständen präsent. Besucher können Kosmetik selbst herstellen und den Klang des Mülls im Vorübergehen erfahren. Ausprobieren können Interessierte zudem Geigen und eine Gitarre aus „Schweizer Ebenholz“. Statt dem geschützten Ebenholz aus den Tropen wird dafür Schweizer Bergahorn verwendet, der mit neu entwickelten Verfahren eigens für diesen Zweck behandelt wird.

Den Abend eröffnen werden im Foyer die Geigerin Sophia Stiehler und die Harfenistin Clara Simarro mit dem anspruchsvollen Stück „Fratres“ des estnischen Komponisten Arvo Pärt aus dem Jahr 1977, das von Wechseln zwischen Ruhe und Aktivität gekennzeichnet ist. Zusammen mit den Tänzerinnen haben sie eine eindrucksvolle, in Teilen improvisierte Choreographie erarbeitet, die unter die Haut geht.

Mitunter haben sie sich bereits um 8 Uhr morgens zum Proben getroffen, da im Foyer oft viel Betrieb ist und die Studentinnen noch andere Verpflichtungen haben. Um die komplizierte Struktur der Komposition den Tänzerinnen zu vermitteln, haben die Musikerinnen Bilder für ihre Interpretation entwickelt. „Es beginnt mit einem Urknall, das Leben entsteht erst im Miteinander, dann aber auch im Gegeneinander“, sagt die 21-jährige Sophia Stiehler, die ebenso wie Aylin Günel zum Organisationsteam zählt.

Grundidee sei eine Gemeinschaft aller auf der Erde: „Wir alle sind Brüder und Schwestern und sollten mehr auf unseren Planeten achten.“ Durch das interdisziplinäre Projekt, betont Harfenistin Clara Simarro, habe sie ihre eigene Musik letztlich selbst besser verstanden.

McEarth – ein Selbstbedienungsladen? Wandelkonzert mit Musik, Theater und Tanz zum Welterschöpfungstag, 16. Mai, Beginn 19 Uhr, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt, Eschersheimer Landstraße 29, Eintritt ifrei. Infos: www.hfmdk-frankfurt.info

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare