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Multiple Sklerose

Multiple Sklerose: Weit verbreitetes Virus als mögliche Ursache ermittelt

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Ein US-Forschungsteam deckt einen Zusammenhang zwischen dem weit verbreiteten Epstein-Barr-Virus und multipler Sklerose auf. Moderna arbeitet an einem Impfstoff.

Frankfurt – Das Epstein-Barr-Virus, Verursacher des Pfeifferschen Drüsenfiebers, steht seit längerer Zeit im Verdacht, bei einer Reihe von Krankheiten eine Rolle als Mitauslöser zu spielen. Dazu gehören verschiedene Krebsarten wie Morbus Hodgkin und andere Lymphome sowie einige Autoimmunerkrankungen. Auch für multiple Sklerose (MS) wird ein Zusammenhang seit einigen Jahren diskutiert. Eine im Fachmagazin „Science“ veröffentlichte Studie von Forschenden der Harvard Chan School of Public Health (USA) liefert nun starke Indizien für einen solchen Zusammenhang.

MS ist eine chronisch verlaufende, nicht ansteckende entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie kann dazu führen, dass die Muskeln nicht mehr koordiniert werden können, es zu Lähmungen oder Sehstörungen kommt. Einige Fachleute halten es für wahrscheinlich, dass es sich bei MS um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der sich das Immunsystem gegen eigenes Gewebe, in diesem Fall die Nervenfasern, richtet.

Epstein-Barr-Virus könnte mögliche Ursache für multiple Sklerose (MS) sein

Das US-amerikanische Forschungsteam hat für die aktuelle Studie die Blutproben von mehr als zehn Millionen Militärangestellten analysiert, die in ihrer Berufslaufbahn jedes Jahr routinemäßig auf eine HIV-Infektion getestet werden. Die Forschenden stellten fest, dass 801 davon an multipler Sklerose leiden. Die Blutproben dieser Männer und Frauen wurden anschließend auf Antikörper gegen das Epstein-Barr-Virus untersucht.

Das Epstein-Barr-Virus wird mit einer ganzen Reihe von Erkrankungen in Verbindung gebracht. Getty

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten fest, dass lediglich bei 35 Personen mit multipler Sklerose keine Antikörper gegen das Epstein-Barr-Virus gefunden wurden. Das heißt: Sie waren zum Zeitpunkt, als die erste Blutprobe genommen wurde, noch nicht mit Epstein-Barr infiziert. Allerdings: Vor dem Ausbruch der multiplen Sklerose hatten sich 34 dieser 35 Menschen dann doch mit dem Epstein-Barr-Virus infiziert und bildeten auch Antikörper dagegen. Noch vor dem Einsetzen der ersten MS-Symptome waren in ihrem Blut zudem Biomarker für multiple Sklerose nachzuweisen. Somit war also nur bei einem von 801 MS-Kranken kein Epstein-Barr-Virus im Körper zu finden.

Über welchen Mechanismus das Virus zum Entstehen einer multiplen Sklerose beitragen könnte, ist auch nach dieser Studie weiterhin ungeklärt. Zudem spielen bei MS-Patientinnen und Patienten noch andere Faktoren eine Rolle; dazu zählt insbesondere eine genetische Disposition.

Epstein-Barr-Virus als mögliche Ursache für multiple Sklerose: Moderna arbeitet an Impfstoff

Gleichwohl könnte ein gesicherter Zusammenhang zwischen Epstein-Barr und multipler Sklerose einen Ansatz für eine MS-Prophylaxe darstellen – indem man eine Infektion mit dem Virus durch eine Impfung verhindert oder sehr früh mit antiviralen Medikamenten ausbremst. Bislang steht jedoch kein Vakzin zur Verfügung, obwohl bereits seit vielen Jahren daran geforscht wird. Nun hat das US-Pharmaunternehmen Moderna mitgeteilt, einen mRNA-Impfstoff gegen das Epstein-Barr-Virus zu entwickeln. Demnach hat Moderna mit seinem Kandidaten mRNA 1189 eine Phase-1-Studie gestartet. Er soll idealerweise vor der Erstinfektion schützen oder zumindest den Ausbruch des Pfeifferschen Drüsenfiebers verhindern. Moderna weist in seiner Mitteilung auch auf die Bedeutung eines Vakzins zur Verhinderung anderer Krankheiten hin, die durch eine Reaktivierung des Epstein-Barr-Virus entstehen können.

Der Erreger

Das Epstein-Barr-Virus gehört zur Familie der Herpesviren. Sein Erbgut besteht aus doppelsträngiger DNA.

Übertragen wird es vor allem über Tröpfcheninfektion, hauptsächlich über Speichel. Auch eine Ansteckung beim Geschlechtsverkehr ist möglich.

Mehr als 90 Prozent der Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit dem Virus, das Gros im Kindesalter – wobei dann häufig nur sehr leichte oder keine Symptome auftreten. Bei Jugendlichen und Erwachsenen führt eine akute Infektion in 30 bis 60 Prozent zum Pfeifferschen Drüsenfieber. Symptome können extreme Müdigkeit, Fieber, Halsschmerzen und geschwollene Lymphknoten sein.

Unabhängig davon, ob man etwas von der Infektion gemerkt hat oder nicht, bleibt das Epstein-Barr-Virus lebenslang im Körper und kann reaktiviert werden. (pam) Auch Long Covid wird mit dem Epstein-Barr-Virus in Verbindung gebracht.

Epstein-Barr-Virus: Multiple Sklerose (MS) als „seltene Spätkomplikation“?

Bei Forschenden stößt die Studie aus den USA auf überwiegend positive Resonanz. Wolfgang Hammerschmidt vom Deutschen Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt und Mitglied des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung, lobt die „ideale Kohorte“, „sehr gute Datenlage“ und „beste Methodik“. Die Studie mache es „sehr, sehr wahrscheinlich“, dass eine Infektion mit Epstein-Barr „Voraussetzung für multiple Sklerose ist“. Ob das Virus allerdings auch „Treiber“ der Erkrankung sei, könne die Studie nicht beantworten.

Dem Neuroimmunologen und MS-Spezialisten Roland Martin vom Universitätsspital Zürich geht die Schlussfolgerung, dass eine Epstein-Barr-Infektion die Hauptursache für MS ist, „etwas zu weit“ – vor allem mit Blick auf einen „komplexen genetischen Hintergrund“. Zudem führt er als weitere Risikofaktoren für MS einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel, Fettleibigkeit in jungen Jahren, einen gestörten Tag-Nacht-Rhythmus und bestimmte Darmbakterien auf, wie er gegenüber dem Science Media Center sagte.

Für Klemens Ruprecht, Leiter der Multiple-Sklerose-Ambulanz an der Berliner Charité, liefert die Studie „weitere überzeugende Argumente“ dafür, „dass eine MS praktisch nie ohne eine vorherige Epstein-Barr-Virus-Infektion entsteht.“ Man könne eine multiple Sklerose als eine „seltene Spätkomplikation“ einer solchen Infektion ansehen. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Getty Images/Science Photo Libra

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