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Müll kann gefährlich werden

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Von: Pamela Dörhöfer

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Unappetitlich: verrotteter Hausmüll, auf dem sich weißer Schimmel gebildet hat.
Unappetitlich: verrotteter Hausmüll, auf dem sich weißer Schimmel gebildet hat. © dpa

Selbst wenn er manchmal unangenehm riecht: Der Hausmüll ist für den Menschen meistens unbedenklich. Anders ist das bei ölgetränkte Lappen oder Spraydosen: Die haben im heimischen Abfall nichts zu suchen.

Die angefaulte Banane, die bei sommerlichen Temperaturen zu lange im Abfalleimer liegt und Schimmel bildet. Feuchte Kaffeefilter, die sich unschön verändern. Fischreste, die schon nach kurzer Zeit unangenehm riechen: Vergammelter Hausmüll verpestet die Luft in der Wohnung, ist unappetitlich und eklig, aber für die meisten Verbraucher ungefährlich. Anders sieht es bei den Mitarbeitern von Entsorgungsunternehmen aus – sie sind viel höheren Belastungen ausgesetzt.

Biologe Stefan Mayer, Leiter des Referats „Biologische Einwirkungen“ bei der Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution, beschreibt in seinem neuen Handbuch „Entsorgungswirtschaft“, welche Gefahren für die Gesundheit die verschiedenen Abfälle beherbergen können.

Nicht in die Mülltonne

Wenn aus dem Mülleimer daheim unangenehme Gerüche in die Nase steigen, so ist das meist kein Anlass zur Besorgnis, sagt der Fachmann. Insbesondere organische Stoffe fangen schnell an zu riechen. Die Ursache dafür sind Zersetzungsprozesse, an denen Schimmelpilze und Bakterien beteiligt sind, die in der meist feuchten, warmen Umgebung einen idealen Nährboden finden.

„Die Konzentration der Geruchsstoffe ist aber in der Regel gering“, erklärt Stefan Mayer; die menschliche Nase nehme sie bereits in kleinen Mengen wahr. Wer gesund sei, müsse nicht befürchten, allergisch zu reagieren oder sich mit etwas zu infizieren, auch toxische Reaktionen durch die Schimmelpilze im Müll seien „in der Regel nicht anzunehmen“.

Menschen, deren Immunsystem stark geschwächt ist, etwa HIV-Infizierte oder Organtransplantierte, müssen allerdings vorsichtiger sein: Bei ihnen können Infektionen, toxische und allergische Reaktionen „nicht völlig ausgeschlossen“ werden, sagt der Biologe .

Gefährlicher als stinkender Abfall sind ölgetränkte Putzlappen; wenn auch auf eine ganz andere Art. Viele Verbraucher werfen sie achtlos weg, doch das Öl kann mit dem Sauerstoff in der Luft reagieren: „Dadurch kann es zur Selbstzündung und zu schweren Bränden kommen“, erklärt Stefan Mayer, „insbesondere, wenn die entstehende Reaktionswärme nicht abgeleitet werden kann, weil der Lappen zusammengeknüllt ist oder in einem geschlossenen Abfallbehälter liegt“.

Solche Lappen dürften deshalb nicht in der Mülltonne entsorgt werden. Am besten solle man sie im Freien und ausgebreitet trocknen lassen, rät der Experte.

Schutz am Arbeitsplatz

Die Mitarbeiter von Unternehmen der Entsorgungswirtschaft sind ungleich höherer Belastung ausgesetzt, etwa, wenn sie Abfälle manuell sortieren. Unternehmen sollten deshalb die Arbeitsabläufe so gestalten, dass keine biologischen Stoffe freigesetzt werden, sagt Mayer: „Aber nicht immer lassen sich Belastungen völlig vermeiden. Dann muss zum Beispiel für eine bauliche Trennung gesorgt oder die Lüftungstechnik regelmäßig gewartet werden.“ Das gelte insbesondere für Arbeitsplätze, an denen sich jemand ständig aufhält, etwa Sortierkabinen, aber auch Fahrerkabinen von Radlagern, Baggern oder Gabelstaplern.

Aber auch zu Hause kann jeder selbst seinen Teil dazu beitragen, die Beschäftigten in Abfallsortieranlagen zu schützen, sagt Stefan Mayer. So können Spraydosen Schlimmes bewirken, wenn sie noch Restmengen an brennbaren Treibmitteln enthalten: „Gelangen solche Spraydosen in Schredder oder andere Anlagen, in denen auch Funken auftreten können, kann es zu Explosionen oder Bränden kommen“, veranschaulicht der Biologe.

Auch Mittel zur Bekämpfung von Wühlmäusen gehören nicht in den Abfall, weil sie Feuer verursachen können, wenn der Wirkstoff mit Feuchtigkeit in Kontakt kommt. Mayer appelliert deshalb an die Verbraucher, solche Produkte an Wertstoffhöfen oder Sammelfahrzeugen abzugeben.

Ein zunehmendes Problem seien auch die Nadeln von Diabetes-Pens: „Durch die steigende Zahl an Diabetikern gelangen immer mehr gebrauchte Nadeln in den Abfall und können insbesondere bei der manuellen Sortierung zu Verletzungen führen“, erklärt der Experte. Die Nadeln sollten daher in separaten Behältern gesammelt und entsorgt werden.

Das Handbuch „Entsorgungswirtschaft“ kann im Medienshop der BGHW kostenlos heruntergeladen werden.

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