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Der US-Astronaut James Irwin grüßt 1971 neben der Mondlandefähre von „Apollo 15“ von der Mondoberfläche.

Neuer Space Race

USA wollen in den nächsten fünf Jahren zurück zum Mond

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Eigentlich sollten 2028 wieder US-Astronauten auf dem Mond landen. Doch nun hat man es plötzlich noch eiliger.

47 Jahre sind vergangen, seit zuletzt Menschen den Mond betreten haben. Zu lange, wenn es nach der aktuellen US-Regierung geht. In seiner „Space Policy Directive 1“ legte US-Präsident Donald Trump im Dezember 2017 fest, dass die Nasa wieder Astronauten zum Mond bringen und diesen gleichzeitig als „Sprungbrett“ auf dem Weg zum Mars nutzen soll.

Schnell stand der Plan: 2028 sollten wieder Nasa-Astronauten ihre Fußabdrücke im grauen Staub des Mondes hinterlassen, ab 2024 sollten die Systeme dafür getestet werden. Doch nun werfen Donald Trump und sein Vizepräsident Mike Pence, der gleichzeitig das National Space Council (NSC) leitet, die Pläne über Bord und fordern: Bereits in fünf Jahren sollen wieder US-Astronauten den Mond betreten.

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„Wir sind heute wieder in einem Space Race, wie wir es in den 1960ern waren - und der Einsatz ist dieses Mal noch höher“, erklärte Pence bei einem Treffen des NSC im Marshall Space Flight Center in Alabama. Dort verwies er unter anderem auf die chinesische Mondmission „Chang‘e 4“, bei der Anfang des Jahres ein Rover auf der erdabgewandten Seite des Mondes landete.

„Es ist nicht nur ein Wettlauf gegen unsere Gegner“, erklärte Pence in seiner Rede. „Wir kämpfen auch gegen unseren schlimmsten Feind: Selbstgefälligkeit.“ An der US-Raumfahrtorganisation Nasa übte Pence scharfe Kritik und warf ihr „bürokratische Schwerfälligkeit“ vor. „Paralyse durch Analyse“ habe zu Verzögerungen beim Bau der Rakete „Space Launch System“ (SLS) geführt. Deren Entwicklung solle nun beschleunigt werden. Pence drohte, für die Mondmission notfalls auf private Raumfahrtunternehmen zurückzugreifen: „Wenn kommerzielle Raketen der einzige Weg sind, amerikanische Astronauten in den kommenden fünf Jahren zum Mond zu bringen, dann werden es kommerzielle Raketen sein.“

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Die privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX und „Blue Origin“ haben bereits eigene Pläne für Mondmissionen vorgestellt. SpaceX, hinter dem der Milliardär Elon Musk steckt, will nach aktuellem Stand im Jahr 2023 Passagiere um den Mond herumfliegen. „Blue Origin“ von Amazon-Gründer Jeff Bezos will 2024 in der Lage sein, Güter zum Mond zu transportieren. Dort soll der Südpol das erste Ziel sein.

Auch die erste bemannte Mission seit 1972 soll am Südpol des Mondes landen. Die Gegend ist für Mondmissionen besonders interessant, weil dort in tiefen, schattigen Kratern Wassereis lagert. Außerdem gibt es an den Rändern der Krater beinahe dauerhaft Sonnenlicht. Wasser und Sonnenenergie sind zwei Elemente, die für eine dauerhafte Ansiedlung auf dem Mond von großem Interesse sind - das langfristige Ziel der Trump-Regierung.

Nasa-Chef Jim Bridenstine reagiert in einem Statement positiv: „Es ist die richtige Zeit für diese Herausforderung und ich habe dem Vize-Präsidenten versichert, dass die Nasa dieser gewachsen ist.“ SpaceX-Chef Elon Musk schrieb auf Twitter in einer Reaktion auf die Ankündigung, es wäre „sehr inspirierend“, zu sehen, wie die „Menschheit auf den Mond zurückkehrt“.

Doch mindestens zwei große Fragezeichen stehen zwischen der Nasa und der nächsten bemannten Mondlandung: Genehmigt der Kongress genügend Geld, um das ambitionierte Ziel innerhalb von fünf Jahren zu erreichen? Und falls die Finanzen genehmigt werden sollten: Kann es tatsächlich gelingen, in so kurzer Zeit eine sichere Mission zum Mond auf die Beine zu stellen? „Manche werden sagen, es ist zu schwierig, es ist zu riskant, es ist zu teuer“, sagte Pence zu diesem Thema. Doch das habe man auch 1962 gesagt, als US-Präsident John F. Kennedy erklärte, dass man bis Ende des Jahrzehnts zum Mond fliegen wolle. „Geschichte wird von denen geschrieben, die es wagen, große Träume zu haben und das Unmögliche zu tun.“

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