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Der „Blutmond“ steht am frühen Morgen des 21. Januar 2019 über Deutschland.

Totale Mondfinsternis

Meteoroid traf den „Blutmond“ mit etwa 50.000 Kilometern pro Stunde

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Forscher haben berechnet, wie groß, schwer und schnell der Meteoroid war, der während der totalen Mondfinsternis auf dem Mond einschlug.

Update vom 16. Juli 2019: Deutschland kann sich wieder auf ein Himmelsphänomen freuen. Wir erklären, wann und wie Sie die partielle Mondfinsternis heute am 16. Juli 2019 sehen.

In den frühen Morgenstunden des 21. Januar beobachteten unzählige Menschen in aller Welt die einzige totale Mondfinsternis des Jahres. Was viele von ihnen erst später erfuhren: Sie sahen dabei auch den Einschlag eines Meteoroiden auf dem Mond. In den Tagen nach der Mondfinsternis wurde das Thema in Astronomie-Foren heiß diskutiert, Bilder und Videoaufnahmen wurden genau unter die Lupe genommen, um das nur schwer zu erkennende Ereignis auf den Aufnahmen zu sichten.

Meteoroiden-Einschläge auf dem Mond und auf der Erde sind keine Seltenheit - doch noch nie wurde ein solcher Einschlag während einer totalen Mondfinsternis beobachtet. Die Besonderheit daran: Viele Menschen wurden Zeuge des Ereignisses und es existieren unzählige Aufnahmen davon, die Forscher auswerten können, um mehr über den Einschlag zu erfahren.

Genau das taten Wissenschaftler der Universität von Antioquia in Kolumbien. Sie werteten Bilder und Videoaufnahmen von Wissenschaftlern und Amateurastronomen aus, um unter anderem herauszufinden, wie groß der einschlagende Meteoroid war. In einer Studie (pdf), die die Forscher auf der Plattform arxiv.org hochgeladen und zur Veröffentlichung bei einem Fachmagazin eingereicht haben, kommen die Autoren um Jorge I. Zuluaga zu dem Schluss, dass der Meteoroid mit einer Geschwindigkeit von etwa 13,8 Kilometern pro Sekunde (etwa 50.000 Kilometer pro Stunde) auf dem Mond eingeschlagen ist.

Meteoroid war 30 bis 50 Zentimeter groß

Die Energie des Einschlags ist nach den Berechnungen der Forscher mit der Energie von 0,9 bis 1,8 Tonnen TNT vergleichbar. Die Studienautoren gehen davon aus, dass der Meteoroid zwischen 20 und 100 Kilogramm wog und einen Durchmesser von 30 bis 50 Zentimetern hatte. „Wenn unsere Annahmen korrekt sind, hat der Einschlag einen Krater mit einem Durchmesser von sieben bis 15 Metern hinterlassen“, schreiben die Forscher. Ein Krater dieser Größe könnte von einer Sonde, die den Mond umkreist, entdeckt werden.

Die Studienergebnisse sind das Resultat einer Kooperation zwischen Profis und Amateurastronomen und „verdeutlichen die Wichtigkeit von Citizen Science in der zeitgenössischen Astronomie“, betonen die Forscher. Citizen Science (Bürgerwissenschaft) ist ein relativ neuer Begriff, der beschreibt, dass Amateure Forscher bei deren Arbeit unterstützen oder sogar komplett alleine forschen.

Forscher loben Citizen Science

„Soziale Netzwerke und ein einfacher Zugang zu Technologie haben die Menschheit so nah an die Wissenschaft herangeführt wie nie zuvor“, sagt Karls Peña, ein Mitautor der Studie. „Unternehmungen wie unsere, an der Profis und Amateure zusammenarbeiten, um das menschliche Wissen zu erweitern, sind ein sehr effektiver Weg, um Jugendlichen wissenschaftliche Arbeit schmackhaft zu machen“, so Peña weiter. Sergio Lopez, ebenfalls ein Co-Autor der Studie, ergänzt: „Wissenschaftliche Aufgaben wie diese senden eine Nachricht an die Öffentlichkeit, dass es kein unüberwindliches Hindernis ist, wenn man auf einem Gebiet kein professioneller Forscher ist.“ Man könne trotzdem einen “kleinen Beitrag zu diesem menschlichen Kollektivunternehmen leisten, das wir Wissenschaft nennen.“

Das Forscherteam geht davon aus, dass in den kommenden Wochen und Monaten weitere Wissenschaftler ihre Erkenntnisse zu dem Meteoroiden-Einschlag veröffentlichen und die Studienergebnisse dadurch bestätigen oder modifizieren.

Amateurastronomen sind der Wissenschaft in den unterschiedlichsten Bereichen tätig: Sie helfen beispielsweise bei der Bahnbestimmung von Asteroiden und Kometen oder melden Meteoroiden-Einschläge. Teilweise gibt es auch „Beobachtungsaufrufe“ über Organisationen, an denen Menschen aus aller Welt teilnehmen. Vergleichbar damit sind in anderen Themenbereichen etwa Aufrufe zur Zählung von Vögeln oder Insekten, aber auch Initiativen wie die „Open Sense Map“, die die Daten von Sensor-Stationen von Bürgern in aller Welt zusammenträgt.

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