Auf dem Mond haben Forschende Wasser nachgewiesen - wieder einmal.
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Auf dem Mond haben Forschende Wasser nachgewiesen - wieder einmal.

Neue Studien

Forschende weisen erstmals Wasser-Moleküle auf dem Mond nach

  • Tanja Banner
    vonTanja Banner
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Der Mond wirkt staubtrocken, doch das ist er offenbar nicht. Eine neue Studie hat erstmals Wassermoleküle auf der sonnigen Seite des Mondes entdeckt.

  • Formen von Wasserstoff auf dem Mond wurden bereits mehrfach nachgewiesen.
  • Forscher haben nun erstmals Wasser in Form von Molekülen auf dem Mond gefunden - die Studie wurde in „Nature Astronomy“.
  • Weltraumforschung: Alles rund um den Mond, Planeten und das Weltall.

Auf dem Mond, der staubtrocken wirkt, gibt es Wasser. Das zeigen seit einigen Jahren immer wieder Studien und auch die Erforschung von Mondgestein, das die „Apollo“-Missionen zur Erde brachten, hat winzige Mengen von Wasser zutage gefördert. Nun haben Forschende erneut Wasser auf dem Mond aufgespürt - und zwar nach eigenen Angaben mit einer Methode, die treffsicherer ist als die bisher gängige Methode.

Wasser auf dem Mond: Forschende finden eindeutige Signale

Denn bisher wurden bei der Suche nach Wasser auf dem Mond hauptsächlich Wellenlängen verwendet, bei denen nicht zwischen Wasser (H2O) und Hydroxyl (OH) unterschieden werden kann. Ein Team um die Nasa-Wissenschaftlerin Casey Honniball hat nun in einer anderen Wellenlänge auf dem Mond nach Wasser gesucht - die spektralen Signale, die mit dieser Methode gefunden werden, stammen nach Angaben der Forschenden eindeutig von Wasser „Vor unseren Beobachtungen wussten wir, dass es eine Form von Flüssigkeit gibt“, so die Hauptautorin Honniball. „Wir wussten aber nicht, ob ein Teil davon tatsächlich Wassermoleküle waren, wie wir sie jeden Tag trinken“. Um das Wasser auf dem Mond zu finden, setzten die Forschenden auf das Stratosphären-Teleskop „SOFIA“ - ein gemeinsames Projekt von US-Raumfahrtorganisation Nasa und Deutschem Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR.

Im Fachjournal „Nature Astronomy“ (DOI: 10.1038/s41550-020-01222-x) beschreibt das Team um Honniball, was es bei der Untersuchung des Mondes mit „SOFIA“ auf sich hat: Eindeutige Signale von Wassermolekülen in den südlichen Breitengraden des Mondes. Die Vermutung der Forschenden um Honniball: Das Wasser könnte in Glaskügelchen auf dem Mond stecken oder zwischen Körnchen auf der Oberfläche des Mondes, wo es vor dem rauen Klima geschützt ist. Denn auf der Mondoberfläche herrschen Temperaturen zwischen klirrend kalten -160 Grad Celsius und glühend heißen 130 Grad Celsius, in der Sonne würde Wasser auf dem Mond sofort verdampfen.

„Wir hatten Hinweise darauf, dass H2O - das Wasser, das wir kennen - auf der sonnigen Seite des Mondes zugegen sein könnte“, erklärt der Nasa-Wissenschaftler Paul Hertz. „Jetzt wissen wir, dass es da ist. Diese Entdeckung verändert unser Verständnis von der Mondoberfläche und wirft neue Fragen auf“, so Hertz weiter.

Kältefallen auf dem Mond: Wassereis wird vor Sonne geschützt

Vor allem am Südpol des Mondes hat man bisher Wasser in Form von Eis entdeckt. Dort liegt es gut geschützt in sogenannten „Kältefallen“ - Stellen, die dauerhaft im Dunkeln liegen, weil die Sonne sie nicht erreicht. Auf bis zu -240 Grad Celsius kann die Temperatur in diesen dunklen Mondkratern abfallen, das Wasser in Form von Eis liegt dort gut geschützt vor den extremen Bedingungen auf dem Mond.

Mit eben diesen Kältefallen auf dem Mond hat sich eine zweite Studie beschäftigt, die ebenfalls in „Nature Astronomy“ (DOI: 10.1038/s41550-020-1198-9) veröffentlicht wurde. Das Team um Paul Hayne untersuchte, bis zu welcher Größe Mondkrater als Kältefallen fungieren, um daraus zu ermitteln, wie groß die Oberfläche des Mondes ist, auf der es Wasser in Form von Eis geben könnte.

40.000 Quadratmeter Mondoberfläche könnten als Kältefallen fungieren

Das Autorenteam kommt dabei zu dem Schluss, dass „Kältefallen“ auf dem Mond durchaus auch nur einen Durchmesser von einem Zentimeter haben können. Von diesen Mikro-Kältefallen soll es auf dem Mond deutlich mehr geben als große Kältefallen, schreibt das Team um Hayne im Fachmagazin. Die Stellen, an denen Wasser in Form von Eis lagern könnte, sollen den Forschenden zufolge an beiden Mond-Polen zu finden sein. Insgesamt hätten etwa 40.000 Quadratmeter der Mondoberfläche die richtigen Eigenschaften, um Wasser in Form von Eis zu „fangen“.

Wasser auf dem Mond ist keine Überraschung mehr, aber trotzdem eine wichtige Sache: Künftige menschliche Missionen zum Mond könnten erleichtert werden, wenn die Astronauten und Astronautinnen Wasser auf dem Mond vorfinden. „Alles, was es künftigen Monderforschern erspart, Mengen von Wasser von zuhause mitzubringen, ist ein großer Schritt nach vorn“, erklärte der US-Forscher Schuai Li vor einiger Zeit - nachdem er mit seinem Team ebenfalls den Fund von Wasser auf dem Mond verkündet hatte. Die US-Raumfahrtorganisation Nasa plant bereits einen Rover, der am Südpol des Mondes Wassereis untersuchen soll - in Vorbereitung auf die künftigen „Artemis“-Missionen, die im Jahr 2024 erstmals wieder Menschen zum Mond bringen sollen.

Wer sich den Mond in seiner ganzen Pracht anschauen möchte, kann im Mondkalender nachlesen, wann Vollmond ist. Am 31. Oktober kann man den „Blue Moon“ am Himmel sehen - den zweiten Vollmond innerhalb eines Monats. (Tanja Banner)

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