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Schlafen bei Vollmond: Schläft man wirklich schlechter?

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Von: Sophia Lother

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Wer schlecht schläft, gibt schnell dem Mond die Schuld. Immer mehr Studien beschäftigten sich mit dessen Einfluss auf den Schlaf – mit neuen Erkenntnissen.

Seattle/Schweiz – Ein strahlend heller Vollmond in einer sternenklaren Nacht. Die Umgebung in silberweißes Licht getaucht. Solche Darstellungen finden sich nicht nur in Landschaftsportraits der Romantik, auch heute üben sich viele Fotokünstler:innen darin, die Vollmondnacht einzufangen. Doch neben dem Zauber des Vollmonds bedeutet dieser Sequenz des Mondzyklus für viele Menschen vor allem eines: Schlafprobleme.

Doch handelt es sich hier um eine Art „Nocebo“-Effekt, wonach die Schlafprobleme nicht am Mond selbst liegen, sondern daran, dass Betroffene mit Schlafstörungen wegen Vollmond rechnen? Im Gegenteil, in den letzten Jahren haben sich vermehrt Studien mit dem Einfluss des Vollmondes auf den Schlaf befasst, mit eindeutigen Ergebnissen.

Schlafen wir schlechter bei Vollmond? Studien liefern eindeutige Erkenntnisse

Tatsächlich gibt es bereits seit Jahrzehnten Forschung zum Vollmond und dessen Auswirkungen auf uns Menschen. Dass der Mond sich auf das Leben auf der Erde auswirkt, ist allgemein bekannt. Doch bei der Schlafforschung standen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor vielen Hürden, denn Schlaf genau zu messen, war äußert schwierig. Inzwischen werden die Ergebnisse in den vergangenen Jahren immer eindeutiger.

Etwa ein Mal im Monat prägt der Vollmond den Nachthimmel. Wirkt er sich auch auf unseren Schlaf aus?
Etwa ein Mal im Monat prägt der Vollmond den Nachthimmel. Wirkt er sich auch auf unseren Schlaf aus? © imagebroker/Imago

2008 wies ein schweizer Forschungsteam darauf hin, dass der Vollmond dafür sorgen könnte, dass die Studienteilnehmenden kürzer und vor allem schlechter schliefen. Doch aufgrund des Studiendesigns waren die Ergebnisse schwer zu interpretieren. Denn die Schlüsse zogen die Fachleute aufgrund von Schlaftagebüchern der Probanden.

Studie: Wie wirkt sich der Mond auf unseren Schlaf aus?

Im Jahr 2013 wurde dieser Ansatz von anderen Schweizer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erneut aufgegriffen. Sie veröffentlichten ihre Studie im Journal Current Biology. Sie untersuchten die Auswirkungen des Vollmondes auf den Schlaf in einem Schlaflabor. Um einen möglichen Nocebo-Effekt auszuschließen, werteten die Fachleute die Daten einer vorhergegangenen Schlafstudie zu einem anderen Thema im Hinblick auf den Vollmond und dessen Auswirkungen aus.

Vollmond in den letzten MonatenGenauer Zeitpunkt
Vollmond im November 202119. November 2021, 9.57 Uhr
Vollmond im Dezember 202119. Dezember 2021, 5.35 Uhr
Vollmond im Januar 202218. Januar 2022, 00.48 Uhr
Vollmond im Februar 202216. Februar 2022, 17.56 Uhr

Ein weiterer Vorteil gegenüber der Untersuchung von 2008: Durch die Laborbedingungen schliefen alle Teilnehmenden bei den gleichen Lichtverhältnissen. Ein Einfluss einer helleren Nacht auf den Schlaf konnte daher ausgeschlossen werden. Die Ergebnisse der Studie waren eindeutig.

Vollmond: Hat der Mond Schuld an Schlafstörungen? Das sagt die Forschung

Die Daten der 33 Versuchsteilnehmenden im Schlaflabor zeigten, dass mehrere Variablen durch den Mondzyklus beeinflusst wurden. Demnach war die Einschlafdauer länger, die Schlafdauer jedoch kürzer und auch die Tiefschlafphasen waren vermindert. Eine darauffolgende Studie im Jahr 2014 konnte diese Ergebnisse bestätigen. Die 47 Probandinnen und Probanden schliefen bei Vollmond rund 25 Minuten kürzer.

Doch leidet der Schlaf auch unter normalen Bedingungen unter dem Vollmond, oder sind solche Effekte möglicherweise nur im Labor messbar? Eine aktuelle Studie hat sich damit nun näher beschäftigt.

Unruhige Nacht bei Vollmond: Welchen Einfluss hat der Mond auf den Schlaf wirklich?

Forschende der Universität Washington verglichen in ihrer Studie erstmals den Einfluss des Vollmondes auf den Schlaf von Menschen in unterschiedlichen Lebenswelten. Ihre Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Science Advances erschienen. Während ein Teil der Probandinnen und Probanden in der US-Großstadt Seattle wohnten (464 Personen), lebten andere in indigenen Gemeinschaften in Argentinien (98 Personen). Zudem nutzten die Fachleute statt Schlaftagebüchern ein Tracking-Device, das die Teilnehmenden am Handgelenk trugen.

Es zeigte sich: Eine deutliche Veränderung des Schlafs war bei beiden Versuchsgruppen sichtbar. Der Vollmond beeinflusste, wie lange die Personen schliefen und wie lange sie zum Einschlafen brauchten. Obwohl die Forschenden annahmen, dass die Menschen in der Großstadt weniger vom Vollmond beeinflusst seien, weil es dort generell heller sei, zeigte sich auch bei diesen, dass der Schlaf unter dem Mond litt.

Um dem Einfluss des Vollmondes zumindest ein bisschen ein Schnippchen zu schlagen, empfiehlt es sich, an diesem Tag früher als sonst ins Bett zu gehen. Dadurch können die negativen Auswirkungen durch zu wenig Schlaf zumindest etwas abgeschwächt werden. (Sophia Lother)

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