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Die israelische Mission „Beresheet“ ist auf dem Weg zum Mond, Indien will bald folgen. Und auch die USA haben den Mond wieder ins Visier genommen.

Mondmissionen

2019 ist das Jahr des Mondes

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Gleich mehrere Nationen schicken 2019 Missionen zum Erdtrabanten - darunter Israel und Indien.

Das Jahr 2019 steht ganz im Zeichen des Mondes. Das liegt nicht nur daran, dass sich die erste Landung von Menschen auf dem Erdtrabanten im Juli zum 50. Mal jährt, sondern auch an den Plänen gleich dreier Nationen: China, Israel und Indien. Während China Anfang des Jahres bereits erfolgreich das Landegerät „Chang’e 4“ und den Rover „Yutu 2“ auf der Rückseite des Mond abgesetzt hat, stehen Israel und Indien kurz vor ihren ersten eigenen Missionen zur Landung auf dem Mond.

Ende Februar ist die private israelische Mission „Beresheet“ an Bord einer Falcon-9-Rakete von SpaceX vom geschichtsträchtigen US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Richtung Mond aufgebrochen. Das kleine Landegerät wurde vom israelischen Non-Profit-Unternehmen SpaceIL gebaut und soll nach einer 40-tägigen Reise am 4. April in eine Umlaufbahn um den Mond einschwenken. Geplant ist, dass „Beresheet“ nach einer guten Woche im Mondorbit am 11. April in einer Mondregion namens „Mare Serenitatis“ landet.

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Die Raumsonde hat – neben der israelischen Flagge – unter anderem eine Kamera an Bord und soll Fotos und Videos vom Mond zur Erde schicken. Ein Magnetometer soll außerdem das Magnetfeld des Mondes erkunden. Viel Zeit bleibt dafür nicht: Die Mission ist auf etwa zwei bis drei Tage ausgelegt. Das Weizmann Institute of Science, das das Magnetometer entwickelt hat, hofft, dass die Mission in Israel einen „Apollo-Effekt“ auslöst, der künftige Generationen inspiriert und von der Wissenschaft begeistert.

Israelische Mondmission „Beresheet“ entstand durch den Google Lunar X-Prize

SpaceIL, das Unternehmen, das hinter „Beresheet“ steht, wurde 2011 gegründet, um am Google Lunar X-Prize teilzunehmen. Den vom Suchmaschinenriesen ausgeschriebenen Preis in Höhe von 30 Millionen Dollar sollte derjenige erhalten, dem es als Erstes gelingt, eine Raumsonde auf dem Mond zu landen, dort 500 Meter zurückzulegen und Aufnahmen zur Erde zu schicken. 2018 beendete Google den Wettbewerb ohne einen Sieger – doch einige Unternehmen, darunter auch die PTScientists aus Berlin, machen auch ohne den Anreiz eines Preisgelds weiter.

Eine SpaceX-Rakete befördert „Beresheet“ im Februar ins All.

In die israelische Mission involviert ist seit einiger Zeit auch die US-Raumfahrtorganisation Nasa. Sie hat sich mit einem kleinen Laser-Retroreflektor an dem Projekt beteiligt und will testen, ob das Gerät als Navigationswerkzeug einsetzbar ist. Zur Kommunikation mit „Beresheet“ darf SpaceI außerdem das Deep Space Network der Nasa nutzen. Die erhält dafür die Daten, die das Magnetometer auf dem Mond sammelt und wird sie veröffentlichen. Außerdem soll der „Lunar Reconnaissance Orbiter“ der Nasa, der seit 2009 den Mond umkreist, versuchen, während der Landung von „Beresheet“ wissenschaftliche Messungen vorzunehmen.

Die Mondmission von SpaceIL ist nicht darauf ausgelegt, den heißen Tagen und kalten Nächten auf dem Mond lange zu widerstehen und auch die wissenschaftliche Bedeutung der Mission dürfte nur gering sein. Doch „Beresheet“ kommt trotzdem immense Bedeutung zu: Gelingt die Landung, wird Israel zum vierten Land, dem das weiche Aufsetzen einer unbemannten Raumsonde auf dem Mond gelungen ist.

Bisher haben das nur die damalige Sowjetunion (zuerst mit „Luna 9“ im Januar 1966), die USA (zuerst mit „Surveyor 1“ im Juni 1966) und China (zuerst mit „Chang’e 3“ im Dezember 2013) geschafft. Ist „Beresheet“ erfolgreich, geht die Mission zudem als erste privat finanzierte Raumsonde auf dem Mond in die Geschichte ein.

In den kommenden Monaten will sich auch Indien in die Liste der Länder, die auf dem Mond gelandet sind, eintragen. Derzeit ist der Start der Mission „Chandrayaan-2“ für April geplant, ein genaues Startdatum steht noch nicht fest.

Indien will ebenfalls zum Mond - „Chandrayaan-2“ hat einen Rover dabei

Indien hat sich für seine Mission mehr vorgenommen als Israel – hat aber auch etwas mehr Erfahrung in der Raumfahrt: Bereits 2008 flog die erste indische Sonde „Chandrayaan-1“ zum Mond und umkreiste ihn ein knappes Jahr lang. Seit 2014 umfliegt zudem der Mars-Orbiter „MOM“ den roten Planeten. Bei der neuesten Mission soll der Mond nicht nur umkreist werden: Geplant ist, dass ein Landegerät auf dem Himmelskörper aufsetzt und dort einen etwa 25 Kilogramm schweren Rover aussetzt. Der soll das Mondgestein chemisch analysieren, während der Orbiter und das Landegerät mit verschiedenen Instrumenten die Mondatmosphäre untersuchen und Wasservorkommen genauer erkunden sollen. Der Lander soll außerdem mit Hilfe eines Seismografen nach Mondbeben suchen.

China hat zwar gerade erst einen Lander und einen Rover auf die Mondoberfläche gebracht, doch schon Ende des Jahres soll die nächste Mission starten. „Chang’e 5“ soll Gesteinsproben zurück zur Erde bringen – nach Angaben von Wu Yanhua, Chef der chinesischen Raumfahrtorganisation CNSA, wären es die ersten Proben, die seit der sowjetischen Mission „Luna 24“ im Jahr 1976 vom Mond zurück zur Erde gebracht werden.

Den neuen Run zum Mond will sich auch die US-Raumfahrtorganisation Nasa nicht entgehen lassen. 50 Jahre nach der ersten Mondlandung hat es die US-Behörde plötzlich eilig, wieder zum Erdtrabanten zurückzukehren. Noch Ende des Jahres sollen erste wissenschaftliche Experimente zum Mond fliegen – wenn bis dahin private Mond-Lander zur Verfügung stehen, schränkt die Nasa in einer Mitteilung ein. Derzeit arbeiten neun Unternehmen im Rahmen des „Commercial Lunar Payload Services“-Programm der Nasa an Landegeräten, die Nasa-Fracht auf die Oberfläche des Mondes transportieren können.

Der Mond steht auch bei der Nasa wieder im Fokus

Doch warum steht der Mond plötzlich wieder im Fokus? „Der Mond hat einen einzigartigen wissenschaftlichen Wert und das Potenzial, Ressourcen wie Wasser und Sauerstoff einzubringen“, erklärt Nasa-Chef Jim Bridenstine in einer Mitteilung. „Seine Nähe zur Erde macht ihn besonders wertvoll als Testgelände für Erkundungen in den Tiefen des Weltraums“, so Bridenstine. Zuvor hatte bei der Nasa lange Zeit der Fokus auf dem Planeten Mars gelegen – und so ganz ist der rote Planet auch nicht aus dem Visier der USA verschwunden. Das Motto heißt mittlerweile „Moon to Mars“ – erst soll es zum Mond gehen und von dort aus weiter zum roten Planeten.

Ende vergangenen Jahres hat die US-Raumfahrtbehörde Privatunternehmen dazu aufgerufen, wiederverwertbare Systeme zu entwickeln, mit denen Menschen auf dem Mond landen können. Der Plan sah vor, ab 2024 die Systeme zu testen – um dann letztlich im Jahr 2028 Astronauten zum Mond zu schicken. Doch bei einer Sitzung des unter US-Präsident Trump wiedereingeführten National Space Council teilte Vizepräsident Mike Pence am Dienstagabend mit, dass die USA bereits binnen fünf Jahren wieder Astronauten auf den Mond bringen wollen. Die erste Frau und der nächste Mann auf dem Mond sollten aus den USA sein, erklärte Pence und macht der Nasa damit Druck.

Die erklärte durch Bridenstine bereits im vergangenen Sommer, dass sie dieses Mal nicht zum Mond fliegen wollten, um „Flaggen und Fußabdrücke“ zu hinterlassen. „Wenn wir wieder zum Mond fliegen, werden wir bleiben“, erklärte der Nasa-Chef.

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Dieses Mal soll der Weg zum Mond „nachhaltig“ sein, betont man bei der Nasa. Es geht dabei nicht nur um wiederverwertbare Raketen, sondern auch um eine langfristige Raumstation in der Umlaufbahn des Mondes. Vom so genannten „Gateway“ aus sollen wiederverwertbare Lander zur Mondoberfläche und zurück fliegen. Auch die Rohstoffe, die der Mond zu bieten hat, spielen eine Rolle: Die Nasa arbeitet nach eigenen Angaben daran, aus Wassereis und dem Mondstaub Regolith Raketentreibstoff herzustellen. Wissenschaftler untersuchen außerdem, wie Astronauten auf dem Mond aus den vorhandenen Rohstoffen Wasser herstellen könnten.

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