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Rakete auf Kollisionskurs mit dem Mond – Nasa hat einen Plan

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Von: Tanja Banner

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Eine Marssonde wird mit einer «Langer Marsch 5»-Rakete einschließlich eines Orbiters und eines Rovers vom Raketenstartplatz Kosmodrom Wenchang in der südchinesischen Provinz Hainan in die Umlaufbahn geschickt.
Eine chinesische Rakete wird am 4. März 2022 auf dem Mond einschlagen. (Symbolbild) © Guo Cheng/dpa

Ein Experte ist sicher: Die Raketenstufe, die den Mond treffen wird, stammt aus China – auch wenn das Land dementiert. Die Nasa entwickelt unterdessen einen Plan.

Tucson – Eins steht fest: Am 4. März 2022 wird ein ausrangiertes Teil einer Rakete den Mond treffen. Doch von wem stammt dieses Raketenteil? Diese Frage ist weiterhin nicht vollständig geklärt. Zuerst galt es als relativ sicher, dass die zweite Stufe einer SpaceX-Rakete, die den Satelliten „DSCOVR“ der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA im Februar 2015 ins Weltall geschossen hatte, auf Kollisionskurs mit dem Mond ist. Doch dann stellte sich heraus, dass ein anderes Stück Weltraumschrott viel besser passt: eine chinesische Raketenstufe, die die Mond-Mission „Chang‘e 5-T1“ im Oktober 2014 auf ihren Weg gebracht hatte.

China dementierte umgehend, dass es sich um diese Rakete handelt. Doch Bill Gray, der ursprünglich entdeckt hatte, dass sich eine Rakete auf Kollisionskurs mit dem Mond befindet, ist sich sicher, dass es die chinesische Raketenstufe ist, die den Mond treffen wird. „Kurz gesagt, sieht es genau aus, wie eine chinesische Mond-Mission in jeder Hinsicht aussehen muss“, schreibt Gray auf seiner Website zu den Daten, die er ausgewertet hat. Er geht davon aus, dass die chinesischen Offiziellen bei ihrem Dementi zwei Missionen verwechselt hatten, denn es gibt eine zweite Mond-Mission mit einem sehr ähnlichen Namen, deren Raketen-Booster längst ins Meer gestürzt ist.

Rakete aus China außer Kontrolle: Auf Kollisionskurs mit dem Mond

Auch andere Indizien weisen ziemlich deutlich auf die chinesische Rakete hin: Studierende der University of Arizona um den Astronomen Vishnu Reddy haben das Spektrum des Raketenteils unter die Lupe genommen und kommen zu einem eindeutigen Ergebnis: „Wir nahmen ein Spektrum, das die Materialzusammensetzung eines Objekts aufzeigen kann, und verglichen es mit chinesischen und SpaceX-Raketen ähnlichen Typs“, erklärt Reddy in einem Statement und fährt fort: „Es stimmt mit der chinesischen Rakete überein.“ Es sei „der bestmögliche Beweis zu diesem Zeitpunkt“, betont Reddy.

Doch egal, wo sie letztendlich gestartet wurde: Die außer Kontrolle geratene Raketenstufe wird am 4. März den Mond treffen, so viel ist klar. Von der Erde aus ist das Ereignis nicht zu beobachten, da die Rakete auf der Rückseite des Monds einschlagen wird. Bislang gab es die Hoffnung, dass die US-Raumfahrtorganisation Nasa mit ihrem Mond-Orbiter „Lunar Reconnaissance Orbiter“ (LRO) den Einschlag live verfolgen kann. Doch die Sonde, die seit 2009 den Mond umkreist, befindet sich zum Zeitpunkt des Einschlags an einer dafür ungeeigneten Position.

Mond wird von Raketenteil getroffen – Nasa hat einen Plan

Die Nasa hat jedoch trotzdem einen Plan: „Das Missionsteam prüft, ob es möglich ist, die mit dem Einschlag verbundenen Veränderungen der Mondumgebung zu beobachten und später den durch den Einschlag entstandenen Krater zu identifizieren“, zitiert das Portal Space.com einen Nasa-Sprecher.

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Bill Gray macht währenddessen darauf aufmerksam, dass es wohl an der Zeit sei, Weltraumschrott in hohen Umlaufbahnen künftig auch zu beobachten. Bisher sei das Verfolgen von Weltraumschrott im tiefen Weltraum nicht wichtig gewesen, schreibt Gray. „Doch viele Raumschiffe begeben sich jetzt in hohe Umlaufbahnen und einige von ihnen werden Crews zum Mond bringen“, betont er. „Dieser Schrott wird dann nicht mehr länger nur ein Ärgernis für eine kleine Gruppe von Astronomen sein.“ Das Ignorieren der Objekte sei „keine Option mehr“. (tab)

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