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Wie Forschende Leben auf Saturn-Mond Enceladus finden wollen – ohne dort zu landen

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Von: Tanja Banner

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Am Südpol des Saturn-Mondes Enceladus gibt es zahlreiche Geysire, die Wasser ins Weltall spucken. Die Raumsonde „Cassini“ hat sie fotografiert und ist hindurch geflogen. (Archivbild)
Am Südpol des Saturn-Mondes Enceladus gibt es zahlreiche Geysire, die Wasser ins Weltall spucken. Die Raumsonde „Cassini“ hat sie fotografiert und ist hindurch geflogen. (Archivbild) © imago/ZUMA Wire/Nasa

In den Wasserfontänen, die Enceladus ausspuckt, könnte die Forschung eine Antwort auf die Frage finden, ob es auf dem Saturn-Mond Leben gibt.

Tucson – Der Saturn-Mond Enceladus gilt als einer jener Orte im Sonnensystem, an dem es Leben geben könnte. Mit seiner mindestens fünf Kilometer dicken Eisschicht erscheint der Mond zwar auf den ersten Blick nicht besonders lebensfreundlich, doch die Forschung vermutet, dass es in dem darunterliegenden, etwa zehn Kilometer tiefen Ozean Leben geben könnte. Doch wie erforscht man ein Meer, das unter fünf Kilometern Eis verborgen ist und noch dazu Millionen von Kilometern von der Erde entfernt ist?

Eine neue Studie zeigt, dass man offenbar nicht einmal auf Enceladus landen müsste, um den Ozean des Saturn-Mondes auf Leben zu untersuchen, wie hna.de berichtet. „Es ist klar, dass es nicht einfach wäre, einen Roboter zu schicken, der durch Eisspalten kriecht und tief zum Meeresboden hinabtaucht“, erklärt Régis Ferrière von der University of Arizona und Autor der neuen Studie, die im Planetary Science Journal veröffentlicht wurde.

Wie ein Forschungsteam Leben auf dem Saturn-Mond Enceladus nachweisen will

Stattdessen schlägt das Forschungsteam um Ferrière und seinen Kollegen Antonin Affholder etwas vor, was in kleinerem Maßstab bereits durchgeführt wurde: Eine künftige Raumsonde könnte durch die Wasserfahnen fliegen, die Geysire am Südpol des Mondes ausspucken. Die Nasa-Raumsonde „Cassini“ hatte genau das im Jahr 2015 gemacht und dabei unter anderem Methan und andere organische Moleküle entdeckt, die als Bausteine des Lebens, wie es die Forschung bisher kennt, gelten.

Durch den Methan-Fund in den Wasserfontänen vermutet die Forschung, dass es in den Tiefen des Ozeans von Enceladus hydrothermale Quellen geben könnte – wie es sie auch in den irdischen Meeren gibt. Auf unserem Planeten beherbergen die Gebiete um Hydrothermalquellen oft komplexe Lebensgemeinschaften, bestehend aus unterschiedlichsten Organismen.

„Auf unserem Planeten wimmelt es in den hydrothermalen Schloten trotz der Dunkelheit und des wahnsinnigen Drucks von großem und kleinem Leben“, erklärt Ferrière. „Die einfachsten Lebewesen dort sind Mikroben, die Methanogene genannt werden und sich selbst in Abwesenheit von Sonnenlicht mit Energie versorgen.“

Saturn-Mond Enceladus spuckt Wasserfontänen ins Weltall

Methanogene wandeln Dihydrogen und Kohlendioxid zur Energiegewinnung um und setzen dabei Methan als Nebenprodukt frei – was das Methan in den Wasserfontänen der Geysire erklären könnte. Das Team aus Arizona geht noch einen Schritt weiter: „Unsere Forschung zeigt, dass, wenn eine Biosphäre im Ozean von Enceladus vorhanden ist, Anzeichen für ihre Existenz im Geysir-Material gefunden werden könnten, ohne dass eine Landung oder Bohrung notwendig wäre“, weiß Affholder.

Doch der Forscher schränkt gleich ein: „Die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich Zellen gefunden werden, dürfte gering sein, denn sie müssten den Ausgasungsprozess überleben, der sie durch die Abgase aus der Tiefsee in das Vakuum des Weltraums trägt – eine ganz schöne Reise für eine winzige Zelle.“

Raumsonde müsste hundertmal durch Enceladus‘ Wasserfahnen fliegen

Um ausreichend Material zu sammeln, müsste eine Raumsonde mindestens hundertmal durch die Wasserfahnen fliegen, haben die Forschenden berechnet. „In Anbetracht der Tatsache, dass den Berechnungen zufolge jegliches Leben auf Enceladus extrem spärlich wäre, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir nie genug organische Moleküle in den Abgasen finden werden, um eindeutig auf Leben zu schließen“, betont Ferrière jedoch in einer Mitteilung seiner Universität. Deshalb schlägt sein Forschungsteam vor, dass nachgewiesene organische Moleküle, wie bestimmte Aminosäuren, als indirekte Beweise für oder gegen Leben im Ozean von Enceladus dienen könnten.

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Doch bis der Plan des Forschungsteams durchgeführt wird, könnte es noch einige Zeit lang dauern. „Der endgültige Beweis für lebende Zellen auf einer fremden Welt könnte noch Generationen lang ausbleiben“, ist sich Affholder bewusst. „Bis dahin ist die Tatsache, dass wir die Existenz von Leben auf Enceladus nicht ausschließen können, wahrscheinlich das Beste, was wir tun können.“ (tab)

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